Nicht nur Helfer in der Not

  • schließen

Handballfans aus der Wetterau schauen mit Bewunderung, aber auch mit Wehmut in die benachbarten Kreise Gießen und Wetzlar. Außer den beiden Landesligisten TV Petterweil und TSV Griedel herrscht im Süden des Handballbezirks Gießen Tristesse. Dagegen gibt es bei den Nachbarn eine Vielzahl höherklassiger Vereine. Allen voran die Bundesligisten HSG Wetzlar und TV 05/07 Hüttenberg. Das wirft die Frage auf, ob es in der Wetterau keine Talente gibt? Die Frage ist schnell beantwortet. Es gibt sie tatsächlich, nur ist es so, dass es diese Spieler mangels attraktiver lokaler Möglichkeiten zu den "Großen" in die Nachbarschaft zieht.

Handballfans aus der Wetterau schauen mit Bewunderung, aber auch mit Wehmut in die benachbarten Kreise Gießen und Wetzlar. Außer den beiden Landesligisten TV Petterweil und TSV Griedel herrscht im Süden des Handballbezirks Gießen Tristesse. Dagegen gibt es bei den Nachbarn eine Vielzahl höherklassiger Vereine. Allen voran die Bundesligisten HSG Wetzlar und TV 05/07 Hüttenberg. Das wirft die Frage auf, ob es in der Wetterau keine Talente gibt? Die Frage ist schnell beantwortet. Es gibt sie tatsächlich, nur ist es so, dass es diese Spieler mangels attraktiver lokaler Möglichkeiten zu den "Großen" in die Nachbarschaft zieht.

So etwa zum TV 05/07 Hüttenberg. Hier spielt mit Mario Fernandes bereits seit langen Jahren ein waschechter Ober-Mörler. Der TVH-Abwehrchef ist mittlerweile zu einem Führungsspieler aufgestiegen und gilt als eines der Gesichter des Vereins. Zuletzt hat sich mit dem Gambacher Johannes Klein ein weiteres Wetterauer Handball-Talent darangemacht, sich ebenfalls einen Namen zu machen. Aufgrund der angespannten Personalsituation bei den Blau-Roten wurde sein Traum von der 1. Bundesliga schneller Realität als angenommen: Sechs Spiele, ein Tor, ein Assist und ein Steel stehen mittlerweile hinter seinem Namen in der offiziellen Erstliga-Statistik.

Schon in frühester Kindheit kam Johannes Klein mit dem Handballsport in Berührung. Kein Wunder, stammt er doch aus einer typischen Handballfamilie. Vater Wolfgang hütete über viele Jahre das Tor des TSV Gambach bzw. der HSG Münzenberg/Gambach, Schwester Julia ist Kassenwartin der HSG Wettertal und Freundin Rixa Hahn steht in Hüttenberg im Tor der Oberligamannschaft. Der Handball besitzt im Leben des 21-Jährigen einen großen Stellenwert und nimmt viel seiner Zeit in Anspruch. Da er sowohl in der Hüttenberger U 23 in der Oberliga- als auch in der Bundesligamannschaft eingesetzt wird, stehen wöchentlich neben zwei Spielen bis zu acht Trainingseinheiten auf dem Programm. Oft absolviert er an einem Abend hintereinander das Training der U 23 und der Bundesligamannschaft. Dazukommt je Spieltagssituation Regenerationstraining und Videostudium bei beiden Mannschaften.

Ungeachtet dessen vernachlässigt Klein die andere Seite des Lebens nicht. Bei der Stadt Münzenberg hat er eine Ausbildung zum Verwaltungsfachwirt erfolgreich absolviert und ist derzeit dabei, sein Fachabitur nachzuholen. Danach steht ein Studium der Betriebswirtschaft an. Kein Wunder, dass der junge Mann nicht nur geerdet wirkt, sondern auch ist. "Mit dem, wie es zurzeit läuft, bin ich zufrieden", bekennt er. Da er schon zu E-Jugend-Zeiten der herausragende Spieler seines Vereins war und Tore in Serie warf, war abzusehen, dass er seinen Heimatverein verlassen wird. Im zweiten D-Jugend-Jahr war es so weit. In einem Spiel gegen Hüttenberg fiel er deren Jugendtrainer auf, die ihm einen Wechsel in das "Handkäsedorf" schmackhaft machten. Dort ging seine Entwicklung stetig nach oben. Der Gewinn von Bezirks- und Hessenmeisterschaften war die logische Folge, ebenso wie 2013 die Einladung zu einem DHB-Sichtungslehrgang.

2014 gewann Johannes Klein mit der Hessenauswahl und deren Trainer Jochen Beppler das Turnier um den DHB-Länderpokal und wurde in das "Allstar-Team" berufen. Trotz seiner jungen Jahre ist er in der Oberliga-Mannschaft des TVH einer der herausragenden Spieler. "Wir haben ihn nicht in den Griff bekommen. Was der Junge athletisch und wurftechnisch draufhat, ist beeindruckend", so die Aussage eines gegnerischen Trainers, nachdem Klein seiner Mannschaft wieder einmal "eingeschenkt" hatte.

Da der Rückraumspieler dem Hüttenberger Anschlusskader angehört, in dem talentierte Spieler mit Perspektive für die erste Mannschaft trainieren, war sein Weg vorgezeichnet. Jetzt wurde sein jugendlicher Traum, in der "Ersten" des TVH zu spielen, wahr. Eindrücke aus seinen ersten Spielen lassen vermuten, dass es durchaus ein dauerhaftes Erleben dieses Traums werden kann. Die dazu nötige Einstellung ist bei Klein, zu dessen Stärken neben Sprungkraft, Wurftechnik und Athletik auch gutes Abwehrspiel gehören, vorhanden. "Ohne Trainingsfleiß und Willen ist da oben nicht viel möglich", hat er verinnerlicht – und mittlerweile für die nächste Saison einen Vertrag unterzeichnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare