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Zu Tränen gerührt: Der in den Unruhestand gehende TVH-Geschäftsführer Lothar Weber nach einer Bildershow über die mehr als 30 Jahre seines Wirkens.

Handball

TV Hüttenberg: Saison mit Höhepunkten und Tiefschlägen

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Der TV 05/07 Hüttenberg ist als Erstliga-Absteiger nicht abgestürzt. Das ist eine positive Erkenntnis einer Zweitliga-Saison, die dennoch die Erwartungen nicht erfüllt hat.

Sommerpause! Auch die Zweitliga-Handballer haben mit dem Pfingstwochenende die Saison beendet und sich in den Urlaub verabschiedet. Dabei hat der heimische Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg am letzten Heimspieltag - wenn auch natürlich in etwas anderen Dimensionen - ein wenig an den Fußball-Krösus FC Bayern erinnert. Denn ähnlich wie bei Robbery in der bayrischen Landeshauptstadt hat auch am Samstag in der Handkäsemetropole ein überragender Regisseur das Drehbuch für den finalen Akt von zwei jahrelangen Leistungsträgern geschrieben.

Die Abschiede:Daniel Wernig - nach sieben Jahren - und Fabian Schomburg - sogar noch eine Saison länger im TVH-Dress - liefen ein letzten Mal im Sportzentrum Hüttenberg auf, da ihre Verträge nicht verlängert wurden. Dabei durfte Rechtsaußen Wernig zum Abschluss aufgrund des Fehlens der etatmäßigen Spielführer Mario Fernandes und Nikolai Weber nicht nur die Blau-Weiß-Roten als Kapitän anführen, sondern brillierte auch wieder mit sehenswert abge-schlossenen Highspeed-Toren. "Das Spiel lief heute endlich wieder einmal auch für mich, so dass ich mein Tempo einbringen konnte", blickt der Linkshänder zurück. Von "dem einzigen TVH-Spieler mit einem eigenen Fanklub", wie Kapitän Mario Fernandes in seiner Abschieds-Laudatio hervorhob, wollten sich gefühlt alle der über 1200 Zuschauer einzeln verabschieden. Von den Fans erhielt der Publikumsliebling zudem eine liebevoll gestaltete Torte, die ihn in Aktion im TVH-Dress zeigte.

Aber auch Fabian Schomburg, einer der in all den Jahren weniger im Mittelpunkt stand, wurde bereits während seiner Abschiedsvorstellung vom Publikum gehuldigt. Mit einer überragenden Leistung, die darin gipfelte, dass er fünf von sieben Strafwürfen parierte (!), ragte er - zusammen mit dem achtfachen Torschützen Dieudonné Mubenzem - noch einmal aus einer starken TVH-Mannschaft heraus. Für den 28-Jährigen - der somit im besten Torwartalter ist, aber immer hinten anstehen musste - zudem eine kleine Genugtuung, dass er allen noch einmal zeigen konnte, zu welchen Leistungen er fähig ist.

Wie lautet das Saisonfazit?"Natürlich haben nicht nur wir uns mehr erwartet", gab Geschäftsführer Fabian Friedrich offen zu. Zwar hatte man nicht, wie Mitabsteiger TuS N-Lübbecke, den sofortigen Wiederaufstieg als Ziel. Mehr als Rang zehn nach 15 Siegen, 16 Niederlagen und sieben Unentschieden war in der starken und ausgeglichenen 2. Liga mit diesem Kader dennoch zu erwarten. "Vielleicht haben wir es uns etwas leichter vorgestellt", mutmaßt Friedrich.

Der ebenfalls scheidende Trainer Emir Kurtagic (zum Ligakonkurrenten nach Lübbecke) hatte zwar bereits vor der Runde ausgegeben "jedes Spiel gewinnen zu wollen." Gleichzeitig aber auch gewarnt. "Mit Zielen muss man vorsichtig sein. Das hängt auch viel an Verletzungen, Glück und anderen Faktoren."

Gerade das Verletzungspech suchte die TVH-Handballer verstärkt heim. Mussten in der Vorrunde Wernig und Schomburg länger pausieren, brachen in der Rückrunde die beiden Abwehrchefs Mario Fernandes und Moritz Zörb kurz nacheinander weg. Und zum Rundenende fielen mit Markus Stegefelt und Ragnar Jóhannsson auch noch die beiden besten Schützen aus. "Mit allen Hürden war es doch eine solide Saison", bilanziert Fabian Friedrich. "Dieses Hochgefühl des letzten Spiels muss die Mannschaft und das gesamte Umfeld mit in die neuen Saison nehmen."

Welche Höhepunkte, welche Tiefschläge gab es?Die 2. Handball-Bundesliga brachte durch ihre Ausgeglichenheit fast an jedem Spieltag überraschende Ergebnisse zustande. Auch die diesjährige Rekordzahl von fünf Absteigern machte die Liga zusätzlich spannend. Leider war aber auch der Saisonverlauf des TVH von mangelnder Konstanz geprägt. Zu selten zeigte die speziell im Rückraum vor Rundenbeginn verstärkte Truppe ihr Potenzial. Highlights wie der Heimsieg gegen Tabellenführer HBW Balingen/Weilstetten waren eingebettet in Offensivflauten mit gerade einmal 17 erzielten Toren in Ferndorf oder dem 18:18 beim HC Elbflorenz Dresden. Gerade gegen die im Abstiegskampf steckenden Mannschaften ließ der TVH zu viele Punkte liegen. Dagegen behielt man aber in beiden Partien gegen den Rangfünften VfL Lübeck-Schwartau die Oberhand oder lieferte beim Gastpiel in Hamburg bis zum Pausen-20:8 eine fast perfekte Halbzeit ab.

Überhaupt tat man sich in der Fremde oftmals etwas leichter, was Platz fünf in der Auswärtstabelle untermauert. Die einstige Festung Sportzentrum Hüttenberg dagegen lähmte oftmals die Spieler. Mit ausgeglichenem Heimkonto kam man in der Heimstatistik gerade so vor den Abstiegsrängen ins Ziel. Dennoch war die Fanunterstützung ungebrochen. 250 Zuschauer mehr als in der berauschenden Aufstiegssaison vor zwei Jahren sind ein starker Beleg. "Und dies, obwohl das Projekt Gießen am Saisonanfang gescheitert ist. Da hatten wir nicht den erhofften Zuspruch. Allerdings haben wir da auch nicht gut gespielt", gibt Geschäftsführer Friedrich offen zu. Der sich aber auch freut. "Der Dauerkarten-Vorverkauf für die kommende Runde läuft gut."

Was waren die positiven Aspekte?Neben der fehlenden Konstanz gab es aber auch Mutmacher für die Zukunft. Neuzugang Markus Stegefelt wurde von Kurtagic wohl dosiert nach seiner schweren Knieverletzung aufgebaut. Der Schwede überzeugte als bester Werfer, sicherer Siebenmeterschütze und in der zweiten Saisonhälfte auch noch als Abwehrchef. Daraus sollte er zusätzlich Selbstvertrauen ziehen, um dem TVH im kommenden Jahr mit seinen einfachen Toren noch mehr zu helfen. Denn in der abgelaufenen Runde haben nur vier Mannschaften weniger getroffen als die Mittelhessen. Hinter Stegefelt kann sich Youngster Johannes Klein auch offensiv weiter entwickeln, wie er eindrucksvoll im letzten Spiel gegen Rimpar zeigte. Mit Nachverpflichtung Carlos Prieto hatten die Verantwortlichen - trotz dessen Handballpause - einen guten Griff getan. Der Spanier half durch die Verletzungslücke und trug seinen Teil zur sechsbesten Ligadefensive bei. Und diese Lücke füllte offensiv auch Moritz Lambrecht, der sich in der Rückrunde vom Abwehrspezialisten zum treffsicheren Kreisläufer aufschwang.

Wie sind die Perspektiven?Der TVH steckt mal wieder im Umbruch. Mit Trainer Emir Kurtagic konnte man sich auf keine weitere Zusammenarbeit einigen. Nachfolger wird mit Frederick Griesbach ein erst 30-Jähriger, der aus der 3. Liga Süd nach Mittelhessen wechselt. Neben Daniel Wernig und Fabian Schomburg müssen die Blau-Weiß-Roten auch den Abgang von Ragnar Jóhannsson kompensieren. Der Isländer sucht bei Erstligist Bergischer HC eine neue Herausforderung und wird sowohl als torgefährlicher Halbrechter wie auch aufgrund seiner Deckungsstärke eine Lücke hinterlassen. Der TVH wird daher nur mit einem Linkshänder im Rückraum in die neue Runde gehen. Dieudonné Mubenzem soll Unterstützung von den etatmäßigen Mittelmännern Björn Zintel und Tomáš Sklenák sowie dem von Nachbar HSG Wetzlar ausgeliehenen Jugend-Nationalspieler Hendrik Schreiber erhalten. Im Tor wird der 23-jährige Dominik Plaue von Absteiger Dessau Fabian Schomburg ersetzen. Komplettiert werden die Neuzugänge durch den ebenfalls 23-jährigen Linksaußen Robin Hübscher, der von Bundesligist TBV Lemgo kommt und Routinier Christian Rompf entlasten soll. Darüber hinaus werden mit den Linkshändern Merlin Fuß und auch Simon Belter Nachwuchsspieler den Kader komplettieren. So wie es in der abgelaufenen Saison aufgrund der Ausfälle öfter der Fall war.

Doch auch im direkten Umfeld der Mannschaft kommt es zu etlichen Änderungen. So scheidet auch der Sportliche Leiter Arno Jung ersatzlos aus - und nach 35 Jahren wurde auch "Mister TVH" Lothar Weber - der langjährige Macher - am Samstag aus der Geschäftsführung verabschiedet. Weber wird aber weiter beratend zur Verfügung stehen.

"Wir befinden uns in einem spannenden Projekt, in das ich nun durch das Ausscheiden von Lothar natürlich noch mehr Zeit investieren muss, was ich aber gerne tue. Wir haben einige Pläne, die Heimspiele noch unterhaltsamer zu machen", blickt der nun alleinige Geschäftsführer Fabian Friedrich in die nahe Zukunft, in der er die Mannschaft gut aufgestellt sieht. Und auch darüber hinaus. "Neben der Ausleihe von Hendrik Schreiber gehen von uns Tim Lauer und Malvin Werth für ein Jahr in die 3. Liga zur HSG Wetzlar. Wir werden diese Kooperation langfristig konkretisieren, denn es gibt ja nichts besseres als innerhalb von zehn Minuten jeweils eine Erst-, Zweit- und Drittliga-Mannschaft zu haben. Mit Björn Seipp ist besprochen, dass wir das erst einmal bei den Männern angehen. Da sind wir auf einem guten Weg. Es gibt Pläne und wir werden alles zu seiner Zeit bekanntgeben."

Kurzfristig steht nach dem Urlaub der Spieler der Start in die Vorbereitung zur neuen Saison an. Und der erfolgt beim TVH am 8. Juli - wie bei den Fußballern des FCB.

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