26. August 2018, 18:00 Uhr

Viel Andrang bei «Offener Baustelle» am Berliner Schloss

Im Krieg ausgebrannt, zu DDR-Zeiten abgerissen: Jetzt ist das Berliner Schloss (fast) wieder in voller Pracht zu sehen.
26. August 2018, 18:00 Uhr
Bis zum Mittag kamen rund 7000 Besucher. Foto: Jens Kalaene

Das Berliner Schloss hat sich schon ein Jahr vor seiner Eröffnung als Publikumsmagnet erwiesen. Zu den letzten Tagen der offenen Baustelle besichtigten am Wochenende mehr als 30.000 Menschen die wiedererrichtete Hohenzollernresidenz in der Mitte Berlins, wie ein Sprecher am Sonntag mitteilte.

Das Schloss soll ab Ende 2019 unter dem Namen Humboldt Forum als großes Kultur- und Museumszentrum öffnen. Die Veranstalter erwarten bis zu drei Millionen Besucher im Jahr.

«Kieke, staune, wunder Dir!» - unter diesem Motto präsentierte sich die riesige Baustelle am Wochenende im Endspurt: Viele Gerüste sind bereits gefallen. Vor allem das Herzstück, ein nach dem Baumeister Andreas Schlüter benannter Innenhof, zeigte schon seine volle barocke Pracht.

Höhepunkt dort war am Samstag ein Benefizkonzert der Berliner Philharmoniker. Unter Leitung ihres designierten Chefdirigenten Kirill Petrenko wiederholten die Musiker ihre umjubelte Saisoneröffnung vom Vortag nochmals unter freiem Himmel. Atemberaubend vor allem Beethovens 7. Sinfonie mit ihrem furiosen «forte fortissimo» zum Schluss - Bravorufe und begeisterter Applaus.

Nach Angaben von Fördervereinschef Wilhelm von Boddien brachte der Auftritt fast 450 000 Euro in die Kasse. Die Karten für 295 Euro pro Stück waren restlos ausverkauft. Einziger Wermutstropfen: Zu Beginn gab es nach den langen dürren Wochen erstmals etwas Regen, die 1500 Gäste mussten die ausgegebenen Plastikfolien überziehen. Bei der kostenlosen Live-Übertragung im ebenfalls voll besetzten Berliner Dom direkt gegenüber blieb das Publikum trocken.

Das Humboldt Forum ist mit Baukosten von insgesamt fast 600 Millionen Euro das mit Abstand größte Kulturprojekt des Bundes. 105 Millionen Euro müssen zur Rekonstruktion der historischen Fassaden über Spenden hereinkommen, davon fehlen noch etwa 20 Millionen. Trotz der angespannten Situation auf dem Baumarkt liege das Projekt weiter im Zeitplan, sagte Bauvorstand Hans-Dieter Hegner.

Die Besucher zeigten sich weitgehend angetan vom Ergebnis. Auf einer großen weißen Tafel hinterließen sie Notizen wie «Überwältigend!» und «Bin begeistert!». Allenfalls die spannungsreiche Kombination von rekonstruiertem Barock mit moderner Architektur stieß auf Skepsis: «Tolles Schloss, moderne Fassade eine Katastrophe».

Auffallend einig waren sich die Kommentatoren dagegen in ihrem klaren Nein zu dem geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Vorplatz. Einer schrieb: «Keine Wippe! Oder wollt ihr uns verschaukeln?»

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