Totilas unter Matthias Rath im Juli 2015 in Aktion. FOTO: DPA
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Totilas unter Matthias Rath im Juli 2015 in Aktion. FOTO: DPA

Als Wunderhengst gefeiert

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(sid). Totilas ist tot. Jener Wunderhengst, der die Dressur zu Beginn seiner Karriere aus den Angeln gehoben hatte und später verkümmerte, wurde 20 Jahre alt. Am Montagabend erlag das Ausnahmepferd den Folgen einer Kolik. "Es ist gestern Abend passiert, aber wir haben uns heute Zeit genommen, es zu verarbeiten", sagte sein Reiter Matthias Rath am Dienstag dem Magazin "Eurodressage", "er wurde operiert und ist sogar wieder aufgestanden, hat es dann aber nicht geschafft. Er war fit."

Wie ein Wirbelsturm brach Totilas einst über die Szene herein. Wenn der majestätische Rappe das Viereck betrat, hielt das Publikum fasziniert den Atem an. Die Zeit stand still in diesem Moment. Und als Totilas dann seinen Zauber in den Sand zeichnete, vor allem mit seinen unnachahmlichen Piaffen, bescherte er der Dressurwelt Gänsehautmomente.

Unter dem Sattel von Edward Gal brach der Gribaldi-Sohn bei der EM 2009 alle Rekorde, er wurde zum wichtigsten Thema im Reitsport. Totilas war das erste Pferd, das für eine Grand-Prix-Kür über 90 Prozentpunkte erhielt. Später schraubte er die Bestmarke auf 92,30 Prozent. Nur der Himmel schien seine Grenze zu sein. Das Duo führte die niederländische Mannschaft bei der WM im Jahr darauf in Kentucky zu Mannschaftsgold und triumphierte auch im Einzel.

Es waren aber die letzten glorreichen Momente im Leben von Totilas. Der schnöde Mammon beendete den einzigartigen Höhenflug. Im Oktober 2010 wechselte Totilas den Besitzer. Für geschätzte zehn Millionen Euro holte Paul Schockemöhle den Rappen nach Deutschland. Damit sollte die deutsche Vorherrschaft in der Dressur auf Jahre gesichert werden.

Dieser Plan misslang gründlich. Als Reiter wurde Matthias Alexander Rath bestimmt, der Stiefsohn von Mitbesitzerin Ann-Kathrin Linsenhoff. Schnell wurden Zweifel laut, ob er der Richtige für diese Aufgabe ist. Und sie wurden bestätigt. Eine Silbermedaille bei der EM 2011 in Rotterdam und einmal Mannschafts-Bronze 2015 in Aachen lautete die bescheidene sportliche Bilanz des einstigen Wunderpferdes. Es war der letzte große sportliche Auftritt. Im Anschluss an den Nationenpreis hatte ein Knochenödem am linken Hinterbein zunächst das EM-Aus und fünf Tage später das Ende der Karriere bedeutet.

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