30. August 2018, 13:21 Uhr

BAP: Wolfgang Niedecken spricht ganz deutlich Klartext

Seit nahezu 40 Jahren ist Wolfgang Niedecken gern gesehener Gast im Mittelhessischen: Am 13. Oktober tritt der Kölner Musiker mit seiner Formation BAP in Wetzlar auf. In Zeiten wie diesen spricht Niedecken auch Klartext. Wie im Gespräch mit dieser Zeitung.
30. August 2018, 13:21 Uhr
Wolfgang Niedecken setzt dieser Tage mit seiner Kölsch-Rock-Formation BAP die "live & deutlich"-Tour fort, gastiert in deren Verlauf am 13. Oktober in Wetzlar. (Foto: Fotogroove)

Wolfgang Niedecken (67) zählt zu einer Handvoll nimmermüder „Dinos“ in der deutschen Rockmusik, deren Wort auch abseits der großen Bühnen Gewicht hat. Er ist eine Person der Zeitgeschichte, seine Talente finden ihren Niederschlag in der darstellenden Kunst (früher mehr als heute) ebenso wie in der Musik, und da gerade im Umgang mit dem Wort, mit der Sprache. Dass in diesem Interview nicht gesiezt wird, hat einen einfachen Grund: Niedecken und der Journalist kennen einander seit den frühen 2000er Jahren, seit einem Gießen-Konzert von BAP, als eine Band namens „LavendelMond“ den Opener für BAP geben durfte.

 

Der Titel der aktuellen Tour lässt anklingen, dass es (wieder einmal) nicht nur um Musik geht, nicht allein um erzählte Geschichten und Erinnerungen, Gedanken und Bilder. Was hat es mit dem „Deutlich“ auf sich?

Wolfgang Niedecken: Man spürt ja, wie man als politischer Mensch in der letzten Zeit, vielleicht auch in den letzten Jahren, spätestens seit die Populisten sich nach vorn drängen, wie man da immer nachdenklicher wird. Teilweise ratloser. Wie begegnet man dem Ganzen? Ich hab immer deutlich Stellung bezogen, vor allem in den Liedern. Wir haben jetzt ein Tourprogramm, eine Setliste, bei der wir ziemlich politisch in die Zielgerade gehen. Die Songs, die da hintereinander gespielt werden, die sprechen schon eine deutliche Sprache. Ich finde, das ist notwendig.

Und wo ist die Grenze, um ein Konzert nicht aus der Balance zu bringen?

Niedecken: Man muss halt auf der Bühne immer aufpassen, dass man ein Konzert nicht mit einer Vorlesung verwechselt. Das muss ordentlich austariert sein. Hat ja sonst keiner was davon, wenn ich mich im Predigen verliere. Den Leuten muss man schon so viel Sensibilität zubilligen, dass sie hinter das kommen, was ich da singe. Umgekehrt: Das Programm ist zwar „deutlich“ angelegt, aber nicht so, dass wir zum Lachen in den Keller gehen. Wir machen ganz schön viel Spökes auf der Bühne. So wie wir halt sind. So wie ich meine Songs auch schreibe; über alles mögliche, über das, was mir durch den Kopf geht.

Magst Du die politische Zielgerade skizzieren?

Niedecken: In Zeiten wie diesen werden Songs wie „Kristallnaach“ von 1982, „Bahnhofskino“ von 1984, „Arsch huh, Zäng ussenander!“ aus 1992 und „Absurdistan“ natürlich hoch brisant. Egal wie alt sie Stücke sind. „Absudistan“ stammt ja, wie „Vision von Europa“ vom letzten BAP-Album. Als wenn ich’s geahnt hätte; das war ja noch vor der großen Flüchtlingswelle. (Im Nebensatz lässt W.N. anklingen: „Kristallnaach“ ist vom 1982er Album, und heute sei Jahrestag vom Loreley-Auftritt. 28. August 1982.“)

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Mit einem Schlenker kommen wir zu Niedeckens bayrischen Freunden und  deren „Ausgehetzt“-Kampagne, namentlich zum Percussionisten Martin Kälberer, dem Gitarristen und Sänger Werner Schmidbauer und zu Till Hofmann, dem Leiter des „Lustspielhauses“. Der selbst im IT-Orbit begrenzte Raum sagt: Darüber reden wir ein andermal weiter.

