08. November 2018, 14:26 Uhr

Kunstsammlung NRW zeigt «Museum Global»

Die Kunstsammlung NRW mit ihren berühmten Bildern der Klassischen Moderne sucht einen neuen Blick. Eine Ausstellung lang kommt Kunst aus fernen Ländern nach Düsseldorf. Die Nähe zu den klassischen Bildern ist deutlich.
08. November 2018, 14:26 Uhr
Die Bilder «Nackte Schönheit» (1912) von der Japanerin Yorozu Tetsugoro (r) und das Bild «Mädchen unter Japanschirm» (1909) von Ernst Ludwig Kirchner. (Foto: Roland Weihrauch)

Die Sammlung mit Meisterwerken von Pablo Picasso, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Jackson Pollock oder Otto Dix ist abgehängt. Ein riesiger Pfeil an der Fassade leitet Besucher in ein neues Forum: Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat sich umgekrempelt für eine neue Ausstellung.

Die Stärke des Hauses sind die Klassiker von 1910 bis 1960. Doch nun geht es darum, was sich in der Zeit außerhalb der westlichen Kunstzentren tat.

Die Ausstellung «Museum Global» verlässt den euro-zentristischen Blick. Die Chefin des Hauses, Susanne Gaensheimer, spricht davon, die «Sammlungsgeschichte neu zu beleuchten und auf eine globale Perspektive hin zu befragen». Präsentiert werden Kunstwerke, die wenige kennen. Sie kommen aus Japan, Mexiko, Brasilien, Nigeria, Indien, dem Libanon oder Moskau. Zwischendurch, wie um ihre Klasse zu unterstreichen, hängen berühmte Arbeiten von Picasso, Wassily Kandinsky oder Max Ernst an der Wand.

«Mikrogeschichten einer ex-zentrischen Moderne» erzählt die Schau. Der Japaner Yorozu Tetsugoro etwa war nie in Europa. Aber er studierte seit 1907 in Tokio westliche Malerei. Seine kraftvoll gemalten Porträts zeigen die Suche nach eigenem Ausdruck. Die Abschlussarbeit «Nackte Schönheit», die eine Frau mit blankem Busen und roter Hose auf einer Wiese darstellt, machte seinerzeit Furore. Eine verblüffende Paarung ergibt sich mit dem Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner: «Mädchen unter Japan-Schirm» von 1909 erscheint wie ein Hinweis auf einen Austausch in der Zeit. «Es tut den Bildern gut, dass sie Gäste haben», kommentierte eine Kuratorin den neuen Blick.

Die brasilianische Malerin Tarsila do Amaral präsentierte sich in den 1920er Jahren in Paris als selbstbewusste Künstlerin. In einem ihrer naiv anmutenden Bilder verlegte sie den Eiffelturm in den bunten Karneval eines Armenviertels in Rio.

Als ewiger Wanderer wird der Maler Lasar Segall gezeigt: Der 1889 im heutigen Litauen geborene jüdische Künstler spielte eine wichtige Rolle für den Expressionismus in Deutschland, er übersiedelte nach Brasilien. Seine Bilder behandeln die Emigration, so eine in Brauntönen gehaltene Szene mit vielen Details auf einem Schiff voller Flüchtlinge.

Drei Jahre lang haben die Mitarbeiter der Kunstsammlung an der Ausstellung gearbeitet, Länder bereist, Bilder gesichtet und sich mit der eigenen, 1961 gegründeten Sammlung beschäftigt. Das Projekt wurde von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Vom 10. November bis zum 10. März 2019 ist die Pionier-Ausstellung zu sehen.

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