11. August 2017, 22:11 Uhr

… wo der Daumen rechts ist

11. August 2017, 22:11 Uhr
Auch er signiert links: der frühere US-Präsident Barack Obama. (Foto: dpa)

Berlin (dpa). Es ist der 22. Juni 1986. England und Argentinien kämpfen um den Einzug ins Halbfinale der Fußball-WM in Mexiko. In der 51. Minute greifen angeblich höhere Mächte ein, zum 1:0 für Argentinien landet der Ball im Tor. Von der »Hand Gottes« wird Stürmerstar und Rechtshänder Diego Maradona sprechen und erst viele Jahre später gestehen: Es war seine eigene – und zwar die linke. Morgen ist der internationale Tag der Linkshänder.

Im Sport sind Linkshänder oft gefürchtete Gegner – besonders in Zweikämpfen wie Tennis, Tischtennis, Fechten oder Boxen. Sie seien einfach schwerer einzuschätzen, meinen Fachleute.

Mythologie und Religion haben stark zum historisch gesehen eher negativen Image der linken Seite beigetragen. Der christliche Segen wird mit der Rechten gespendet, der Teufel agiert mit der Linken.

Die alten Römer hielten Linkshändigkeit für einen Makel und neigten dazu, linkshändige Sklaven als »beschädigte Ware« zurückzugeben. In einer Schrift wies der römische Jurist Ulpian allerdings eigens darauf hin, es handele sich dabei nicht um ein Gebrechen.

Den linken Hoden zum Zeugen eines Stammhalters mit einem Faden abzuschnüren, empfahl der griechische Philosoph Anaxagoras im fünften Jahrhundert vor Christus. Denn auf der rechten Seite vermutete er den »männlichen« Samen.

Weinbergschnecken tragen in der Regel ein rechtsdrehendes Gehäuse mit sich herum. Linksdrehende Gehäuse sind so selten, dass entsprechende Artgenossen auch Schneckenkönige genannt werden.

Umerziehen sollte man Linkshänder auf keinen Fall, lautet die einhellige Meinung heute. Sonst drohten seelische und neurologische Störungen. So führen manche das Stottern des britischen Königs Georg VI. darauf zurück, dass der Linkshänder als Kind umgeschult wurde.

Die Erde dreht sich, wie die meisten Planeten unserer Galaxis, in östlicher Richtung um die eigene Achse – von einem über dem Nordpol liegenden Punkt im All betrachtet also gegen den Uhrzeigersinn. In dieselbe Richtung kreist sie übrigens auch um die Sonne.

Pferde könnten ein Grund dafür gewesen sein, dass der Linksverkehr in früheren Jahrhunderten auf den Straßen überwog. Die meisten Reiter bevorzugen es wohl, den linken Fuß auf den Steigbügel zu setzen und dann das rechte Bein über den Pferderücken zu schwingen.

Immanuel Kant beschrieb, dass auch Pflanzen eine bestimmte Seite bevorzugen: »Aller Hopfen windet sich von seiner Linken gegen die Rechte um seine Stange; die Bohnen nehmen aber eine entgegengesetzte Wendung«, schrieb der Philosoph 1768.

Louis Pasteur fand 1848 bei Experimenten mit Weinsäure heraus, dass es so etwas wie links- und rechtshändige chemische Verbindungen gibt – in ihrem Aufbau gleichen die Moleküle Original und Spiegelbild.

Wendeltreppen in mittelalterlichen Burgen winden sich meist rechtsherum. Nicht ohne Grund: Mit dem Schwert in der Rechten hatten die Angreifer Nachteile, die von oben kommenden Verteidiger aber mehr Bewegungsfreiheit.

In der französischen Nationalversammlung saßen seit der Revolution von 1789 die Progressiven vom Präsidenten aus gesehen links, die Konservativen rechts. Diese Regelung gilt in vielen Parlamenten noch heute – zum Beispiel im Bundestag.

Supermärkte präsentieren ihre Waren oft so, dass der Kunde einer Linkskurve folgt. Denn Studien belegen, dass Rechtsfüßer in der Mehrheit sind – und daher eher mit leichtem Linksdrall unterwegs. Auch Leichtathleten sprinten gegen den Uhrzeigersinn durchs Stadion.

Den Linkshänder-Whopper präsentierte eine Schnellimbisskette in den USA 1998 als Aprilscherz. Um ihn für die 32 Millionen US-Linkshänder handlicher zu machen, sei der Hamburger um 180 Grad gedreht, warb man. Kein Witz: Die Nachfrage war enorm.

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