Leroy Kwadwo
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Leroy Kwadwo

Zeichen gegen Rassismus

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(sid). Leroy Kwadwo (23) hätte sich einen anderen Anlass für seine erste Einladung ins Aktuelle Sportstudio gewünscht. Doch das Thema Rassismus ist im deutschen Fußball spätestens seit den Tränen des Hertha-Verteidigers Jordan Torunarigha brandaktuell. Umso bestürzender ist, dass es am Freitag im Drittligaspiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers zu neuerlichen Tiraden kam. Umso bemerkenswerter aber, wie couragiert viele Zuschauer auf den Krakeeler reagierten.

"Das kann nicht sein. Das geht gar nicht", habe er gedacht, als er in der 85. Minute einen Einwurf ausführen wollte, erklärte Kwadwo: "Ich war sauer, enttäuscht und verwundert, dass so etwas möglich ist." Sein großer Dank ging an die Fans von Preußen, die "schnell und toll" gehandelt hätten: "Das war schon eine Genugtuung. Dafür bin ich einfach dankbar."

Mehrere Preußen-Anhänger zeigten auf den Täter und halfen den Ordnungskräften damit bei der Identifizierung. Der Mann wurde gestellt und festgenommen. Zudem hallten in den Schlussminuten der torlosen Partie "Nazis raus"-Rufe durch das Stadion.

"Eure Reaktion ist vorbildlich. WIR müssen alle weiter dagegen angehen, wie IHR es getan habt und dies im Keim ersticken lassen", ließ Kwadwo bereits am Samstagvormittag über die Webseite der Würzburger Kickers ausrichten.

Der Deutsche Fußball-Bund nannte den Vorfall in einem Tweet "traurig und beschämend", lobte aber ebenfalls die Reaktion des Publikums als "vorbildlich". Münster distanzierte sich ausdrücklich vom Täter. "Nazis raus! Kein Platz für Rassismus im Preußenstadion", stand auf der Homepage des ehemaligen Bundesligisten.

Torunarigha, der sich Anfang Februar während des DFB-Pokal-Spiels auf Schalke als Opfer von Tiraden fühlte, wollte es nicht glauben: "Ohne Worte", twitterte der Berliner. Der dunkelhäutige Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea zog in den Sozialen Netzwerken ein zweigeteiltes Fazit: "Wahnsinn... und schon wieder ein Vorfall. Unfassbar. Aber Respekt vor den Reaktionen der Zuschauer. Bleib stark, Leroy Kwadwo."

Der Vorfall wirft abermals die Frage auf, wie mit Rassismus im Sport umzugehen ist. Die Zuschauer in Münster haben gezeigt, wie effektiv Zivilcourage sein kann. Und auf dem Rasen? Der dunkelhäutige Nationalspieler Benjamin Henrichs (Monaco) hatte unter der Woche dazu aufgerufen, dass die Spieler geschlossen den Platz verlassen sollten. Diese Haltung teilt auch Kwadwo. "Die Mannschaften sollten das in die eigenen Hände nehmen. Dann spielen wir einfach nicht. Fußball hat eine große Macht." FOTO: DPA

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