Am Tag vor dem Test gegen die Türkei unterhält sich Bundestrainer Joachim Löw (r.) mit Florian Neuhaus, der am Mittwoch zu seinem ersten Länderspiel-Einsatz kommen dürfte. FOTO: DPA
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Am Tag vor dem Test gegen die Türkei unterhält sich Bundestrainer Joachim Löw (r.) mit Florian Neuhaus, der am Mittwoch zu seinem ersten Länderspiel-Einsatz kommen dürfte. FOTO: DPA

Im Zwangskorsett

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Das DFB-Team spielt mit einer B-Elf gegen die Türkei, die Stammkräfte sind danach zweimal in der Nations League gefordert - es geht um viel Geld.

Es ist schon eine Herausforderung für einen Bundestrainer, sich durch die Tücken der Pandemie zu kämpfen. Weil im Frühjahr und Sommer Länderspiele ausfielen, die Joachim Löw gern gespielt hätte, muss seine Mannschaft nun im Herbst Länderspiele austragen, auf die er lieber verzichtet hätte. Jeweils drei binnen sieben Tagen, dreimal im Oktober und dreimal im November. Löw erläuterte, dass er lieber mehr trainiert und weniger gespielt hätte.

Aber das geht nicht, es braucht diesen Fußball im Zwangskorsett, weil frisches Geld in die nicht mehr ganz so üppig gefüllte Kasse muss - auch, damit der DFB pünktlich das Bundestrainergehalt überweisen kann. Also spielt Deutschland nicht nur Samstag in der Nations League in der Ukraine und am Dienstag gegen die Schweiz, sondern auch am heutigen Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) zu Übungszwecken gegen die Türkei.

Tristesse verspricht vor allem eine bis auf 300 zugelassene Besucher leere Kölner Arena, weil die Infektionszahlen zu hoch sind. Der Gegner ist zudem in der Krise, es geht nicht mal um Punkte - und bei den Gastgebern dürfen drei Viertel der Stammkräfte noch ausruhen.

Um die Tage nicht noch komplizierter zu gestalten, hat der DFB beide Heimspiele gegen die Türken und nächste Woche gegen die Eidgenossen in die Kölner Arena vergeben. Zwischendurch geht es "mal kurz in die Ukraine", wie Manager Oliver Bierhoff sagt. Die zwei Etagen der Herberge am Rheinufer werden durchgebucht. Die Spieler sind weitgehend abgeschottet.

All das bedeutet, dass der große Kader bei Laune gehalten werden will. Löw und sein Assistent Marcus Sorg haben deshalb noch mehr Taktik-Trockeneinheiten in Gruppen und noch mehr Einzelgespräche angesetzt als gewohnt.

Aktuell sollen die Spieler vor allem gesund zu ihren Vereinen zurückkehren, weshalb das Thema Belastungssteuerung auch im DFB-Team eine große Rolle spielt. Die nominierten sieben Profis aus München und Leipzig sowie Toni Kroos aus Madrid und Antonio Rüdiger aus London brauchten erst am Dienstag und Mittwoch nach Köln zu kommen. Kroos, Kimmich, Klostermann und Kollegen werden gegen die Türkei nicht mitspielen. Timo Werner wurde Dienstag wegen Erkältungssymptomen in London durchgecheckt. Anreise ungewiss.

Dass gegen die Türkei unbedingt gespielt werden muss, hat etwas mit den millionenschweren Verträgen zu tun, die der DFB gemeinsam mit der UEFA unterschrieben hat. Binnen vier Jahren sind 40 Länderspiele zu absolvieren, wie Bierhoff erläuterte. Jedes Spiel hat einen Gegenwert von rund zwölf Millionen Euro. Die UEFA ist Verpflichtungen bei TV-Anstalten und Sponsoren eingegangen und muss diese trotz Corona erfüllen.

Löw hat sich damit abgefunden, das Beste aus der Situation zu machen, für die niemand etwas kann. Heißt gegen die Türkei, dass ziemlich sicher Mahmoud Dahoud, Jonas Hofmann und Florian Neuhaus debütieren werden, um auf diesem Niveau zu zeigen, was sie draufhaben. Bernd Leno hütet das Tor. Julian Draxler wird die B-Elf als Kapitän anführen.

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