Nur kurz zeigen sich die Frankfurter um Stefan Ilsanker enttäuscht über das Pokal-Aus bei Bayer Leverkusen, mit der Rückkehr durch Luka Jovic (kleines Bild) zur Eintracht soll nun alles besser werden am Main. FOTOS: DPA
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Nur kurz zeigen sich die Frankfurter um Stefan Ilsanker enttäuscht über das Pokal-Aus bei Bayer Leverkusen, mit der Rückkehr durch Luka Jovic (kleines Bild) zur Eintracht soll nun alles besser werden am Main. FOTOS: DPA

Zurück in die Zukunft

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Das Pokal-Aus in Leverkusen wurde schnell abgehakt, jetzt freuen sich die Frankfurter auf Luka Jovic, der auf Leihbasis für fünf Monate an den Main wechselt.

Martin Hinteregger, der eigenwillige Mann aus den Bergen, hat das Erlebte unterm Bayer-Kreuz in seiner unnachahmlichen Art mit zwei knackigen Sätzen zusammengefasst und dabei mit unfreiwilliger Komik aufgewartet. "Wir sind ausgeschieden", stellte der Abwehrchef der Frankfurter Eintracht nach dem 1:4 im DFB-Pokal in Leverkusen staubtrocken fest und schob erhellend nach: "Das war nicht der Plan." Wer hätte das gedacht. Und doch nahmen Spieler, Trainer und Verantwortliche das Aus in Runde zwei relativ emotionslos und geschäftsmäßig zur Kenntnis. "Wir haben eine Chance liegen lassen, in die nächste Runde einzuziehen", sagte Chefcoach Adi Hütter lakonisch.

Die Sportliche Führung mäkelte ein bisschen an Schiedsrichter Christian Dingert herum, beklagte sogar die Absenz des Videoassistenten in frühen Pokalrunden, andernfalls wäre zumindest das Abseitstor zum 1:2 durch Edmond Tapsoba annulliert worden (49.), vielleicht auch Erik Durms vermeintliches Handspiel überprüft worden (was freilich nicht sehr wahrscheinlich ist), das letztlich zum Strafstoß und dem 1:1 von Lucas Alario führte (27.). Und: Hütter haderte völlig zu Recht mit André Silva, der das 2:0 auf dem Fuß hatte, aber an Lukas Hradecky scheiterte (13.). "Das war die Schlüsselszene", sagte er. "André muss das Tor machen oder den Ball rüberspielen." Hat er aber nicht, weder das eine noch das andere.

Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die nicht von Erfolg gekrönte kurze Dienstreise ins Rheinland schnell abgehakt war. Ärgerlich ist so ein Ausscheiden, klar, noch dazu als gefürchtete Pokalmannschaft. Klar ist, dass sich die Prioritäten nun verschoben haben, die Meisterschaft steht klar im Fokus, da will die Eintracht jetzt mit aller Macht die internationalen Plätze angreifen.

Genau aus diesem Grund ist auch der verlorene Sohn zurückgeholt worden: Luka Jovic, der Bankwärmer aus Madrid, kehrt für knapp fünf Monate nach Frankfurt zurück - dorthin, wo sein kometenhafter Aufstieg begann. Für die Eintracht ist das Leihgeschäft eine sinnvolle Geschichte, sie bekommt einen Topstürmer, der den Verein und die Abläufe kennt und sich schnell akklimatisieren sollte. "Luka kommt in eine intakte Mannschaft, er weiß, wie es hier läuft, er kennt das Team und den Verein", berichtet Hütter.

Die fußballerischen Fähigkeiten des 23-Jährigen sind ohnehin immens und unbestritten. "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler", findet der Coach. Im besten Fall wird der Deal zu einer Win-win-Situation, die kurze und simple Formel lautet: Jovic verhilft der Eintracht zu Europa, die Eintracht verhilft Jovic zu Spielpraxis und alter Stärke. Klingt ganz einfach.

Der Fußballlehrer ist überzeugt von seinem einstigen Schützling, der unter Hütters Regie durchstartete, in 48 Pflichtspielen 27 Tore machte (sieben Vorlagen) und sogar mal fünf in einem einzigen Spiel gegen Fortuna Düsseldorf (7:1). "Er hat alles darangesetzt, dass er nach Frankfurt kommen kann", sagte Hütter, der persönlich mit dem Spieler telefoniert hatte. "Die Gespräche waren sehr gut. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, ihn wieder zu hören und er sich auch."

Jovic hat andere Angebote ausgeschlagen, von Topklubs gar, der AC Mailand, SSC Neapel, West Ham United waren interessiert, doch der sensible Kerl wollte unbedingt dorthin zurück, wo er sich pudelwohl fühlte und wertgeschätzt wird. Die Verantwortlichen spekulieren auch auf einen nützlichen Nebeneffekt: Durch die Rückkehr seines Landsmanns und Kumpels hoffen sie darauf, dass der etwas verkrampft wirkende Filip Kostic die Ketten sprengt, aufblüht und zu alter Topform aufläuft.

Für den ehrgeizigen Trainer ist die Verpflichtung des serbischen Nationalspielers, dessen Gehalt zu einem Großteil weiterhin von Real Madrid bezahlt wird, auch eine Art Kampfansage an die Konkurrenz: "Es ist ein sehr, sehr spezielles Signal nach außen, aber auch nach innen für unsere Mannschaft."

Im Sturm hat der Trainer jetzt noch mehr Variationsmöglichkeiten, die Offensivreihe mit Luka Jovic, André Silva und Daichi Kamada, Aymen Barkok, Filip Kostic sowie Amin Younes ist nicht von schlechten Eltern, gehört in der Liga ins erste Drittel.

Umso sorgenvoller blickt der Trainer auf die Achillessehne von Amin Younes, die schon einmal gerissen war und auf die der 27-Jährige in Leverkusen zwei Tritte bekam, weshalb er schon früh ausgetauscht werden musste. "Er war die Triebfeder in unserem Spiel", urteilte Coach Hütter. Sein Ausfall, flankierte Abwehrkante Hinteregger, habe dem Team sehr wehgetan. "Amin ist in absoluter Topform." Im Eintracht-Lager gehen sie nicht von einer schwereren Verletzung aus und glauben sogar an einen Einsatz im Heimspiel am Sonntag (18 Uhr) gegen Schalke 04.

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