06. September 2018, 16:30 Uhr

Nordkorea erwartet von den USA Entgegenkommen im Atomstreit

Süd- und Nordkorea treiben ihre Annäherung voran. Beide einigen sich auf ein neues Gipfeltreffen. Doch das Atomprogramm Nordkoreas bleibt ein großes Hindernis. Welchen Spielraum haben die Verhandler?
06. September 2018, 16:30 Uhr
Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un neben einem Sprengkopf: Zweifel am Willen zur Abrüstung sind erlaubt. (Foto: KCNA/Archiv)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat von den USA ein Entgegenkommen in den Verhandlungen über das Atomwaffenprogramm seines Landes gefordert.

Bei seinem Besuch in Pjöngjang habe Kim von «ersten notwendigen Schritten zur Denuklearisierung» gesprochen, die Nordkorea unternommen habe, sagte Südkoreas nationaler Sicherheitsberater Chung Eui Yong in Seoul. Kim wünsche sich «ein Umfeld, das ihn spüren lässt, er habe die richtige Entscheidung getroffen.» Der gute Wille müsse entsprechend anerkannt werden. Er habe weiter Vertrauen in US-Präsident Donald Trump, wurde Kim von Chung zitiert.

Mit Nordkoreas Führung vereinbarten Chung und seine Delegation bei ihrem Besuch in Pjöngjang am Mittwoch einen Termin für ein weiteres Gipfeltreffen zwischen Kim und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In. Moon wird laut Chung zu seinem dritten Treffen mit Kim vom 18. bis zum 20. September Pjöngjang besuchen. Dabei solle auch über «praktische Maßnahmen» zur Denuklearisierung und einen dauerhaften Frieden gesprochen werden.

Kim habe erneut seine Bereitschaft zur «kompletten Denuklearisierung» bekräftigt, sagte Chung. Kim habe sich jedoch enttäuscht gezeigt, «dass es in der internationalen Gemeinschaft Zweifel an seinen Absichten» gebe. Ein Dreiertreffen der Vertreter beider koreanischer Staaten und der USA am Rande der UN-Vollversammlung in diesem Monat in New York schloss er aus. Dafür seien die Bedingungen derzeit nicht gegeben. Trump wird Ende September in New York Moon Jae In treffen.

Zuletzt verstärkte sich die Skepsis, dass die kommunistische Regierung in Pjöngjang die grundsätzlich vereinbarte atomare Abrüstung tatsächlich angehen werde. US-Außenminister Mike Pompeo hatte deshalb in der vergangenen Woche eine Reise nach Nordkorea auf Geheiß von Trump abgesagt. Washington und Pjöngjang sind die Hauptakteure in den Atomverhandlungen. Doch bemüht sich Seoul um eine Vermittlung.

Kim hatte bereits bei seinem ersten Treffen mit Moon im April sowie bei seinem Gipfelgesprächen mit Trump im Juni in Singapur eine Denuklearisierung versprochen. Doch gab es bisher keine konkreten Zusagen, wie und bis wann die Abrüstung erfolgen soll. «Denuklearisierung» ist dabei in dem Konflikt ein bewusst gewählter, schwammiger Begriff, der Diplomaten Spielraum für Verhandlungen lässt. Die USA und ihre Verbündeten wollen von Nordkorea Beweise für den überprüfbaren und unumkehrbaren Abbau des Atomprogramms, einschließlich der Beseitigung aller bisher produzierten Kernwaffen. Nordkorea sieht in den Atomwaffen eine Sicherheitsgarantie.

Kim habe jetzt den Wunsch geäußert, die jahrzehntelangen Feindseligkeiten mit den USA innerhalb der ersten Amtszeit Trumps zu beenden, die Beziehungen zu verbessern und die Denuklearisierung erreichen zu wollen, sagte Chung, den Moon als Sondergesandter nach Pjöngjang geschickt hatte. Kim habe darauf hingewiesen, dass sein Land eine Raketenstartanlage in Tongchang-ri zerstört und das Atomtestgelände in Punggye-ri weitgehend unbrauchbar gemacht habe. Umstritten ist allerdings, ob Nordkorea diese Anlagen überhaupt noch brauchte.

Kim deutete in Pjöngjang nach Darstellung Chungs an, dass die USA einer Erklärung über ein formelles Ende des Korea-Kriegs (1950-53) zustimmen sollten. Kims Sicht sei, dass solch ein Schritt die Allianz der USA mit Südkorea nicht schwächen werde. Auch seien Befürchtungen unbegründet, die USA müssten dann ihre in Südkorea stationierten Soldaten abziehen.

Die USA hatten unter anderem gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea ausgesetzt, die Nordkorea als Provokation gewertet hatte. Auch ist Washington bereit, Pjöngjang im Fall der Abrüstung Sicherheiten zu bieten.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Abrüstung
  • Atomprogramme
  • Atomstreits
  • Donald Trump
  • Gipfelkonferenzen
  • Kim Chongun
  • Mike Pompeo
  • Moon Jae In
  • Nordkoreanisches Atomprogramm
  • DPA
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.