An dritter Stelle beim Draft ausgewählt: Tim Stützle (oben) ist auf direktem Weg in die NHL. FOTO: IMA
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An dritter Stelle beim Draft ausgewählt: Tim Stützle (oben) ist auf direktem Weg in die NHL. FOTO: IMA

Zukunft in der NHL

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Wie kann das sein, dass in New Jersey in einem TV-Studio live verkündet wird, welcher Club der National Hockey League (NHL) welches der weltweiten Talente zieht - und in Mannheim in einer Sportsbar dem Auserwählten, Tim Stützle, wie von Geisterhand bereits das Trikot des neuen Vereins, beflockt mit seinem Namen, gereicht wird? Weiß man doch ein bisschen mehr, ist die Überraschung letztlich gar nicht so groß.

Ein besonderer Jahrgang

Was Tim Stützle angeht - er liefert die Aufklärung: Die Scouts aus der NHL hatten ihn hoch gerankt, in nahezu allen Listen stand er unter den besten drei, wobei Platz eins absehbar an den Kanadier Alexis Lafreniere vergeben war; darum lautete für den 18-jährigen Deutschen die Frage eigentlich nur noch: Nummer zwei (Los Angeles Kings) oder drei (Ottawa Senators). "An so einem Tag", sagt Stützle, "kann alles passieren. Es hat mit meinem Agenten zu tun, der Gespräche mit Ottawa geführt hatte. Die wollten wissen, welche Nummer ich gerne haben würde - und das Trikot war dann tatsächlich schon da, und ich konnte es anziehen."

Der Draft in der NHL - noch nie hat man in Deutschland so intensiv auf dieses ferne Event geblickt. Das hat damit zu tun, dass ein Deutscher, Leon Draisaitl, gerade als bester Spieler in der NHL und somit der Welt ausgezeichnet wurde und in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sich in der vergangenen Saison dieser besondere Jahrgang 2002 hervorgetan hatte. Man erwartete gar drei Erstrunden-Picks, es wurden zwei: Neben Stützle an 3 der in Rosenheim aufgewachsene und nun für die Eisbären Berlin stürmende Lukas Reichel an 17. Etwas unverständlich für beide: Ihr Freund John-Jason Peterka (München) war nicht unter den ersten 31. Er musste sich vertrösten lassen auf den Draft ab Runde zwei und wurde später auf Position 34 gewählt.

Bei Stützle ist die Stoßrichtung klar: So schnell wie möglich rüber in die NHL. Die Ottawa Senators sind eines der schwächsten Teams, doch genau darin liegt die Perspektive. "Sie sind in einem riesengroßen Rebuild", beschreibt Stützle den Neuaufbau bei den Kanadiern, "es hätte mir nichts Besseres passieren können." Die Maschinerie lief gleich an. Vier Stunden Interviews, erste Anrufe "von Besitzer, Manager, Trainer", Nachrichten künftiger Teamkollegen.

Lukas Reichel hat den größten Namen von den jungen deutschen Spielern. Vater Martin Nationalspieler, Onkel Robert einst Star in Calgary. "Das war natürlich ein Thema, dass ich aus einer Eishockeyfamilie komme."

Ihn zogen die Chicago Blackhawks. Für ihn ein Lebensglück, denn er ist Fan: "Mit sieben, acht habe ich die Videoclips von Patrick Kane angeschaut." Vorigen Sommer spielte er mit den Eisbären gegen Chicago, stand seinen Idolen gegenüber.

Wann wird er sie treffen? Er ist ein halbes Jahr jünger als das Kraftpaket Stützle und nicht so offensiv, was einen sofortigen Wechsel angeht. Reichel rechnet damit, "dass ich noch ein Jahr in Berlin bleibe". Er genießt jetzt erst einmal den Tag. Er hatte auch eine Party geschmissen, in einem Lokal an der Spree. Das Internet hakte, der Stream hing - bis zehn Sekunden vor seinem großen Moment. Günter Klein

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