Zustimmung und Kritik am "Medaillensport"

(dpa) Großer Wurf auf dem Weg in eine neue Ära oder das Ende der sportlichen Vielfalt in Deutschland? Das Eckpunkte-Papier zur Reform der Leistungssportförderung hat unter Sportlern, Funktionären und Experten kontroverse Diskussionen ausgelöst. Die Zustimmung für das Modell überwiegt, auch weil allen Beteiligten klar ist, dass es ein "Weiter so" nicht geben kann. Klar ist aber auch: Die Reform wird nicht nur Gewinner hervorbringen. Notorisch erfolglose Sportarten drohen Kürzungen bis hin zu einem Förderstopp, die Verbände werden an Macht verlieren, und die Konzentration auf weniger Stützpunkte dürfte kaum geräuschlos ablaufen.

"Generell ist der Ansatz zu begrüßen, den Leistungssport in Deutschland zu reformieren. Ich denke auch, dass das Reformkonzept eine ganze Reihe vernünftiger, interessanter Ansatzpunkte hat", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Am Mittwoch hatten Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Alfons Hörmann, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, den Entwurf der Leistungssport-Reform dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages vorgestellt. "Potenzialorientiert", heißt nun das Zauberwort. Insbesondere Sportler und Disziplinen mit großen Medaillenchancen sollen künftig stärker unterstützt werden. Fehlt dagegen eine Perspektive, können ganze Disziplinen durch das Raster fallen. Dafür wird auch die Struktur der Stützpunkte verändert. Die Olympia-Stützpunkte sollen zukünftig von 19 auf 13 reduziert werden, was vor allem Baden-Württemberg (3 Streichungen) und Nordrhein-Westfahren (2) treffen wird. Die ganz auf den Erfolg ausgerichtete Sichtweise sorgt aber auch für Kritik. "Diese Ausrichtung ist ehrlich und vernichtend zugleich. Die Politik und der DOSB sagen endlich, um was es geht. Mit dem Modell wird der Hochleistungssport zum Medaillensport", monierte Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel. Das Ziel der Reform ist klar: Deutschland soll mehr Medaillen gewinnen. Dass sich die Anzahl der Plaketten seit 1992 in Barcelona (82) bis Rio 2016 (42) fast halbiert hat, ist für de Maizière ein Alarmsignal. Ausschließlich auf den Medaillenspiegel zu schauen, hält Prokop für falsch. "Es gibt Sportarten, in denen die internationale Konkurrenz aus 200 Ländern kommt, aber es gibt auch welche – zum Beispiel im Winter –, in denen ganze Kontinente nicht vertreten sind."

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