Die Eintracht ist bereit, um nach dem Achtelfinale in der Europa League gegen den FC Basel nun am Samstag mit der Heimpartie gegen Mönchengladbach das zweite Geisterspiel über die Bühne zu bringen. FOTO: DPA
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Die Eintracht ist bereit, um nach dem Achtelfinale in der Europa League gegen den FC Basel nun am Samstag mit der Heimpartie gegen Mönchengladbach das zweite Geisterspiel über die Bühne zu bringen. FOTO: DPA

Zurückhaltung angemahnt

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Abstand halten - auch vor dem Fernseher, wenn die Bundesliga wieder läuft. Das mahnt Innenminister Peter Beuth an. Die Eintracht-Fans erleben bereits das zweite Geisterspiel in der Corona-Krise aus der Ferne mit.

Sehnsüchtig blicken die Fans von Eintracht Frankfurt in Richtung Commerzbank-Arena. Mit dem Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach kommt am Samstag (18.30 Uhr/Sky) ein attraktiver Gegner, doch zum Wiederanpfiff in der Bundesliga sind die stimmgewaltigen Adler-Anhänger wie schon beim Geisterspiel in der Europa League gegen den FC Basel außen vor. Politik und Polizei vertrauen darauf, dass es in der Corona-Krise nicht zu Ansammlungen in der Stadt oder vor dem Stadion kommt.

Auch die Frankfurter Polizei bereitet sich auf die ungewöhnliche Situation vor - allerdings nicht in besonderem Maß. "Geisterspiele sind für die Polizei ja nichts Neues, auch, wenn die normalerweise aus anderen Gründen stattfinden", sagte ein Sprecher. Einsatzkräfte werden demnach an der Arena sein. Besondere Präsenz in der Innenstadt will die Polizei nicht zeigen. Es gebe am Samstag "relativ viele Versammlungslagen", daher sei man sowieso vor Ort. "Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass es zu Fanaufläufen vor dem Stadion kommen soll", sagte der Sprecher.

Öffentliche Ankündigungen in diese Richtung gibt es von Fanorganisationen auch bundesweit nicht. Die gelockerten Corona-Bestimmungen könnten "unter ›ausgehungerten‹ Fußballfans zu einer unbedarften Leichtsinnigkeit führen". So warnte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek. Er hoffe aber, dass dem nicht so sein wird, fügte er hinzu. "Natürlich wird die Polizei die Situation um die Stadien im Auge haben."

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic hat längst eindringlich an die Anhänger appelliert, sich vom Stadion fernzuhalten. "Wir haben viel mit unseren Fans gesprochen und gesagt: ›Hört zu, Jungs, taucht nicht am Stadion auf. Wenn ihr dort auftaucht, verlieren wir dieses Spiel, weil die Regeln sehr streng sind‹", sagte er dem amerikanischen Sportsender ESPN

Der frühere Nationalstürmer vertraut aber auch auf das Verantwortungsbewusstsein der Fans. "Sie sind schlau. Sie haben in den letzten Wochen die Regeln befolgt und viel für die Gemeinde getan, insbesondere für die Ältesten", sagte Bobic. Die Kommunikation mit den Fangruppen sei gut verlaufen und von ihnen seien positive Signale gekommen, sich an die Vorgaben zu halten.

Die Eintracht hat bereits Erfahrungen mit Geisterspielen in der laufenden Saison gemacht. Im Hinspiel der emotionslosen Europapokal-Partie Mitte März gegen den FC Basel waren schon keine Zuschauer mehr in der Arena. Ohne den ansonsten so starken Rückhalt von den Rängen setzte es eine herbe 0:3-Niederlage für die Frankfurter.

Hessens Innenminister Peter Beuth hat die Fans zu äußerster Disziplin aufgerufen. "Egal, ob man die Spiele in den eigenen vier Wänden oder in der Gaststätte erlebt: die Situation ist neu und ungewohnt", sagte der CDU-Politiker auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. "Abstand halten ist weiterhin die oberste Prämisse." Auch wenn das für die Zuschauer an den Bildschirmen weniger Emotionen bedeute.

Geisterspiele werden sicher nicht das Bundesligaerlebnis zurückbringen, das sich Millionen Fans in Deutschland wünschen, wie Beuth befand. "Sie sind aber zurzeit die einzige Chance für die Vereine der 1. und 2. Bundesliga, Tausende Arbeitsplätze zu erhalten." Die Wiederaufnahme der Saison sei ein gutes Zeichen für den Sport und ein Lichtblick für den Wiedereintritt in den Alltag.

Dabei werde es vor allem auf die Vereine ankommen, mahnte der Innenminister. Diese stehen vor der ungewohnten Herausforderung, das aufwendige Schutzkonzept umzusetzen. Außerdem werde das Verhalten der Spieler im Fokus stehen. "Ich hoffe, dass alle Profis den Bundesliga-Start nutzen werden, um durch Fairplay, Respekt und Achtung vor dem Mitspieler einen positiven Beitrag für den Fußball zu leisten."

Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), ist sich sicher, dass die Eintracht-Anhänger dem Stadion fernbleiben. "Alle Signale, die wir aus den Fanszenen aufnehmen, sagen, dass sie sich an den Spieltagen so verantwortungsvoll verhalten werden wie sie sich während der gesamten Corona-Zeit schon verhalten haben", sagte der frühere A-Jugend- und Amateurfußballer der Frankfurter in einem Interview der VRM-Gruppe.

Neuland für Wehen und Darmstadt

Für den Zweitligisten SV Wehen Wiesbaden, der am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) gegen den VfB Stuttgart startet, sind Geisterspiele Neuland. Der SV Darmstadt 98 spielt am Samstag (13.00 Uhr) erst mal auswärts beim Karlsruher SC.

"Es wird viele Leute geben, die die Spiele nur am Rande verfolgen, weil ihnen das Wesentliche fehlt", sagte Markus Sotirianos, der zweite Vorsitzende der bundesweiten Fan-organisation "Unsere Kurve" und Lilien-Fan. Er meint damit nicht nur das laute und bunte Treiben auf den Tribünen, sondern vor allem die sozialen Kontakte, die ein Fan vor, bei und nach den Spielen hat. Der Darmstädter prophezeit für den Wiederanpfiff: "Das wird ein ziemlicher Totentanz und eine ziemlich traurige Angelegenheit."

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