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Vor allem auf Thomas Dreßen ruhen die deutschen Abfahrtshoffnungen.

Zickzack am tückischen Berg

  • vonSID
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Nach dem sensationellen Super-G-Silber von Romed Baumann ist den Deutschen auch in der WM-Abfahrt alles zuzutrauen - nicht zuletzt Thomas Dreßen.

Thomas Dreßen staunte nicht schlecht. »Ich dachte, Super-G war gestern«, sagte der erfolgreichste deutsche Abfahrer, als er am Freitag zum ersten Mal die Strecke abfuhr, auf der am Sonntag das prestigeträchtigste Gold der alpinen Ski-Weltmeisterschaften vergeben wird. Und in der Tat: Die Piste Vertigine stellt die Schussfahrer vor eine ähnlich große Herausforderung wie das Super-G-Rennen am Donnerstag. Gleich »vier U-Hackerl«, also Spitzkehren, zählte Romed Baumann im oberen, äußerst steilen Abschnitt der Strecke.

Für Baumann, beim WM-Auftakt sensationell mit der Silbermedaille dekoriert, muss die Zickzack-Linie auf der Vertigine freilich kein Nachteil sein. Dreßen, der ohne eine einzige Weltcup-Abfahrt in den Beinen um seinen Start am Sonntag (11 Uhr/ARD und Eurosport) kämpfen muss und will, hat dagegen nur zwei Trainingsfahrten, um herauszufinden, ob er den tückischen Kurs auch schnell genug meistern kann. Die erste war schon mal sehr ansprechend für einen, der im Training sonst eher langsam unterwegs ist: Rang elf, hinter dem überraschend schnellen Simon Jocher (2.), Andreas Sander (6.) und Baumann (8.). Beim Deutschen Ski-Verband (DSV) haben sie sich entschlossen, Dreßen mitzunehmen zur WM, obwohl er nach seiner Hüftoperation am 27. November kein Weltcup-Rennen bestritten hat und vor dem Training am Freitag nur zweimal die Kandahar in Garmisch-Partenkirchen herunterfuhr: erst im Training, dann aber nur als Vorläufer. Das Rennen selbst traute sich Dreßen noch nicht zu - aber nicht, weil er Probleme mit dem Skifahren an sich gehabt hätte, nein: »Nur die Bereitschaft zum Risiko war noch nicht so da. Ich war noch nicht schnell genug zum Denken mit dem Kopf.«

Noch nicht schnell genug im Kopf? Dreßen sagte, er vergleiche das immer ein wenig mit einem Fahranfänger, »der das erste Mal auf deutschen Autobahnen fährt, und du sagst ihm, er soll gleich mal 200 fahren. Dem kommt das auch schnell vor. Aber wenn du ’ne Stunde mit 200 fährst und kommst auf die Landstraße, dann denkst du, du stehst.« In diesen Momenten weiß Dreßen: Jetzt bin ich bereit. Und wie nur wenigen gelingt es ihm, sich vom Training zum Rennen hin vom Fahranfänger zum Anwärter auf die vorderen Plätze zu wandeln.

Am Samstagnachmittag also werden sich Dreßen und die Trainer die Frage stellen: Kann er um die Medaillen mitfahren? Denn um nichts anderes geht es. »Jeder weiß«, betonte Dreßen, »dass bei einer WM nur die ersten drei Platzierungen zählen. Da fragt keiner nach dem Vierten oder Fünften. Da kann man sich auch selbst nichts für kaufen.« Aber es geht nicht nur um ihn: »Die ersten drei sind von jedem von uns, der am Start steht, das große Ziel. Ich glaube, wir haben als Team schon gezeigt, dass jeder für eine vordere Platzierung gut ist.«

Wenn das erste Training ein Anhaltspunkt ist, sind die Deutschen das allemal. Solche Probefahrten sind freilich nicht immer sonderlich aussagekräftig, weil sich auch Favoriten wie Beat Feuz (Schweiz) oder der Trainingsschnellste Dominik Paris (Italien) mit unterschiedlichen Ansätzen an das Rennen herantasten. Aber: Dass sie gut Zickzack fahren können, haben die Deutschen schon mal bewiesen. Nicht zuletzt am Donnerstag beim Super-G - Baumanns Silbermedaille zeugt davon.

Grundsätzlich geht es oben am Berg derart kurvig zu, dass Jocher behauptete: »Das ist mit ’nem Abfahrtsski kaum mehr fahrbar.« Der analytische Sander wollte daher gleich eine Sonderschicht einlegen. Er gehe jetzt erst mal Riesenslalom trainieren, sagte er und betonte: »Ernsthaft!«

Weidle stark im Training

Kira Weidle ist derweil ein wenig überraschend in den erweiterten Kreis der Medaillenanwärterinnen für die WM-Abfahrt am Samstag (11 Uhr/ARD und ZDF) in Cortina d’Ampezzo gefahren. Im zweiten der beiden Trainingsläufe am Freitag belegte die gebürtige Stuttgarterin mit 0,45 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Super-G-Weltmeisterin Lara Gut-Behrami (Schweiz) den fünften Rang. Im ersten Probelauf auf etwas verkürzter Strecke hatte Weidle Rang 15 erreicht.

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