Union Berlin strebt zum Start der neuen Saison trotz der Coronavirus-Pandemie ein volles Stadion an. ARCHIVFOTO: DPA
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Union Berlin strebt zum Start der neuen Saison trotz der Coronavirus-Pandemie ein volles Stadion an. ARCHIVFOTO: DPA

Zuschauerpläne erhitzen Gemüter

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(sid). Der tollkühne Vorstoß von Union Berlin sei "nicht diskutabel", er stelle ein "völlig überflüssiges Risiko" dar, und überhaupt sei er "viel zu steil gespielt". So lautet jedenfalls die Warnung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der mit seiner Kritik nicht alleinesteht. Denn die Pläne der Köpenicker zur Vollauslastung des Stadions zur neuen Bundesliga-Saison inmitten der Corona-Pandemie erhitzen die Gemüter.

Nur "ein Spiel mit Infizierten", warnt auch CDU-Politiker Wolfgang Bosbach im "Köl- ner Stadt-Anzeiger", könne womöglich reichen, "dass das Infektionsgeschehen wieder steigt und es neue Restriktionen geben muss". Die beiden Experten wollen die Erfol- ge der Pandemie-Bekämpfung nicht durch die Pläne des deutschen Fußballs aufs Spiel setzen. "Die DFL und der DFB sollten jetzt im Hochgefühl des Bundesliga-Neustarts aufpassen, dass sie nicht überziehen", sagte Bosbach, der "volle Stadien und ausgelassene Stimmung auf den Rängen" in absehbarer Zeit nicht erwartet.

Bei Union sehen sie das gänzlich anders. "Menschen flehen uns jeden Tag an, dafür zu sorgen, dass sie zurückkommen können", sagte Kommunikationsleiter Christian Arbeit. Deshalb ging Union jüngst in die Offensive und präsentierte die Pläne für eine ausverkaufte Alte Försterei. Alle 22 012 Karteninhaber und die Mitarbeiter sollen an den Spieltagen auf das Coronavirus getestet werden, die Kosten übernimmt der Klub.

Für Lauterbach, der den Plänen des Fußballs in der gesamten Krise kritisch gegenüberstand, klingt das Vorhaben wenig überzeugend. Er befürchtet, dass Personen trotz negativem Test "bereits ansteckend" sein könnten. Für ihn kommt, wenn überhaupt, eine Teilöffnung infrage. Es sei die Sache von DFL, die sich bereits in Gesprächen mit dem Bundesministerium für Gesundheit befindet, und DFB, solche Konzepte auszuarbeiten. Auch der DFB dürfte die Planungen unter Hochdruck vorantreiben, schließlich steht der Nationalmannschaft ein Herbst mit gleich fünf Heimspielen bevor. Und: Der Nations-League-Auftakt gegen Spanien in Stuttgart (3. September) eröffnet die Saison noch vor dem Bundesliga-Start (18. September). Die Frage, ob Zuschauer wieder dabei sein können, ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Einen Schritt weiter ist RB Leipzig dank der bereits erteilten Erlaubnis durch das Gesundheitsamt. 20 000 Zuschauer, keine Stehplätze und Mundschutzpflicht - das sind die zentralen Punkte des Hygienekonzeptes. Sofern sich die Neuinfektionen in Grenzen halten, könnte ein Stück weit Normalität in die Leipziger Arena einkehren.

Die organisierten Fans sehen die Pläne zur Teilöffnung kritisch. Die Frage ist: Wer darf ins Stadion und wer nicht? Bosbach erwartet eine "brutale Aufgabe" für die Vereine. Auch deshalb heißt es bei Union: alles oder nichts.

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