Pionier abstrakter Kunst: Karl Otto Götz ist tot

21. August 2017, 20:18 Uhr
Götz

Karl Otto Götz war einer der kraftvollsten abstrakten Maler und Wegbereiter der modernen Kunst Deutschlands. Der große alte Meister der deutschen Nachkriegskunst, den alle kurz K.O. Götz, nannten, ist tot. Er starb am Samstag im hohen Alter von 103 Jahren. In seinem Leben spiegelte sich die von Brüchen und Revolutionen geprägte Geschichte der letzten 100 Jahre wider. Bis kurz vor seinem Tod malte Götz noch immer mithilfe seiner Ehefrau Rissa.

Grundprinzipien der Technik von K.O. Götz waren das schnelle Malen und die Rakeltechnik. Berühmt wurde er mit großformatigen gestischen Schwarz-Weiß-Kompositionen. In ihrer Energie erinnern seine abstrakten Bilder an die Explosion von Materie. »Abstrakt ist schöner« – so lautete das künstlerische Lebensmotto des Biennale- und documenta-Teilnehmers, dessen stilistische Anfänge nah bei den Surrealisten und Miró lagen.

Pinselzüge und Rakelschläge

Nicht alles überließ Götz dabei dem Zufall. Erst entwarf er das Bild akribisch vor seinem inneren Auge oder mit Skizzen, dann grundierte er die Leinwand mit Kleister und goss Farbe darauf. In Sekundenschnelle zog er dann einen Rakel darüber – einen Schaber, wie ihn Handwerker benutzen. Schließlich übermalte Götz noch mit einem trockenen Pinsel das Gemalte. »Meine Malerei lebt vom Rhythmus meiner Pinselzüge und Rakelschläge«, sagte Götz einmal. Wie die amerikanischen Künstler des »Action Painting« bearbeitete er die Leinwand auf dem Boden.

Geboren wurde K.O. Götz am 22. Februar 1914 in Aachen, noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Unter den Nazis hatte Götz wegen seiner Vorliebe für Abstraktes Malverbot. Er war befreundet mit Hans Arp und Otto Dix, dem er mal Jazz-Schallplatten ins Atelier gebracht habe, erzählte er. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Götz die deutsche Kunst mit seiner abstrakten Malerei wieder international hoffähig. Er war als einziger Deutscher Mitglied der internationalen Künstlergruppe CoBrA. 20 Jahre, bis 1979, lehrte Götz als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Schüler Gerhard Richter und Sigmar Polke wurden weltberühmt. Götz setzte sich auch für Joseph Beuys ein. Als Akademieprofessor ließ Götz seinen Schülern immer freien Lauf. Der Künstler Götz liebte die große Geste, als Lehrer nahm er sich zurück. Bekannt ist seine monumentale Serie »Jonction III«, die er als Reaktion auf den Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 malte und die heute zur Kunst des Bundestags gehört. Außerdem schrieb er Gedichte. Eines endet mit den Versen: »Lasst mich in Ruhe malen. Vorsicht, das Bild ist nass.«

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