Handball

Drama im Schlussakt der Rechtenbacher Titelstory

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Die SG Rechtenbach hat ihr Drei-Jahres-Projekt verfrüht abgeschlossen und als Bezirksliga-A-Meister eine gute Saison hinter sich. Erfolgsfaktoren sind Defensive und die geringe Ausfallquote.

Ohne Drama geht es bei uns einfach nicht." Lachen muss Christian Kunz, Trainer des neuen Meisters der Handball-Bezirksliga A, wenn er an die entscheidende Begegnung seiner SG Rechtenbach bei der HSG Lumdatal II zurückdenkt, in der sich seine Truppe dank eines 26:19-Erfolges die Krone aufsetzte und den Aufstieg in die Bezirksoberliga Gießen klarmachte.

Dabei war auf SGR-Seite in Londorf zunächst keinem zum Lachen zumute, als das Team nach 14 Minuten mit 3:6 zurücklag und soeben Julian Viehmann mit einer schweren Handverletzung verloren hatte. Spielabbruch, Wiederholungsspiel – vieles stand zu diesem Zeitpunkt im Raum. Doch nach langer Unterbrechung wollte die Truppe aus dem Lahn-Dill-Kreis unbedingt spielen, den Titel für die vielen mitgereisten Fans und vor allem für ihren besten Torjäger der Saison unbedingt gewinnen. Was im Anschluss auch in eindrucksvoller Manier gelang. "Wie wir da reagiert haben, zeigt den Charakter der Mannschaft, das war Wahnsinn", beschreibt Kunz.

Eben jener Viehmann war es, der die Rechtenbacher vor knapp zwei Jahren in die Bezirksliga A geworfen hatte, als nach hauchdünnen Ergebnissen in den Relegationsspielen sein Treffer zwei Sekunden vor dem Ende den Unterschied zwischen der SGR und Münzenberg/Gambach II ausgemacht hatte. Und auch diesmal hielt die Dramatik im entscheidenden Moment wieder Einzug.

Dabei waren die Rechtenbacher in den letzten Wochen förmlich durch die Liga gefegt. Zu Saisonbeginn noch mit diversen Punktverlusten belastet, die auch in unterschiedlichen personellen Ausfällen begründet waren, leistete sich die Kunz-Truppe seit dem siebten Spieltag nur noch eine einzige Niederlage (23:25 gegen Eibelshausen/Ewersbach). 17 von 18 Partien wurden seitdem gewonnen.

Wichtig war dabei vor allem, dass Julius Thrun, der bereits für den TV Hüttenberg in der Landesliga aufgelaufen war, das Team im Laufe der Saison verstärkte und zu den ohnehin starken Individualisten um Bastian Schmidt, Daniel Frosch (beide verfügen ebenfalls über Landesliga-Erfahrung) oder Torjäger Viehmann hinzustießen. "Wir waren vorher ja auch keine Kirmestruppe und hatten schon das Ziel ausgegeben, zumindest so lange wie möglich um die vorderen Plätze mitzuspielen. Aber mit Julius haben wir dann noch einen ganz wichtigen Faktor hinzugewonnen", beschreibt Trainer Kunz.

Dies und die Tatsache, dass im Laufe der Spielzeit immer weniger Ausfälle im dünnen Kader zu beklagen waren, brachte Rechtenbach in die Pole Position. Und diese wurde auch in den Topspielen gegen die örtlichen Nachbarn verteidigt und sogar ausgebaut. Zunächst wurde der TV Hüttenberg III im Februar mit 20:16 geschlagen, ehe im März auch der TuS Vollnkirchen in einer brechend vollen Rechtenbacher Sporthalle mit 23:19 besiegt wurde. Sicherlich das absolute Highlight der Saison.

Ein weiterer Schlüssel zur Meisterschaft war auch die starke Defensive. Mit am Ende nur 568 Gegentoren, einem Schnitt von lediglich 22 pro Partie, stellt die SGR die beste Abwehr der Liga und verfügt mit Matze Lang und Alexander Schmidt zudem über ein extrem gutes Torhüterduo, das sich perfekt ergänzt. "Es freut einen Trainer natürlich, wenn er das sieht, denn die Abwehr ist für mich das A und O und stellt auch den Trainingsschwerpunkt dar", ergänzt Kunz.

Dieser hatte nach dem Aufstieg in die A-Liga vor zwei Jahren ursprünglich ein Drei-Jahres-Projekt angedacht und wollte im kommenden Jahr um den Aufstieg spielen. Dass Pläne aber oft durchkreuzt werden, ist dem SGR-Coach spätestens seit dem letzten Wochenende klar. "Das ist für uns ein Gemeinschaftsprojekt, zu dem jeder seinen Beitrag geleistet hat. Am meisten ist es aber der Verdienst der Spieler", fasst Kunz zusammen.

Und auch, wenn bis zur neuen Saison in der Bezirksoberliga noch Zeit ist, hat der SGR-Trainer die Zielsetzung Klassenerhalt jetzt schon ausgegeben, denn Neuzugänge hat der Meister bislang noch nicht unter Dach und Fach gebracht. Dass es die brauchen wird, ist dem Meistercoach bewusst, diesbezüglich ist er aber guter Dinge. "Nur mit Euphorie wird es eine Klasse höher nichts werden, da braucht es auch noch weitere Qualität. Wir werden uns umschauen, aber keine verrückten Sachen machen, sondern nach Leuten schauen, die zum Team passen. Wir haben eine gute Truppe beisammen, eine schöne Halle und begeisterungsfähige Fans. Da bin ich mir sicher, dass sich uns noch jemand anschließen wird", glaubt Kunz und freut sich, dass zumindest die handballfreie Zeit wohl ohne weitere Dramen ablaufen wird.

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