Enten schwimmen in einem Badesee.
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Eigentlich wollen die Parasiten Wasservögel befallen, der Mensch ist nur ein Fehlwirt. (Symbolbild)

„Entenflöhe“

Jucken und Ausschlag nach dem Schwimmen im See: Parasiten verursachen Badedermatitis

  • VonSebastian Schmidt
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Ein roter juckender Ausschlag nach dem Baden im See kann von Parasiten stammen. Die Badedermatitis wird vom sogenannten „Entenfloh“ ausgelöst.

Neumünster/St. Gallen – Wenn das Thermometer über 30° Grad anzeigt und es in der Wohnung nicht mehr zum Aushalten ist, zieht es viele Menschen an nahegelegene Badeseen. Dort verschafft der Sprung ins kalte Nass die ersehnte Abkühlung, aber birgt mancherorts auch eine unsichtbare Gefahr: Winzige Parasiten können sich im Wasser befinden und die Badegäste befallen. Das Ergebnis: ein roter juckender Ausschlag – Badedermatitis. Der Volksmund macht dafür den „Entenfloh“ verantwortlich.

Juckender Ausschlag: Diese Parasiten verursachen Badedermatitis

Verursacht wird die Badedermatitis jedoch nicht von Flöhen sondern von Zerkarien. Das sind die Larven unterschiedlicher Saugwürmer. Wie die Klinik für Infektiologie St. Gallen über die Parasiten schreibt, scheiden Wasservögel, die von den Parasiten befallen sind, Saugwurm-Eier aus. Aus den Eiern schlüpfen zuerst Wimpernlarven, die von Wasserschnecken aufgenommen und dann als Zerkarien ausgeschieden werden.

Zwischen 0,5 und 1 Millimeter sind die Zerkarien groß und deswegen mit dem bloßen Auge fast nicht zu erkennen. Ihr eigentliches Ziel: Wasservögel. Wenn sie die befallen, fängt der Kreislauf der Saugwürmer wieder von vorne an. Immer wieder kommt es aber auch vor, dass die Zerkarien in die Haut von Menschen eindringen.

Ideale Bedingungen für die Parasiten: Dort kommen sie überall vor

Die Zerkarien werden von den Wasserschnecken ab einer bestimmten Wassertemperatur in großer Zahl ausgeschieden. Der NABU Schleswig Holstein gibt die mit 20° Grad an. Im Badesee selbst sollen die Parasiten vor allem im seichten Wasser an der Wasseroberfläche schwimmen.

Dass die Zerkarien neben Badeseen* auch in Naturbädern oder Schwimmteichen vorkommen können, scheint zumindest denkbar. Da aber Wasservögel und Enten ein wichtiger Wirt im Entwicklungskreislauf der Parasiten sind, schätzt die Deutsche Gesellschaft für naturnahe Bädergewässer, dass mit einem „massenhaften Auftreten“ kaum zu rechnen sei, wenn die Naturpools gut durchströmt und sauerstoffreich wären und darauf geachtet werde, dass sie „entenfrei“ seien.

Die Parasiten kommen übrigens weltweit vor und sind vorwiegen in Süßwasserseen anzutreffen.

Mensch als Fehlwirt der Parasiten: Das passiert nach dem Befall

Da die Zerkarien eigentlich Wasservögel wie Enten befallen, ist der Mensch bloß ein Fehlwirt. Die Parasiten dringen zwar in die menschliche Haut ein, dort sterben sie dann aber ab. Zerkarien können sich dort nicht weiterentwickeln.

Wenn ein Mensch zum ersten Mal mit Zerkarien befallen wird, soll die Reaktion laut NABU Schleswig Holstein nur gering ausfallen. Erst wenn man zuvor bereits Kontakt mit den Parasiten hatte, reagiere das Immunsystem stärker.

Medizinisch Hilfe gegen den Juckreiz meist nicht nötig

Dann soll innerhalb von 24 bis 48 Stunden ein Juckreiz auftreten, wie die Klinik St. Gallen erklärt. An den Stellen, an denen der Parasit die Haut durchdrungen hat, entwickeln sich „flohstichartige Papeln“. Das Jucken lässt dann üblicherweise in vier bis sieben Tagen wieder nach. Die Quaddeln brauchen aber ein paar Tage länger zum Abheilen.

Eine ärztliche Behandlung oder ein Medikament ist in aller Regel nicht notwendig. Der NABU Schleswig Holstein rät, dass bei Menschen mit starken allergischen Reaktionen ein Besuch beim Arzt angebracht sein könne, um den Ausschlag mit antiallergischen Medikamenten oder durch kühlende Gele zu lindern.

Risiko für den Parasiten-Befall minimieren

Der NABU Schleswig Holstein hat ein paar Tipps zum Umgang mit den Parasiten:

  • Seichtes Wasser und wasserpflanzenreiche Zonen am Ufer meiden.
  • Hinweisschilder von Gemeinden beachten.
  • Sich vor dem Schwimmen mit wasserunlöslicher Creme (Sonnencreme, Vaseline) einreiben.
  • Nach dem Schwimmen Badesachen wechseln und mit einem Handtuch abreiben.
  • Auch wenn es schwer fällt: Nicht kratzen, um eine Zweitinfektion mit Bakterien zu verhindern.

Laut Klinik St. Gallen erscheint es auch sinnvoll, sich nach dem Baden im See direkt abzuduschen. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirksamkeit des Abduschens, gebe es aber noch nicht.

Übrigens auch Hunde können von den Zerkarien befallen* werden.

*fnp.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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