Dafür übernimmt kurz der Gesprächspartner in Köln für einen Moment das Themensetzen: Eben – also Dienstag dieser Woche – habe er die Mitteilung der Plattenfirma erhalten, mit einer echten Nachricht „rausgehen“ zu dürfen. Ja, sagt Niedecken, es werde auf Wunsch der Konzertbesucher im November ein Live-Album von der aktuellen Tour geben. Ein Vertiefen in die Hintergründe können wir uns an dieser Stelle ersparen. Nicht aber den Hinweis, dass ein Hessebub‘ daran schuld ist. Achim Schnall, hierzulande (sehr präzise in Wettenberg) bekannt als Gitarrist der Stones-Coverband Glitter Twins und im Brotberuf Frontmischer bei BAP, hatte bei sechs Konzerten „das Tonbandgerät mitlaufen lassen“. Gewiss ohne Auftrag, aber er hatte es eben getan. Selbstredend mehrspurig. Das Teil ist abgemischt. Bravo!

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Anderweitig „deutlich“ sind die Titel Deiner beiden letzten Solo-Produktionen: „Zosamme alt“ (2013) ist eine Liebeserklärung an Deine Frau Tina, „Das Familienalbum“ kommt wie eine erfolgreiche Suche nach den eigenen Wurzeln daher. Inwieweit zählst Du Dich selbst zu den „Reinrassije Strooßekööter“?

Niedecken: Absolut: Ich bin ein solcher! Aber wenn du das schon fragst: Der Begriff ist mir ja praktisch auf der Bühne – um im Bild zu bleiben – zugelaufen, während einer Ansage zu „Jupp“. Damals habe ich meinen Hund aus den Achtzigern, die „Blondie“, beschrieben. Der war alles andere als reinrassig. Und überhaupt, zurück zur Frage: Natürlich sind wir alle „reinrassije Strooßekööter“. Soll mir keiner ankommen mit „reinrassig“ und ähnlichem Quatsch.

Inwieweit ist Deine Band für Dich auch so etwas wie Familie? Ihr kennt Euch ja zum Teil schon Jahrzehnte. Und für die jungen Leute wie Anne und Ulle könntest Du eine Art Vater sein; Vorbild bist Du ihnen ja ohnehin.

Ein Argument, sich ein Konzert der "live & deutlich"-Tour von Niedeckens BAP zu gönnen, ist "das Gebläse": Axel Müller am Saxophon, Christoph Moschberger mit der Trompete und Franz Johannes Goltz mit seiner Posaune sorgen sowohl für „das Brett“ wie auch für filigranere Töne.
Ein Argument, sich ein Konzert der "live & deutlich"-Tour von Niedeckens BAP zu gönnen, is...

Niedecken: Die Jüngsten sind unser Schlagzeuger und der Posaunist; die sind erst nach „vun drinnen oh drusse“ (1982) geboren. Aber das ist eine gewiss weit verstreut lebende Familie. Tourneen sind für uns wie Familienfeste. Hinkommen und Spaß haben. Alle freuen sich drauf. Als es nach den ersten zehn Gigs der Tour vor der WM- und Sommerpause wieder auseinanderging, war allenthalben die Frage zu hören: Ja, Fußball und so, aber warum geht’s jetzt nicht weiter? Das wär eigentlich schöner. Zumal da die Neuen schon gut reingewachsen waren, vor allem die drei Bläser. Das war Liebe auf den ersten Ton. In Wetzlar werdet ihr das gewiss spüren, bereits bei den ersten drei Liedern, noch vor der ersten Ansage. Bereits da haben die sich in die Herzen der Zuhörenden gespielt. Das ist unfassbar.

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Kommt noch einmal ein Schlenker hin zum Werbeblock: „Dass wir die Bläser dabei haben, das ist letztlich der Grund für das Live-Album.“ Dann ein Themenwechsel, wenigstens der Versuch dessen.

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Als wir uns letzthin trafen bei der Kunst-Ausstellung „Freunde treffen sich. Revisited“, die Werke von Manfred Boeker, Rainer Gross und Dir zeigte, ging es viel um Amerika, um Deine frühen Reisen als Kunststudent nach New York. „Amerika“ ist der Titel eines der stärksten BAP-Titel. Die beiden aktuellen Solo-Alben sind in den USA produziert. Und jüngst der Ritterschlag: W.N. für „arte“ auf den Spuren von Bob Dylan. Wie würdest Du Deine Amerika-Affinität beschreiben?

