31. August 2017, 22:28 Uhr

Traditionsmarken wieder da

Die moderne Unterhaltungselektronik wurde maßgeblich von Unternehmen aus Deutschland mitbegründet. Aber diese Firmen sind fast alle schon vor Jahren untergegangen. Doch für manche gestrauchelte Traditionsmarken gibt es ein erfolgreiches Leben nach der Insolvenz.
31. August 2017, 22:28 Uhr
Aus dem Jahr 1997. Telefunken-Fernseher werden in Celle verpackt. (Foto: dpa)

Ingenieure von Telefunken haben in den Sechzigerjahren das Farbfernsehen entscheidend mitentwickelt. Dem Team um Telefunken-Veteran Walter Bruch gelang es damals, PAL als dritten Weltstandard für das Farbfernsehen zu etablieren. Doch ausgerechnet mit dem Farbfernseher begann der Abstieg der deutschen Traditionsmarke, die 1903 auf den Befehl von Kaiser Wilhelm II. gegründet worden war. Es fehlte das Kapital und das unternehmerische Geschick, um mit aufsteigenden Marken aus Asien mitzuhalten. Auch eine Fusion 1967 mit dem Elektroriesen AEG konnte nicht verhindern, dass Telefunken den Trend verpasste, den damals japanische Konzerne wie Sony vorgaben. In den Achtzigerjahren wurde die Telefunken AG fast vollständig zerschlagen. Die Markenrechte landeten über den AEG-Konzern kaum mehr beachtet bei der Daimler AG.

2007 startete der Investor Hemjö Klein einen spektakulären Versuch, der Marke neues Leben einzuhauchen. Der ehemalige Bahn-Vorstand kaufte die Markenrechte für einen zweistelligen Millionenbetrag, um Unterhaltungselektronik unter dem Namen Telefunken anbieten zu können. Der Wiederbelebungsversuch verlief allerdings zunächst ziemlich holprig. Doch es erschienen in den Elektrofachmärkten dann wieder Produkte unter der Marke Telefunken. Allerdings gibt es kein zentrales »Telefunken-Werk« mehr in Deutschland oder sonstwo, sondern ein Lizenzgeschäft mit ganz unterschiedlichen Partnern.

Auch »weiße Ware« im Angebot

Die Telefunken-Fernseher, die auf der IFA 2017 mit aktueller 4K-Technik zu sehen sind, stammen vom türkischen Konzern Vestel, einem der größten Produzenten im Bereich Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte weltweit. Vestel bietet aber auch Haushaltsgroßgeräte – also Kühlschränke, Waschmaschinen und anderes – unter dem Namen Telefunken an. Die SB-Warenhauskette Real zeigt in diesem Jahr unter dem Berliner Funkturm Lautsprecher und DABplus-Radios mit dem Telefunken-Logo. Der sauerländische Mittelständler Briloner Leuchten bietet unter der Marke Telefunken Lichtlösungen an. Und aus Baden-Württemberg segelt die Karcher AG unter der Telefunken-Flagge und zeigt neue E-Bikes. Die Lizenzpartner profitieren dabei von der immer noch erstaunlich hohen Bekanntheit der Marke »Telefunken«.

Loewe beantragte im Herbst 2013 Insolvenz in Eigenverwaltung und gehört inzwischen der deutschen Investorengruppe Stargate. Auf der IFA versucht Loewe, mit futuristisch designten OLED-Fernsehern im oberen Marktsegment zu punkten. Das fränkische Unternehmen Metz, das seit den Fünfzigerjahren Fernseher produziert hat, ging 2014 insolvent und landete dann beim chinesischen TV-Hersteller Skyworth. Auf der IFA zeigt Metz seinen ersten LCD-Fernseher mit HDR-Technologie.

Während Metz einem verkleinerten Mitarbeiterstamm weiterhin im fränkischen Zirndorf TV-Geräte baut, hat sich der einstige Elektronikriese Grundig komplett aus Franken verabschiedet. Das 1946 gegründete Nürnberger Traditionsunternehmen rutschte nach einem jahrelangen Niedergang im Jahr 2003 in Insolvenz und wurde zerschlagen. Auch hier überlebte immerhin der Markenname. Seit 2007 gehört Grundig zur türkischen Holding Koç, die mehrheitlich den Haushaltsgerätehersteller Arçelic hält. In Nürnberg blieben zunächst noch Verwaltung, Planung und Logistik. Vor einem Jahr wurde aber auch der Grundig-Stammsitz in Nürnberg aufgegeben. Den verbliebenen 72 Mitarbeitern wurde angeboten, nach Neu-Isenburg umzuziehen, wo die türkische Grundig-Mutter ihre Deutschland-Aktivitäten bündelt. In Nürnberg hatten einst bis zu 39 000 Menschen für Grundig gearbeitet. Grundig will auf der IFA 2017 auch mit einem OLED-Fernseher punkten, der ebenfalls die HDR-Technologie beherrscht. Ähnlich wie bei Telefunken findet man unter der Marke Grundig aber inzwischen auch »weiße Ware«, also Waschmaschinen, Kühlschränke, Staubsauger sowie große und kleine Geräte für die Küche.

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