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Der lange Jahre in Hüttenberg aktive Stefan Lex (ASV Hamm Westfalen/hinten) kann von Moritz Zörb (TVH/15) nicht gestoppt werden. FOTO: RAS

Handball

TV Hüttenberg nicht abgezockt genug

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Handball-Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg hat die Überraschung verpasst. Aufstiegsanwärter ASV Hamm-Westfalen siegt mit 24:22 bei den Mittelhessen, da sich diese 21 Fehlwürfe leisten.

Eine gute Leistung, die aber nicht belohnt wurde, zeigte Handball-Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg im letzten Heimspiel des Jahres. Nach einer ausgeglichenen Partie mussten sich die im engen hinteren Tabellenmittelfeld feststeckenden Mittelhessen dem aufstiegsambitionierten ASV Hamm-Westfalen mit 22:24 (13:14) geschlagen geben.

"Wir haben es nicht verdient, weil wir zu dumm waren", ging Trainer Frederick Griesbach vielleicht ein wenig zu hart mit seiner Mannschaft ins Gericht. Ihm war deutlich anzumerken, dass er der Chance, gegen die durch den Sieg auf Aufstiegsplatz zwei vorgerückten Gäste mindestens einen wichtigen Punkt im engen Tabellenkeller zu holen, mächtig nachtrauerte. Denn bis fünf Minuten vor dem Abpfiff sahen die 1060 Zuschauer im Hüttenberger Sportzentrum ein klassisches Unentschieden-Spiel. Doch den durchaus möglichen Punkt gab der TVH im Angriff aus den Händen. "Wir leisten uns 21 Fehlwürfe. Das tut uns weh. Wir bekommen in den letzten zehn Minuten - trotz doppelter Unterzahl - nur drei Gegentore. Daher war natürlich mehr drin. Aber der Schlüssel lag heute bei uns im Angriff", war der 30-Jährige untröstlich.

Zumal die Blau-Weiß-Roten über weite Strecken ebenbürtig waren, doch schlussendlich nicht abgezockt genug. Mit dem Selbstvertrauen aus zuletzt 7:3 Punkten legten die Hausherren nach dem Auftakttreffer von Linksaußen Christian Rompf, der gleich an seine Gala der Vorwoche anknüpfte, zunächst vor. Nach dem 5:4 des stark beginnenden Johannes Klein in der achten Minute konnte zwar der Ex-Hüttenberger Stefan Lex den ASV Hamm beim 6:5 erstmals in Front werfen, doch der TVH konterte mit einem 3:0-Lauf durch einen Innenpfosten-Knaller von Björn Zintel sowie Treffer von erneut Klein sowie Moritz Lambrecht in der zweiten Welle.

Das Momentum war auf Hüttenberger Seite, die nun aber im Abschluss schwächelten. Rompfs Lattenknaller im Tempogegenstoß ließ die Chance auf die vielleicht etwas beruhigende Drei-Tore-Führung ungenutzt. Zudem scheiterte Markus Stegefelt mit dem einzigen Siebenmeter des Spiels (!) an Felix Storbeck im Hammer Tor und Merlin Fuß hatte Pech mit seinem Pfostentreffer in Überzahl. Da zudem auch Moritz Zörb frei vom Kreis den Ball nicht am ligaweit besten Torwart Storbeck vorbei bringen konnte, drehte Hamm wieder die enge Partie und nahm nach einem weiteren Fuß-Pfostentreffer auch eine knappe 14:13-Führung mit in die Kabine.

Die zweite Halbzeit begann torarm, da beide Deckungsreihen dominierten. Nach dem 16:14 durch den starken und clever agierenden Sören Südmeier, der für die ersten vier Tore der Gäste nach Wiederanpfiff verantwortlich zeichnete, blieben die Handballer aus der Handkäsehochburg aber weiter dran. Hamm legte vor - Hüttenberg glich aber postwendend aus. So ging es nach dem 16:16 durch Merlin Fuß bis zum 21:21 durch Linkshänder Dieudonné Mubenzem, dem Moritz Zörb in der 53. Minute vom Kreis mit dem 22:21 die erste, aber leider auch letzte Hüttenberger Führung in der zweiten Halbzeit folgen ließ.

Denn in der Crunchtime machte der TVH zu viele Fehler, die die abgezockten Gäste gnadenlos bestraften. Zunächst spielte man eine Überzahl-Situation erneut schlecht aus und nötigte Christian Rompf zu einem Notwurf. Dann scheiterte der Versuch der schnellen Mitte ins noch in Unterzahl leere Hammer Tor. Und schließlich handelte man sich in der 56. Minute binnen 20 Sekunden Zeitstrafen gegen Rompf und Zörb ein. "Da mussten wir das Spiel entscheiden", wusste Gäste-Coach Kay Rothenpieler, der sich gerne nach 19 Jahren in Hamm mit dem Aufstieg verabschieden möchte. Die Hausherren warfen noch einmal alles rein, Nikolai Weber parierte gegen den freien Rechtsaußen Marten Franke, doch offensiv wollte nichts mehr gelingen, sodass ausgerechnet Stefan Lex 50 Sekunden vor dem Abpfiff den entscheidenden Treffer zum 24.22 setzte. "Den letzten Ball muss ich halten. Dann geht vielleicht vorne noch etwas", ärgerte sich TVH-Keeper Nikolai Weber.

Zeit, um der vergebenen Chance nachzutrauern, bleibt dem TVH nicht. Denn bereits am Mittwoch geht es zum Nachholspiel beim VfL Gummersbach. "Das ist gut, dass wir uns nicht eine ganze Woche über dieses Spiel ärgern müssen. Wir haben auch heute gezeigt, dass wir mithalten können. Jeder muss an seine Grenzen gehen, dann ist in jedem Spiel etwas möglich", hatte der 39-jährige Torwart schon den Blick nach vorne gerichtet.

TV 05/07 Hüttenberg: Böhne, Weber; Fuß (2), Sklenák (3), Lambrecht (1), Müller, Rompf (4), Zörb (3), Stegefelt, Mubenzem (2), Hübscher, Kirschner, Zintel (5), Klein (2).

ASV Hamm-Westfalen: Storbeck, Krechel; Huesmann, Milde, Brosch (45), Fuchs, Schwabe, Lex (4), Stavast, Südmeier (5), Papadopoulos (4), Krings (2), Pretzewofsky, Franke (3), von Boenigk (2).

Stenogramm / SR: Hellbusch/Jansen (Trebur/Geinsheim) - Zuschauer: 1060 - Zeitstrafen: 8:12 Minuten. - Disqualifikation: Zörb (TVH-56.) - Siebenmeter: 1/0:0/0.

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