Bühnen- und Klangbilder bei den Konzerten von Niedeckens BAP unterstreichen die Tatsache, dass das aktuelle Album des Kölsch-Rockmusikers "Reinrassije Strooßekööter" in New Orleans aufgenommen wurde.
Bühnen- und Klangbilder bei den Konzerten von Niedeckens BAP unterstreichen die Tatsache, ...

Niedecken: Das ist auch so ein Sehnsuchtsland. Nicht nur für mich. Vieles von der Musik, mit der ich nun einmal mein Leben verbringe, ist halt in Amerika entstanden. Oder über Amerika in die „alte Welt“ gekommen; wenn man mal anfängt mit der Volksmusik von Mali, die ja der Ur-Blues ist. Aber so weit will ich nicht zurückgehen. Amerikanische Musik, spätestens von Bob Dylan, Neil Young, Leonard Cohen – beide Kanadier übrigens –, vieles davon hat mich natürlich inspiriert. (…)

Stichwort „frühe Werke“: Im „Familienalbum“ findet sich das „Bahnhofskino“ aus dem Jahr 1984, ein Lied mit ganz feinsinniger Niedecken-Lyrik mit viel „Deutlich“-Faktor. Du nanntest dazu mehrfach Beweggründe: „Die Scheiß-Resigniererei, darum geht’s, und darum, dass es womöglich nicht mehr hell wird in diesem Bahnhofskino.“ Wie viel „Bahnhofskino“ ist heute, 35 Jahre später?

Niedecken: Es ist immer sehr schwer, die Zeitumstände miteinander zu vergleichen. Aber ich glaube, was ich eingangs schon sagte: Mittlerweile sind weltweit so viele Populisten an der Macht, dass ich entsetzt bin. Die Menschen gehen denen tatsächlich auf den Leim. Das macht mir schon große Sorgen. Selbst dahingehend, dass es mich ängstigt, ich könnte mein Urvertrauen in die Demokratie verlieren. Ich bin der festen Überzeugung: Noch ist der Menschheit nichts Besseres eingefallen als die Demokratie. Aber jetzt schwindet besagtes Urvertrauen – denn es wählen Menschen entweder gar nicht mehr, überlassen sich komplett dieser Entwicklung, oder sie wählen irrational. Aber zur Demokratie gehört eine politische Bildung. Wie willst du sonst wählen?

Wie viel „Bahnhofskino“ vermittelt das Weiße Haus?

Niedecken: Als ich mitbekam, wie Trump inauguriert wurde, da war der Zeitenwandel greifbar, spürbar. Eine Schnittstelle, die uns nahezu jeden Tag frisch bewiesen wird. Man kann gegen Hillary Clinton haben, was man will, aber sie ist eine von den Menschen mit Idealen. Der Trump hat keine Ideale. Der lügt, ist zynisch, bauernschlau und rücksichtslos. Und das als mächtigster Mann der Welt. Wir müssen uns warm anziehen.

Lass uns bitte auch ein wenig über die Dinge sprechen, die Dich – neben Familie und BAP – abseits der Konzertbühnen immer wieder beschäftigen. Vergangene Woche warst Du in Gulu, in Uganda (auch Ostkongo?), wo Du Dich mit Deinem „world vision“-Projekt „Rebound“ seit Mitte der 2000er Jahre um die Rehabilitation früherer Kindersoldaten und Kinderprostituierten kümmerst, um deren psychische Rekonvaleszenz, um deren berufliche Ausbildung. Viel passiert seither dank dieser Zuwendung?

Vergangene Woche erst war Wolfgang Niedecken wieder in Norduganda, um zu sehen, was aus den Mitte der 2000er Jahre angestoßenen "Rebound"-Projekten geworden ist. Als ein prominentes Gesicht der Hilfsorganisation "world vision" brauche er die Witterung, müsse er vor Ort sein, um überzeugend argumentieren zu können für eine Unterstützung dieser Arbeit, sagte Niedecken am Dienstag im Interview mit dieser Zeitung.
Vergangene Woche erst war Wolfgang Niedecken wieder in Norduganda, um zu sehen, was aus de...

