TV 05/07 Hüttenberg

Fehlstart bestraft

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Der TV 05/07 Hüttenberg hat bei seiner "Filiale" HSC Coburg die erwartete Niederlage nicht verhindern können. Das Zweitliga-24:29 zeichnete sich früh ab.

Mario Fernandes saß nach Spielende auf der Bank der Coburger Arena und konnte sich vor Schulterklopfern und Aufmunterung kaum retten. Dabei hätte der Kreisläufer des TV 05/07 Hüttenberg sicher liebend gern auf diese Aufmerksamkeit verzichtet: Einerseits waren seine vier Tore nicht genug, um die 24:29 (12:15)-Niederlage beim HSC 2000 Coburg zu verhindern, andererseits konnte er einen großen Teil der zweiten Halbzeit nur noch von draußen verfolgen: Der 27-Jährige war umgeknickt, lag mehrere Minuten auf dem Boden, bekam noch dort seinen Schuh ausgezogen und humpelte dann, von seinen Mitspielern gestützt, zur Bank, wo er den Rest der Partie den lädierten rechten Fuß hochlegte und kühlte. "Er kann auftreten, alles andere werden wir am Montag sehen", klang TVH-Trainer Emir Kurtagic nach der Partie nur bedingt optimistisch.

Das konnte allerdings auch am Spielverlauf gelegen haben: Denn Trainer Kurtagic grummelte auch noch über den schwachen Start seiner Mannschaft, die sich vor 2340 Zuschauern nach sechseinhalb Minuten einem 2:5-Rückstand gegenübersah und kurz darauf mit 5:9 zurücklag. Von diesem Fehlstart erholten sich die Hüttenberger trotz der unermüdlichen Unterstützung von gut 50 mitgereisten Mittelhessen während der Partie nicht mehr.

Linksaußen Christian Rompf war nach Spielende unzufrieden: "Wir haben schlecht ins Spiel gefunden. Coburg hat einfache Tore gemacht, worauf wir uns auch eingestellt hatten. Dann hatten wir in der ersten Hälfte zwar Ballgewinne, konnten die aber nicht nutzen, weil wir Abspielfehler gemacht haben und Bälle ins Aus geworfen haben. Das haben sie bestraft mit Tempogegenstößen. Aber auch im Spiel Sechs gegen Sechs haben wir nie Zugriff in der Abwehr bekommen. Wir haben komplett als Mannschaft nicht das gezeigt, was wir letzte Woche gegen Wilhelmshaven gezeigt haben."

Auch Coach Kurtagic stimmte dieser Einschätzung zu: "Wir haben heute einfach kein gutes Spiel gezeigt, sehr nervös und unruhig gewirkt." Die Verletzung von Fernandes trug da für den Trainer nur noch zur Gesamtleistung bei: "Das war nicht der Knackpunkt, das waren die ersten fünf Minuten, wo wir vier unglückliche Bälle über außen bekommen und Coburg Sicherheit erhält."

Als die Hüttenberger dann auch noch schwach in die zweite Hälfte starteten und Coburg fix auf 17:12 davonziehen konnte (34.), war bereit klar, in welche Richtung sich das Duell beim Tabellenzweiten entwickelte. Zwischenzeitlich erspielten sich die Vestestädter dank zweier Treffer von Lukas Wucherpfenning binnen 13 Sekunden sogar einen Vorsprung von sieben Toren (25:18, 51.). Hüttenberg kam zwar bis zum Anfang der Schlussminute noch einmal auf drei Zähler heran, doch dann waren es wiederum zwei Wucherpfennig-Treffer in kurzer Zeit, die das Endergebnis herstellten.

"Wir haben es geschafft, die Stärken der Hüttenberger im Keim zu ersticken. Das fand ich, trotz einem anderen Innenblock in der 6:0, wo Sebastian Weber ausgeholfen hat, wichtig. Zusammen mit der Torhüterleistung war das unser Fundament", lobte Coburg-Trainer Jan Gorr nach dem Spiel vor allem die Verteidigungsleistung seiner Mannschaft.

Die TVH-Niederlage kam am Ende einer bewegten Woche: Gab es nach der Bekanntgabe von Frederick Griesbach als neuem Cheftrainer ab der kommenden Saison noch einen Sieg über Wilhelmshaven, folgte auf den Wirbel rund um den Abgang von Daniel Wernig im Sommer die Pleite in der Vestestadt. Für Routinier Rompf spielte das allerdings keine Rolle: "Ich glaube nicht, dass das irgendwo den Fokus vom Ligaalltag weggenommen hat." Der Blick geht bei den Hüttenbergern jetzt schon wieder nach vorn, wo mit Hagen und Großwallstadt in den kommenden zehn Tagen zwei Mannschaften warten, die im Abstiegskampf keine Punkte zu verschenken haben.

Den heimischen Handballfreunden bleibt immerhin der Trost, dass mit Coburg eine Mannschaft mit starker mittelhessischer Prägung siegte: Wem die Vergangenheit von Ex-TVH-Trainer Jan Gorr und Spielern wie Sebastian Weber (ehemals Hüttenberg und Wetzlar) sowie den aus der Hüttenberger Jugend stammenden Florian Billek und Konstantin Poltrum nicht ohnehin geläufig war, konnte es spätestens nach Spielende erleben, als auf den Gängen der Katakomben gemeinsam bei Kaltgetränken noch ausgiebige Schwätzchen zwischen Spielern beider Klubs gehalten wurden. Oder kurz zuvor, als Mario Fernandes all die aufmunternden Schulterklopfer bekam, die man ihm allerdings lieber erspart hätte.

Coburg: Kulhanek, Poltrum; Hageln, Jäger (4), Wucherpfennig (6/1), Sproß (2), Kelm, Weber (2), Prakapenia (4), Billek (2/1), Knauer (2), Zettermann (2), Varvne (3).

Hüttenberg: Lorenz, Weber; Sklenak (3), Belter, Lambrecht (1), Wernig (3), Rompf (1), Zörb (2), Fernandes (4), Stegefelt (7), Mubenzem, Hahn (2), Zintel (1), Klein.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Reich/Brodbeck (TuS Metzingen). - Zuschauer: 2340. - Zeitstrafen: 8:8 Minuten. - Siebenmeter: 4/2:0.

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