Handball

Talente in den Vereinen stark machen

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Weshalb mit dem Handball Competence Centrum Mittelhessen aus einer Vision endlich auch ein Erfolgsmodell in Sachen Nachwuchsförderung werden könnte, hat die Kickoff-Veranstaltung aufgezeigt.

Die Idee ist nicht neu, aber immer noch aktuell. Aktueller denn je, denn selbst in der Handball-Hochburg Mittelhessen gehen die Team- und Mitgliederzahlen seit Jahren kontinuierlich zurück und demzufolge lässt auch die Leistungsfähigkeit nach. Beim männlichen Nachwuchs ist im Bundes- und Oberligabereich durch die HSG Wetzlar und den TV 05/07 Hüttenberg eine ungesunde Monokultur entstanden, der weibliche Nachwuchs ist im Oberhaus gar nicht vertreten und weist sogar schon in der Oberliga sichtbar Lücken auf.

Diesem Trend entgegenzuwirken, hat sich das neu gegründete Handball Competence Center Mittelhessen (HCCM) mit der THM-Vizepräsidentin Katja Specht an der Spitze auf die Fahnen geschrieben. Es ist zwar noch nicht fünf vor zwölf, die WM-Euphorie aus dem Januar will man aber auch in unserer Region nicht ungenutzt verstreichen lassen und bezüglich einer strukturierten Nachwuchsförderung zeitnah zu neuen, gemeinsamen Ufern aufbrechen. Ziel der ehemaligen Zweitliga-Handballerin und Initiatorin ist es, unabhängig des oft noch zu konservativen Vereinsdenkens nachhaltig, an die Region gebundene Strukturen zu schaffen, die jedem der 63 Klubs im Bezirk von Mörlen bis Kirchhain zugute kommen.

Klubmauern überwinden, Ängste beseitigen und Vertrauen schaffen will der dreiköpfige Vorstand des als e. V. eingetragenen HCCM in den nächsten Wochen und Monaten. Dass dazu viel Überzeugungsarbeit und -kraft notwendig ist, ist den Verantwortlichen bewusst. Unterstützt wird das Projekt von der Volksbank Mittelhessen, weshalb Vorstand Dr. Lars Wittek selbst ein wenig die Werbetrommel rührte und dazu aufrief, "Kräfte zu bündeln für die gesamte Idee". Gießens Bürgermeister Peter Neidel, einst selbst aktiver Regionalliga-Handballer bei den TSF Heuchelheim, unterstrich die Bedeutung, wie wichtig es heutzutage ist, "dem Handball eine kräftige und gemeinsame Stimme zu geben".

Volker Michel, einer der wenigen Lehrer-Trainer der Region im Bereich Handball, bezeichnete den Zusammenschluss als "historische Chance". Der Handball müsse einerseits noch früher in die Grundschulen, nicht erst in der 3. oder 5. Klasse, andererseits müsse man Talente möglichst lange in den Stammvereinen lassen. "Ziel muss es sein, Talente in ihren Vereinen stark zu machen und nicht zu früh zu wechseln." Jochen Beppler weiß als DHB-Cheftrainer Nachwuchs, dass bei allen Beteiligten "viel Mut und Ehrlichkeit vorhanden sein muss", um den angestrebten Weg auch wirklich konsequent zu gehen. "Alle Beteiligten müssen sich ihrer Aufgabe und Verantwortung bewusst sein. Die Vision aber tut der Region gut." Der stellvertretende Bezirksvorsitzende Frank Hoffmann appellierte allerdings eindringlich daran, bei der beabsichtigten Bündelung der Kräfte den Breitensport nicht aus den Augen zu verlieren.

Arno Jung, Jugendkoordinator beim TV 05/07 Hüttenberg, erläuterte das sportliche Konzept, das hinter HCCM steckt. Der erfahrene Handball-Trainer bekräftigte, dass man "nicht in Konkurrenz zu anderen Initiativen, die es schon gibt, treten" wolle, man in erster Linie Kompetenzen bündeln und dort einsetzen möchte, wo sie bei einzelnen Vereinen nicht vorhanden sind bzw. personell nicht mehr geleistet werden können. Man möchte "kleinzelliger werden, Lehrgänge und Trainingsmaßnahmen vor Ort anbieten, zum Beispiel im Torhüterbereich, eben Knowhow vermitteln". Die Idee einer Grundschulliga, eine weniger zeitaufwendige Trainer-Zertifizierung und dezentrale Angebote stehen ganz oben auf der "To-do"-Liste. "Nach der Ausbildung zum Kindertrainer haben wir einen Verlust von 90 Prozent, was die Teilnahme am Erwerb der C-Lizenz betrifft", nennt Jung einen Makel, den es unbedingt zu beseitigen gilt.

Katja Specht erhofft sich ein anderes, ein weniger an Eigeninteressen ausgerichtetes Miteinander. Mithilfe einer Bedarfsanalyse soll so schnell wie möglich festgestellt werden, welche Erwartungen und Bedürfnisse die Vereine – egal ob höherklassig wie die HSG Wetzlar oder unterklassig wie etwa HSG Pohlheim und HSG Mörlen – haben und an welchen Stellen kurz- und mittelfristig entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.

Eine Idee, eine Vision ist auf den Weg gebracht - nun heißt es sie mit Unterstützern und Leben zu füllen! Beim Kickoff versprühten alle Beteiligten trotz einiger Bedenken Zuversicht.

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