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Wohltäter und Reizfigur

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(sid/dpa). Dietmar Hopp hatte sich schon auf das familiäre Fest an seiner geliebten Cote d’Azur gefreut. "Meine Frau und ich wollten mit unseren Kindern und Enkeln über ein verlängertes Wochenende nach Terre Blanche in Südfrankreich fahren, um in kleiner Runde den 80. zu feiern", sagte der Jubilar mit Blick auf seinen runden Geburtstag am Sonntag, der aufgrund der Corona-Pandemie nun ganz anders ablaufen wird: "Daraus wird nichts. Aber wir wohnen, durch eine Wiese getrennt, in der Nachbarschaft mit den Enkeln, sodass wir uns wenigstens sehen und zuwinken können."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte Hopp mit den Worten: "Was schreibt man einem Jubilar, dessen Wirken und Leben eine ganze Bibliothek füllen kann? Das, was Sie in Ihrem Leben erreicht haben, vermag selbst ein Bundespräsident nicht in einen kurzen Glückwunsch zu fassen."

So liebevoll wie innerhalb der Familie um Ehefrau Anneliese und die Söhne Daniel und Oliver war der Umgang mit dem stets umstrittenen Mehrheitseigner des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim gerade in den Wochen vor der Corona-Krise nicht. Der Milliardär gilt als Prototyp des Investors im kommerzialisierten Fußball und stand im Mittelpunkt einer Auseinandersetzung, die den deutschen Fußball erschütterte. Es ging um das Verhältnis der Verbände und Klubs zu ihren Anhängern. Es ging um Kommerz-Kritik, Beleidigungen, Hetze, Kollektivstrafen und Spielunterbrechungen. Der Fußball schien um seine Zukunft zu fürchten - bis ein noch viel größeres Problem auf den Plan trat. Doch selbst die Pandemie sorgte nicht für Frieden zwischen den Lagern, sondern lediglich für einen "Waffenstillstand". Die Fanszene reagierte reserviert auf das Angebot Hopps, "alles zu vergessen, wenn es von nun an Geschichte" ist. Da die Chancen auf eine Verständigung auch zukünftig gering scheinen, wird sich Hopp im stillen Kämmerlein wohl weiter die Frage stellen, warum er den Kraichgauer Dorfverein mit mehreren Hundert Millionen Euro aus seinem Privatvermögen zum Erstligisten gemacht hat. Hätte er es nicht getan, wäre dem Mitbegründer des Software-Giganten SAP viel Ärger erspart geblieben.

Indirekt gibt Hopp sogar zu, dass er es beim Blick zurück vielleicht besser anders gemacht hätte. "Wenn ich etwas bereue, dann die Tatsache, dass ich nach meinem Ausscheiden aus der SAP zu viele Aktivitäten entfaltet habe, die mich sehr in Beschlag nehmen", äußerte der gebürtige Heidelberger: "Ich würde oftmals sehr viel lieber Golf spielen." Doch dafür bleibt nach wie vor kaum Zeit. Nicht nur wegen der TSG - bei der Sohn Daniel seinen Vater erst beerben möchte, wenn er "nicht mehr so fit wie derzeit" ist. Vor allem muss sich Hopp, dessen Vermögen auf zwölf Milliarden Euro geschätzt wird, um sein Lebenswerk kümmern. Rund 800 Millionen Euro hat der Diplom-Ingenieur in gemeinnützige Zwecke gesteckt. Damit hat Hopp mehr als doppelt so viel Geld wie der TSG der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Seine Stiftung fördert Projekte im Sport, in Medizin, im Sozialen und in der Bildung.

"Wenn man so reich geworden ist wie ich, dann hat man einfach die Verpflichtung, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Der Gesellschaft, die mir diesen beruflichen Erfolg ermöglicht hat", sagte Hopp zuletzt immer wieder: "Es ist an so vielen Stellen bitter nötig, Menschen zu unterstützen. ›Eigentum verpflichtet‹, steht im Grundgesetz. Reichtum noch viel mehr!"

Gerechtigkeit ist für Hopp ohnehin ein wichtiges Gut. Zu Beginn der Corona-Krise war der frühere Kreisliga-Stürmer einer der Ersten, der für Solidarität unter den Klubs geworben hat. Zudem verwahrte sich Hopp in seiner Rolle als Mehrheitseigner von CureVac gegen angebliche Versuche des US-Präsidenten Donald Trump, der bei der Tübinger Firma das Exklusivrecht für einen möglichen Impfstoff kaufen wollte. FOTO: DPA

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