Daichi Kamada mit einem Dreierpack und Filip Kostic (r.) schießen die Eintracht zum 4:1-Sieg gegen Salzburg, mit dem die Frankfurter beste Chancen aufs Achtelfinale haben. FOTO: DPA
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Daichi Kamada mit einem Dreierpack und Filip Kostic (r.) schießen die Eintracht zum 4:1-Sieg gegen Salzburg, mit dem die Frankfurter beste Chancen aufs Achtelfinale haben. FOTO: DPA

Der wortkarge Genießer

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Eintracht Frankfurt gelingt ein großer Schritt in Richtung Achtelfinale der Europa League. Maßgeblich beteiligt ist Daichi Kamada, der in der Liga bislang noch kein einziges Mal getroffen hat. Bemerkenswert ist aber auch wieder einmal der Auftritt der Eintracht-Fans.

Der Mann des Abends präsentierte sich nach dem Abpfiff mit dem Spielball unter dem Arm und Badeschlappen an den Füßen als wortkarger Genießer. "Jetzt will ich auch in der Bundesliga ein Tor schießen", sagte Daichi Kamada nach der 4:1-Gala seiner Frankfurter Eintracht gegen Red Bull Salzburg am Donnerstagabend.

Mit drei Treffern ebnete der 23 Jahre alte Japaner den Weg in das Achtelfinale der Europa League. Dort traf der offensive Mittelfeldspieler bereits sechsmal und gehört damit zu den vier besten Schützen des Wettbewerbs. In den bisher 20 Liga-Einsätzen erzielte er hingegen kein einziges Tor. "Vielleicht ist jetzt der Knoten geplatzt", sagte Mitspieler Sebastian Rode und scherzte: "Vielleicht sollten wir nur donnerstags spielen, wenn er nur am Donnerstag trifft."

"Er war überragend, ich freue mich für ihn. Er hat viel Selbstvertrauen gesammelt", sagte Makoto Hasebe über seinen Landsmann, der sich auf der großen europäischen Bühne sichtlich wohlfühlt. Denn der Vorjahreshalbfinalist wäre wohl ohne Kamada nicht über die Gruppenphase hinausgekommen: Beim FC Arsenal sorgte er mit einem Doppelpack für den Sieg, ohne den das Aus so gut wie besiegelt gewesen wäre. "Wenn Daichi fit ist, kann er den Unterschied ausmachen", sagte Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner nach einem "fast perfekten Tag". Perfekt wäre er gewesen, "wenn wir das Gegentor nicht bekommen hätten". Für die auf Europa fixierten Hessen war es dennoch ein absoluter Traumstart in das neue internationale Jahr - und zugleich ein Abend der Signale. Weniger als 24 Stunden nach der fürchterlichen Gewalttat im rund 20 Kilometer entfernten Hanau hatte es vor der Partie eine Schweigeminute gegeben. Einige Krakeeler nutzten diesen Moment allerdings für Zwischenrufe - und wurden erst von den Eintracht-Fans lautstark ausgepfiffen, bevor diese "Nazis raus!" riefen. Und auch später standen die Eintracht-Anhänger wie eine Wand hinter ihrem Team und flößten gemeinsam mit den Spielern den diesmal harmlosen Salzburgern mächtig Respekt ein. "Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft ein bisschen Angst hatte", sagte der österreichische Verteidiger Maximilian Wöber. "Wir hatten zu großen Respekt."

Die drei Kamada-Treffer (12./43./53. Minute) und Tor Nummer vier durch Filip Kostic (56.) sollten trotz des verwandelten Elfmeters von Hee-Chan Hwang (85.) am kommenden Donnerstag in Salzburg für das Weiterkommen reichen. "Ich bin ein Mann der klaren Worte. Wenn wir uns das noch nehmen lassen, sind wir sehr doof", betonte Rode.

Trainer Adi Hütter, der sich selbst zum "guten Händchen" zur Wahl von Kamada für die Startelf beglückwünschte, wollte diese Zuversicht nicht teilen. "Wir sind auf keinen Fall durch", mahnte der Österreicher vor der Rückpartie am 28. Februar bei seinem Ex-Klub. Was er eine Woche nach der 0:4-Pleite in Dortmund von seiner Mannschaft gegen schwache Salzburger gezeigt bekam, begeisterte ihn aber: "Wir haben eine tolle Europacup-Nacht erlebt. Das war unsere beste Saisonleistung."

Nach dem ersten Festspiel gegen Salzburg geht es am Montag im Bundesliga-Alltag gegen Union Berlin und für den Tabellenzehnten darum, Punkte zu sammeln, um vielleicht noch einen Europacup-Platz zu erreichen. "Wenn wir immer so spielen würden, stünden wir in der Liga anders da", sagte Frankfurts Innenverteidiger Stefan Ilsanker. "Es ist ein brutal wichtiges Spiel", sagte Torwart Kevin Trapp. Nachhaltigkeit ist nun von der nicht immer konstanten Eintracht gefragt. Bis zum 7. März stehen sechs Partien in drei Wettbewerben an, darunter das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Bremen (4. März). Immerhin hat Kamada schon einmal im Pokal getroffen und hofft auf mehr: "Die drei Tore haben mir sehr geholfen."

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