10. Dezember 2018, 22:53 Uhr

Warnstreik trifft Bahn-Kunden hart

10. Dezember 2018, 22:53 Uhr
Nichts geht mehr: Wie hier am Frankfurter Hauptbahnhof kam gestern Morgen wegen des Warnstreiks der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft der Fernverkehr der deutschen Bahn in Hessen und bundesweit weitgehend zum Erliegen. (Foto: dpa)

Frankfurt/Main/Berlin (dpa/lhe). Stehende S-Bahnen, leere Anzeigetafeln und verstopfte Trams: Die neue Woche hat für Millionen Pendler und Bahnreisende in ganz Deutschland und auch in Hessen alles andere als entspannt begonnen. Aufgrund eines unerwartet harten Warnstreiks der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr bundesweit zwischen 5 und 9 Uhr ein. Über 1400 Züge waren nach Bahn-Angaben betroffen, darunter auch Güterzüge von DB Cargo. Im Regionalverkehr kam es während des vierstündigen Ausstands am Morgen zu erheblichen Einschränkungen. Es war der erste Warnstreik bei der Bahn seit dreieinhalb Jahren. Bahn-Kunden können jedoch vorerst aufatmen: Wie die Verhandlungsführerin der EVG, Regina Rusch-Ziemba, gestern sagte, sind weitere Warnstreiks vorerst nicht geplant. Die EVG will heute an den Verhandlungstisch für die Tarifgespräche zurückkehren. Die Deutsche Bahn bestätigte die Wiederaufnahme der unterbrochenen Verhandlungen.

Auch nach Ende des Warnstreiks um 9 Uhr gab es noch über Stunden Zugausfälle und Verspätungen. Viele Pendler und Reisende mussten auf das Auto oder andere Verkehrsmittel ausweichen. Weil auch Informationssysteme auf der Bahn-Webseite und im DB-Navigator betroffen waren, konnten Kunden nicht ordentlich informiert werden.

Die bundesweite Einstellung des Fernverkehrs legte gestern auch den Betrieb am Frankfurter Hauptbahnhof vorübergehend komplett lahm. Hier wurden zudem die Servicestellen und das Reisezentrum bestreikt. Es seien keine Züge mehr rein- oder rausgefahren, erklärte ein Bahn-Sprecher. Die sonst vollen Anzeigetafeln in der Bahnhofshalle blieben leer. Weil auch viele EVG-Mitglieder in Werkstätten und Stellwerken die Arbeit niederlegten, wurde der ICE- und Intercity-Verkehr stark beeinträchtigt.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hatte schon am frühen Morgen den gesamten Betrieb für die neun S-Bahn-Linien eingestellt. »Wenn Stellwerke nicht funktionieren, funktioniert gar nichts«, sagte Geschäftsführer Knut Ringat. Weil viele Reisende die RMV-App bemühten, hätten sich leider hier auch noch die Zugriffszeiten spürbar verlängert. Nach Ende des Ausstands sollte sich der S-Bahn-Betrieb relativ zeitnah einigermaßen normalisieren. Es wurden aber zunächst nur die halbstündigen Haupttakte bedient, sagte der Bahn-Sprecher. Im Regionalverkehr zogen sich die Auswirkungen des Warnstreiks über den ganzen Tag.

Kritik von Verbraucherschützern

Wer von der S-Bahn auf die Tram umsteigen wollte, musste teils viel Geduld mitbringen: Die Bahnen waren auf manchen Linien hoffnungslos überfüllt, ein Zusteigen erwies sich als kaum möglich. Auf den Straßenverkehr wirkte sich der Streik ebenfalls aus, wie ein Polizeisprecher in Frankfurt berichtete: »Rundum war alles dicht.«

Mit dem kompletten Stopp des Fernverkehrs hat sich die Bahn Kritik von Verbraucherschützern eingehandelt. »Die Bahn stellt heute ohne Rücksicht auf Verluste den Betrieb komplett ein, ohne Ersatzverkehr zu organisieren oder ausreichend Informationen zur Verfügung zu stellen«, kritisierte Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. (Seite 7)

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