Niedecken: Ja, das musste nach einem Jahr wieder einmal sein. Wir waren in Gulu und Pader, Kalongo und, ganz im Norden, in Arua, bis in jene Orte, in denen Hunderttausende Flüchtlinge aus dem Südsudan auf eine Rückkehr in ihre Heimat warten. Zunächst wollten wir sehen, was aus den Projekten geworden ist, die wir Mitte der 2000er Jahre angezettelt hatten. Und das, obwohl wir in Nord-Uganda nicht mehr unmittelbar aktiv sind, sondern schon seit längerer Zeit in Ost-Kongo. Dorthin zu reisen war aber aus Sicherheitsgründen nicht möglich und weil in Beni der Ebolavirus grassiert. Die Projekte in Nord-Uganda sind nach Ende des Bürgerkrieges in eigene Verantwortung übergegangen. Darum hat sich jetzt der Staat zu kümmern, zum Beispiel das Bildungs- oder das Gesundheitsministerium.

Zufrieden mit der Entwicklung, mit dem, was daraus geworden ist?

Niedecken: Klar, ist immer so ein Ding bei der Entwicklungshilfe oder der Entwicklungszusammenarbeit, wie immer man das haarspalterisch nennen will. Wenn du da zu lange drinbleiben willst, dann schaffst du Abhängigkeiten. Das wäre ein Fehler, dann erzöge man nicht zur Selbstständigkeit. Sonst bauen sich womöglich irgendwelche Kleptokraten mit der dafür vorgesehenen Kohle ihre Villen an den Viktoriasee. Aber wir sind dagewesen, haben geschaut. Die Projekte haben gefruchtet. Beispielsweise jenes im Kalongo Technical Institute, wo wir damals den Bau eines Schlafsaals finanzierten, damit die Schüler, die von gott-weiß-woher im Umkreis 50 Kilometer kommen, endlich nicht mehr in ihren Klassenräumen schlafen müssen. Man bedenke: Das einzige Verkehrsmittel ist das Fahrrad.

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Anbei eine Anekdote: W.N. und der mit ihm befreundete Manfred Hell, Ex-Chef von „Jack Wolfskin“, hatten vor acht Jahren zwei Bäume gepflanzt in Colango – und jetzt waren „Manfred-Tree“ und „Wolfgang-Tree“ echte, schattenspendende Riesen in der Landschaft.

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Ja, diese Schule hat es wirklich geschafft, hat ihren Weg gemacht, so unser Eindruck. Wir unterstützten, und dann zog das Ministerium nach. Das ist jetzt wie ein kleiner Campus geworden. Zumal die Kuweitis noch geholfen und Wohnhäuser bauten. Mein persönliches Highlight: Es war der Direktor von damals, der mir den Fortschritt erläutern konnte. Das war ganz, ganz rührend.

Weil nun Ost-Kongo nicht ging, haben wir uns die Lager in der Gegend zum Südsudan hin angeschaut. Wir waren in zwei der größten – der Welt. In Bidi Bidi beispielsweise leben 300.000 Menschen . Das ist überraschend gut organisiert. Unfassbar die Logistik, die da von den Hilfsorganisatoren bewältigt wird.

Kennen einander seit den 1980er Jahren, als SPD-Politiker Sigmar Gabriel (Mitte; bei einem gemeinsamen Besuch im Südsudan) den Musiker und Sänger Wolfgang Niedecken mit BAP zum Konzert gegen Rechts nach Goslar eingeladen hatte. Vor gut zwei Jahren riet der damalige Außenminister seinem Weggefährten von einem Türkei-Aufenthalt ab: In Zeiten wie diesen zu gefährlich für einen kritischen Geist.
Kennen einander seit den 1980er Jahren, als SPD-Politiker Sigmar Gabriel (Mitte; bei einem...

War ja nicht ganz neu für mich. 2017 besuchte ich eines der Lager mit Sigmar Gabriel, dem damaligen Außenminister. Gewiss, damals war’s eine Stippvisite. Aber es ist leider oft so, dass man mit solchen Ereignisse medial auf die Situation aufmerksam machen muss.

Es gibt für Deine stete Rückkehr nach Uganda – Du hast es einmal anklingen lassen – einen ganz besonderen, nicht zwingend rationalen Grund.

Niedecken: Ich muss ja auch dorthin, um die Witterung nicht zu verlieren. Im wahrsten Sinn des Wortes. Sicher kann ich mir hier alle möglichen Reportagen angucken und Zeitungsfeatures lesen, aber wenn ich – genau – die Witterung verlöre, dann wäre das nicht gut für mich. Dann könnte ich das, also meine Afrika-Arbeit, nicht mehr glaubhaft vermitteln, nicht mehr an die Leute bringen. Das aber ist mein Job. Multiplikator sein, Botschafter von „Gemeinsam für Afrika“ oder eben die Gallionsfigur von „Rebound“, unseres „World Vision“-Projektes. Ich brauche diese unmittelbare Situationsaufnahme, eben diese Witterung, um das überzeugend vertreten zu können.

Szenenwechsel: Eine Sommerreise während der Tour-Pause führte Dich einmal mehr in die Ägäis, nach Griechenland. Inspirierende Gegend. Aber was ist aus Deiner alten Liebe Türkei geworden, aus Cirali? Und was aus Deiner Marokko-Zuneigung?

Niedecken: Die alte Liebe Türkei ist nicht versiegt, aber sie leidet. Ich kann halt da im Moment nicht hin. Seit dem Putsch geht’s überhaupt nicht. Der Erdogan ist unberechenbar.

Angst vor Inhaftierung?

Niedecken: Ja, das war die Warnung. Am Vorabend einer Abreise vor zwei Jahren nach Cirali habe ich mit Sigmar Gabriel telefoniert, der mir dann klar sagte: Du kannst da nicht hinfliegen, auf keinen Fall! Das war zu einer Zeit, in der wahllos Leute verhaftet wurden. Nur auf Basis der Behauptung, das seien „Terroristen“. Und nur um diese hernach gegen vermeintliche Gülen-Sympathisanten austauschen zu können. Ich kann nicht hin, es geht einfach nicht. Tut mir total leid für meine Freunde in Cirali. Da war ich ja schon in den 1980er Jahren gewesen, die kenne ich noch, als sie Kinder waren. Ich hab die Jungs aufwachsen sehen. Das bricht mir das Herz.

Furchtbar. Ich bin allerdings auch ziemlich sauer, wie sich die Türken verarschen lassen. Dass die allen Ernstens auf den Erdogan reinfallen.

Und was ist aus Marokko geworden?

Niedecken: Da muss ich auch wieder hin. Aber derzeit nicht ganz oben auf der Liste.

Zu Griechenland fällt uns noch ein – auch weil wir einmal darüber auf einer unserer „Bücherseiten“ berichteten –, dass Du von dort einmal sehr ausführlich berichtetest, was Du im Urlaub und auf Tour so alles gelesen hat. Wie schaut’s aktuell aus: Was sind Deine literarischen Top-Five in 2017/18?

Niedecken: Hier sind sie: Frank Schätzing „Die Tyrannei des Schmetterlings“, Paul Theroux „Hotel Honolulu“, Markus Feldenkirchen „Die Schulz Story“, Daniel Kehlmann „Tyll“, Madeleine Albright „Faschismus. Eine Warnung“.

Zu den Sternstunden der Freunde erlesener Hörfunk-Kultur hier in Hessen zählen Deine meist mehrstündigen Besuche bei „Radioman“ Werner Reinke. Wann wirst Du wieder in Funkhaus am Dornbusch aufschlagen, um mit dem „Dino“ der guten Radiomacher zu plaudern?

Niedecken: Sobald ich die Gelegenheit habe bin ich auf jeden Fall da. Ist ja nun auch einer der ganz großen Radio-Helden; da gibt’s kein Vertun. Muss gucken, wann ich da wieder Zeit für habe.

Mittlerweile machst Du ja selbst Hörfunk, stellt einmal monatlich auf WDR4 „Songpoeten“ vor. Was ist das für ein Gefühl? Und wie ist das Echo?

Niedecken: Macht großen Spaß, diese Sache. Ist allerdings auch viel Arbeit. Pro Sendung mindestens ein Tag Vorbereitung, um etwas Sinnvolles zu machen und nicht nur aus der Hüfte. Letzteres habe ich nur einmal gemacht, da war ich sehr unzufrieden.

Ja, auch wir könnten uns hier stundenlang über Gott und die Welt (und über Befindlichkeiten eines nimmermüden und immer aufmerksamen Musikers von Rhein) unterhalten. Themen gäbe es genügend. Aber es winkt quasi das Ende der Sendezeit. Also letzte Frage, bezugnehmend auf den Anlass dieses Interviews: Worauf dürfen sich die Konzertbesucher in Wetzlar ganz besonders freuen.

Niedecken: Das Konzert ist mit den drei Bläsern – aber nicht allein ihretwegen – eine unfassbar tolle, abwechslungsreiche Show. Diese Tournee macht so’n großen Spaß, dass man schon fast sagen könnte: Wenn’s am schönsten ist sollte man aufhören. Aber das werden wir natürlich nicht tun.

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