Abstand halten - das gilt auch für Interviews beim Restart der 1. und 2. Bundesliga. FOTO: DPA
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Abstand halten - das gilt auch für Interviews beim Restart der 1. und 2. Bundesliga. FOTO: DPA

Zusätzliche Tonspur für Jubel

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Sky möchte trotz leerer Tribünen für Stimmung in den Wohnzimmern sorgen. Hinter der Übertragung von der Fußball-Bundesliga bei DAZN steht weiter ein Fragezeichen.

Auf lautstarke Anfeuerung und ekstatischen Torjubel müssen die TV-Zuschauer beim Bezahlsender Sky trotz leerer Stadien nicht verzichten. Durch die Option einer zusätzlichen Tonspur mit Fangesängen und passenden Publikumsreaktionen möchte der Rechteinhaber ab dem heutigen Samstag die bösen Geister zum Restart verjagen und beim ersten Spieltag unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Geschichte der Fußball-Bundesliga für Stimmung in den Wohnzimmern seiner Abonnenten sorgen.

Beim Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 lässt Sky in einem zusätzlichen Angebot je einen ausgewählten Fan beider Mannschaften ans Mikrofon. Zudem lockt der Sender mit weiteren Gimmicks wie einem speziellen "Scoutingfeed für Taktikfreunde" und verbesserter Bildqualität für ausgesuchte Spiele - und sammelt dabei möglicherweise Pluspunkte für die geplante Auktion der Medienrechte im Juni.

Doch auch Fußballfans ohne Pay-TV schauen an den ersten beiden Wochenenden nicht in die Röhre. Primär um größere Menschenansammlungen privat oder in der Gastronomie zu vermeiden, überträgt der frei empfangbare Sender Sky Sport News HD die Konferenz der Bundesliga am Samstagnachmittag sowie sein Pendant in der 2. Bundesliga am Sonntag für jedermann zugänglich.

Für manchen Politiker geht dies aber noch nicht weit genug. So fordert die Linke-Vorsitzende Katja Kipping die Übertragung aller Bundesligaspiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dieser Schritt sei notwendig, "um zu vermeiden, dass die Fußballfans sich auf engen Raum bei denen versammeln, die Sky abonniert haben", sagte sie der "Rheinischen Post".

Das umfassende Hygiene- und Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat derweil auch Auswirkungen auf die Übertragung vor Ort. Wie aus einem achtseitigen Schreiben der DFL hervorgeht, dürfen sich Mitarbeiter der Sender während des Spiels unter anderem nicht im Innenraum aufhalten. Zudem müssen die Abstandsregeln strengstens eingehalten werden und die Interviews auf einer auf der Tribüne eingerichteten Position stattfinden. Auch Trennwände aus Plexiglas seien eine Option. Die Führungskamera werde etwas näher dran am Spielgeschehen sein, um so wenig wie möglich von den leeren Tribünen zu zeigen. Während bei Sky die Vorfreude steigt, herrscht bei DAZN auch kurz vor dem Restart weiter Unklarheit. Der Streamingdienst, der für die Bundesligaübertragung eine Sublizenz erworben hat, ist weiter vom Rechteinhaber Eurosport abhängig. Dessen US-Mutterkonzern Discovery beruft sich in Coronazeiten offenbar weiter auf eine Sonderkündigungsklausel für höhere Gewalt und weigert sich weiter, seinen Anteil der letzten Rate zu überweisen. Die Frage, ob DAZN das Montagsspiel zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen übertragen darf oder der Bildschirm schwarz bleibt, ist längst zur Hängepartie geworden.

Am Freitagnachmittag haben zudem die Bremer mitgeteilt, dass sich ein Werder-Spieler in einer zweiwöchigen häuslichen Quarantäne befindet, weil eine Person aus seinem direkten Umfeld zuvor positiv getestet wurde. Das komplette Werder-Team darf allerdings weiter trainieren und am Montagabend in der Bundesliga auch gegen Leverkusen antreten, da der Spieler selbst nach Angaben des Vereins seitdem zwei Mal negativ getestet wurde.

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