Zwischen Hoffen und Bangen

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(sid). Testen, isolieren, warten. Das Prozedere rund um die zurückkehrenden Profis wird für die Klub-Verantwortlichen in den kommenden Tagen zur Nervenprobe. Trainer wie Manager leben mit Blick auf den Spieltag der Fußball-Bundesliga am Wochenende zwischen Hoffen und Bangen - schließlich scheinen neue Corona-Fälle nach den Länderspielreisen unvermeidbar. Falls es ähnlich schlecht läuft wie bei manchen Spielen in der Nations League, können Austragungen in Gefahr geraten oder es müssen Not-Mannschaften auflaufen.

Letzteres ist bei der TSG Hoffenheim mit Blick auf das Derby am Samstag (15.30/Uhr) gegen den VfB Stuttgart schon nicht mehr zu vermeiden. Nach dem positiven Test von Offensivspieler Sargis Adamjan (27) bei der armenischen Nationalmannschaft befinden sich mittlerweile sieben Profis der Kraichgauer auf der Covid-Liste. Dazukommen ein Betreuer und ein Mitglied des Trainerteams.

Noch bekommen die Hoffenheimer die geforderten 15 gesunden Profis inklusive Torhüter zwar zusammen, da es sich bei den Infizierten aber fast ausnahmslos um Stammkräfte handelt, muss Trainer Sebastian Hoeneß improvisieren. Wie schwierig das wird, zeigt schon der Blick auf die Bilanz Adamjans - er hat die zurückliegenden drei Pflichtspieltreffer der TSG erzielt. Dazu kommt, dass sich Andrej Kramaric und Kasim Adams während der zurückliegenden Länderspiel-Woche im Oktober infiziert hatten. Beide haben seitdem nicht gespielt. Im Gegensatz zu Kramaric war Marin Pongracic vom VfL Wolfsburg wieder für Kroatien unterwegs. Der Innenverteidiger ist nach Kapitän Domagoj Vida und Marcelo Brozovic nun der dritte Kroate, der positiv getestet wurde. Pongracic befindet sich in Quarantäne. Das gilt auch für den Südkoreaner Changhoon Kwon (SC Freiburg).

Die Hoffenheimer Verhältnisse zeigen, wie schnell ein Klub schwer betroffen sein kann. Die unterschiedlich langen Inkubationszeiten sorgen zusätzlich dafür, dass trotz der zahlreichen Tests keine echte Sicherheit besteht. Das hat der Ausbruch bei der ukrainischen Nationalmannschaft ebenso gezeigt wie die Ansteckungen rund um die Länderspiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft - in beiden Fällen waren Spielabsagen die Folgen. Ein Szenario, dass durch Entscheidungen der Gesundheitsbehörden auch in der Bundesliga möglich ist.

Diese Gefahr hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erkannt. So hat der Ligaverband die 36 Profiklubs nachdrücklich auf die Einhaltung des Hygienekonzeptes hingewiesen. "Mit jeder Infektion wird potenziell die Gesundheit der Mitspieler und Kollegen riskiert. Und bei jeder Infektion drohen Spielausfälle, die im engen Terminkalender kaum unterzubringen sind."

Nach Ansicht des Tübinger Sportmediziners Andreas Nieß wäre es ohnehin das Beste gewesen, die Länderspiele ausfallen zu lassen. "Die internationalen Verpflichtungen, Wettkämpfe, Spiele abzusagen, wäre für mich als erster Versuch sehr naheliegend", sagte Nieß. "Der zweite Punkt wäre, ob man nicht doch wieder, wie in der Champions League, in Spielecluster zurückkehrt." Laut Nieß müssen die Konzepte angepasst werden: "Ansonsten fährt man dann womöglich gegen die Wand."

Diese Warnung ist bei den Klubs angekommen. Laut Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vom Meister Bayern München werden die Klubs ihre Hygienekonzepte "gemeinsam verbessern und anpassen, um zu gewährleisten, dass der Spielbetrieb aufrechterhalten werden kann". Gar kein Risiko - zumindest mit Blick auf die Länderspiele - sind Werder Bremen und Arminia Bielefeld eingegangen. Beide Klubs hatten entschieden, keine Profis für Länderspiele im Ausland abzustellen. Deshalb wird dort auch nicht so heftig gezittert wie anderswo.

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