Spießer- oder Hipster-Hund?

Dackel sind längst nicht mehr nur Begleiter für Senioren und Jäger – der Dachshund ist auf den Straßen der Großstadt angekommen. In Berlin-Neukölln haben Hundefans sogar eine eigene Kneipe eröffnet.
27. Januar 2017, 16:42 Uhr
Früher galt der kurzbeinige Dackel als spießig. Mittlerweile ist er auch bei jungen Architekten, PR-Beratern oder Erziehern in Berlin angekommen. (Foto: dpa)

Ella will heute getragen werden. Schließlich ist es kalt in Berlin, und auf dem Boden liegt nasser Schnee. Dagegen hilft auch der braune Mantel nicht. Also nimmt Bernd Ehnes Dackeldame Ella auf den Arm.

Elf Dackel haben sich mit Frauchen und Herrchen vor der Dackelkneipe »Posh Teckel« in Berlin-Neukölln versammelt. Zum sechsten Mal gehen sie gemeinsamen spazieren. Die Teilnehmer der Runde kommen aus allen Stadtteilen Berlins und haben die unterschiedlichsten Berufe. Sie sind Architekten, PR-Berater oder Erzieher – und alle unter 45. Früher galt der kurzbeinige Dackel als spießig, mittlerweile ist er auch bei jungen Großstädtern angekommen.

5885 Dackelwelpen

Allein im Jahr 2015 wurden beim Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) 5885 Dackelwelpen angemeldet. »Natürlich kommen wir an die Zahlen der 60er und 70er Jahre mit 20 000 Welpen und mehr pro Jahr nicht mehr heran«, sagt Joana Krietsch, Sprecherin des Deutschen Teckelklubs 1888. Dabei gebe es heute jedoch mehr Rassen, und auch die Schwarzzucht sei angestiegen. »Der Trend geht aber eindeutig wieder Richtung gezüchtetem Rassehund.«

Bernd Ehnes (37) und seine Freundin Judith Schmitt (42) sind Organisatoren des Dackeltreffens in Neukölln. Ihnen gehört auch das Lokal »Posh Teckel«. Kennengelernt haben sie sich im Sommer 2013, bei einem Musikfestival. Schnell entstand die Idee zu einer gemeinsamen Kneipe. Bernd Ehnes brachte Dackeldame Ella ein, Judith Schmitt sorgte dank ihrer Vorliebe für englische Musikkneipen für einen Extraraum für Live-Auftritte.

»Vorsicht, dir wurde gerade auf den Schuh gepinkelt«, »Hast du eine neue Leine?« – Frauchen und Herrchen unterhalten sich, die Hunde bellen und folgen ihren Jagdins-tinkten. »Der Dackel ist ein Individualist, bezeichnend seine Selbstständigkeit und Intelligenz«, erklärt Joana Krietsch. »Für die Jagd unter der Erde gezüchtet, muss ein Dackel selbstständig Entscheidungen fällen können.«

In Neukölln kann der Spaziergang losgehen. Passanten lächeln, als sie das Trüppchen sehen. »Edy ist ein Charmeur, er weiß genau, dass er süß aussieht und nutzt das schamlos aus«, sagt Julia Walerian. Die 28-Jährige ist zum ersten Mal beim Dackeltreffen dabei. Ihre Freundin Anna Silbe hatte sie auf das Treffen aufmerksam gemacht. Kennengelernt haben sich beide, natürlich, über ihre Dackel.

»Pauline und Edy haben sich beim Gassigehen verliebt«, sagt Anna Silbe. Frauchen Julia hat Edy immer dabei. Auch während ihrer Arbeit in einer PR-Agentur. Die Kollegen freuen sich über den »Happyness-Manager«. Ganz so einfach ist es bei Anna nicht. Ist sie im Kindergarten, muss Pauline alleine zu Hause bleiben. Dass der Hund allein sein kann, sei wichtig, sagt die 30-Jährige. Solche Fähigkeiten liegen wohl nicht nur an der guten Erziehung, sondern auch an der Herkunft des Hundes. »Ein anerkannter Züchter ist unglaublich wichtig, Dackel darf man nicht über Kleinanzeigen im Internet kaufen«, sagt Anna Silbe. Der Preis für einen echten reinrassigen Dackel beginne erst bei 900 Euro.

Im Volkspark Hasenheide stürzen sich Edy und Pauline dann begeistert auf die Stöckchen im Schnee und rennen zwischen den im Park Schlitten fahrenden Kindern umher. Und Ella? Die genießt das ganze Schauspiel von oben, in den Armen von Herrchen Bernd.

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