Experte schätzt Situation ein

Weiteres Corona-Opfer: Esprit schließt Filialen und entlässt über 1000 Mitarbeiter - auch im Ruhrgebiet

  • vonLena Zschirpe
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Die Coronavirus-Krise zieht im Einzelhandel immer deutlichere Spuren. Jetzt steht die Modekette Esprit vor dem Aus. Die Hälfte der Filialen sind betroffen.

  • Esprit leidet auch im Nachgang unter der wochenlangen Schließung der Geschäfte.
  • Der Konzern will jetzt etwa die Hälfte seiner Filialen schließen.
  • Die Modekette ist nicht die erste, die unter den Auswirkungen des Coronavirus leidet.

NRW - Der Lockdown um das Coronavirus zwingt nicht nur viele kulturelle Institutionen in die Knie. Auch der Einzelhandel, der seit einigen Wochen nur unter Einhaltung eines Sicherheitskonzeptes wieder öffnen darf, leidet finanziell. Jetzt sieht auch Esprit sich offenbar gezwungen, zu handeln, wie RUHR24.de* berichtet.

Modeunternehmen

Esprit Holdings

Zentrale

Kowloon Bay, Hongkong

CEO

Anders Kristiansen (1. Juni 2018–)

Gründung

1968, San Francisco, Kalifornien, Vereinigte Staaten

Wegen Corona: Esprit entlässt 1000 Mitarbeiter - auch Filialen im Ruhrgebiet betroffen?

Die Konsequenz aus der Coronavirus-Krise für das Unternehmen Esprit Holdings: In Deutschland soll jede zweite Filiale geschlossen werden, wie der WDR berichtet. Damit fallen insgesamt 50 Stores und über 1000 Arbeitsplätze weg - auch in der Verwaltung der Modekette. Was bedeutet das für die Geschäfte in der Region?

Derweil ist in fast jeder Stadt im Ruhrgebiet eine Filiale von Esprit vertreten. In Dortmund, Bochum, Unna, Recklinghausen, Essen sind Stores zu finden, in letzterer City sogar mehrere. Hinzukommen die Warenhäuser, in denen die Marke ihre Produkte zusätzlich anbietet.

Experte: "Esprit hat Probleme nicht lösen können" - Filialen müssen schließen

Und genau die Kombination aus beidem sei bei Esprit ein wirtschaftlicher Stolperstein, wie Gerrit Heinemann gegenüber dem WDR erklärt. Er ist Professor an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach und gilt als Experte für die Zukunft des Handels. "Entweder man betreibt ausschließlich eigene Geschäfte und verkauft nicht an Dritte. Oder man betreibt Großhandel. Beides ist nicht zusammenzubringen. Esprit hat dieses Problem auch nicht lösen können", so Heinemann (mehr Service-Artikel unter RUHR24.de*).

Allerdings sei die aktuelle Lage von Esprit und von anderen Einzelhandelsunternehmen wahrscheinlich auch strukturell bedingt. "Corona ist Katalysator, Brandbeschleuniger für Probleme, die es schon vorher gab", sagt Heinemann weiter. Er habe sich bereits in den vergangenen Jahren gewundert, dass es Esprit in dieser Form überhaupt noch gibt.

Während des Lockdowns waren die Filialen von Esprit geschlossen und einige werden auch nicht wieder geöffnet.

Esprit entlässt Mitarbeiter: Einzelhandel bangt um seine Existenz

Die Problematik betrifft wahrscheinlich nicht nur Esprit, denn auch andere Marken verfahren ganz ähnlich. So etwa Tom Tailor, das im Zuge des Coronavirus ebenfalls vor dem Aus steht und im Ruhrgebiet einige Filialen schließt.* Ebenso soll es um Zara schlecht stehen - das spanische Modeunternehmen zieht sich möglicherweise aus vielen Innenstädten zurück.*

Für Esprit sieht der Experte Gerrit Heinemann sogar komplett schwarz: "Experten prognostizieren ein Minus von 30 Prozent im Textilhandel- und Bekleidungshandel für dieses Jahr. Und davon ist auch Esprit direkt betroffen. Wenn das dann wirklich so kommt, hat Esprit, glaube ich, keine Chance mehr."

Weiteres Corona-Opfer: Esprit steht vor dem Aus

Welche Filialen genau von Esprit betroffen sind und schließen müssen, ist noch unklar. Bis November sollen die Stores aber nach und nach schließen. Der damit verbundene Stellenabbau sei Teil eines internen Restrukturierungsplans, wie der Modekonzern mitteilt. In Dortmund musste Esprit bereits 2019 die Filiale auf dem Westenhellweg* schließen. Aktuell gibt es nur noch ein Geschäft in der Thier-Galerie. 

Bereits Ende März hatte Esprit für mehrere seiner Tochtergesellschaften, die unter dem Coronavirus leiden, ein Schutzschirmverfahren beantragt. Damit will die Modekette sich vor Forderungen von Gläubigern schützen. Das Insolvenzgericht habe bereits der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zugestimmt, heißt es vonseiten der Modekette Esprit. ruhr24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/Thomas Frey/dpa; Collage: RUHR24

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