In der Deutschen Eishockey-Liga rumort es. SYMBOLFOTO: DPA
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In der Deutschen Eishockey-Liga rumort es. SYMBOLFOTO: DPA

Es wird kompliziert

  • vonred Redaktion
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Ohne Pandemie wäre am Sonntag das Finale der WM in der Schweiz ausgetragen worden, die Eishockey-Saison in Europa wäre dann vorüber, und alle würden sich zurücklehnen, bis im Herbst der Betrieb wieder anläuft. Doch die Realität wird von Corona bestimmt und sieht so aus: Freie Zeit haben Spieler und Fans seit der zweiten März-Woche, und wann es weitergeht und wie, das ist ungewiss.

Gelassen ist keiner, der mit Eishockey beruflich zu tun hat, vielmehr sind alle - zumindest in Deutschland - ziemlich aufgewühlt. Nach einer Woche der Telefonkonferenzen und E-Mails bilden sich Fronten. Am Sonntag haben die 14 Vereine der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und die Frankfurter Löwen aus der DEL2, die ein Jahr vor Wiedereinführung von Ab- und Aufstieg zwischen den beiden Profiligen Interesse an einem Platz oben bekundet haben, ihre Unterlagen für das Lizenzierungsverfahren eingereicht. Das ist die Lage.

Die Ausgangssituation: Die Liga muss sich mit dem Szenario befassen, dass die Saison mit den geplanten 52 Spieltagen nicht am 18. September startet. Zwar sind aktuell Großveranstaltungen nur bis 31. August verboten, doch es besteht keine Sicherheit, dass zum 1. September die Sperre aufgehoben wird. In Berlin gilt sie bis 24. Oktober - für Events mit über 5000 Teilnehmern. Das würde die Eisbären, ein prominentes Mitglied der DEL, betreffen.

Die 14 Vereine sind die Gesellschafter der DEL, sie überlegen kreativ in alle Richtungen: Mal mehrere Spiele an einem Ort durchziehen? Notfalls mit Geisterspielen anfangen? Später anfangen, später aufhören, die Saison verkürzen? Eine Taskforce Eishockey hat sogar infektionssichere Vollvisierhelme für die Spieler ins Gespräch gebracht, um die Erlaubnis für einen Spielbetrieb zu bekommen.

Jedenfalls würde es an Einnahmen fehlen, größter Sponsor im Eishockey sind die Zuschauer. Und selbst wenn sie wieder kommen dürfen, befürchten die Klubs zunächst einmal Zurückhaltung bei ihren Fans. Und sie kalkulieren damit, dass die Corona-Krise auch ihre Sponsoren getroffen haben wird - wirtschaftlich.

Das Modell: In Nordamerika nicht unüblich, nun soll es auch in der DEL Anwendung finden: Ein Teil der Spielergehälter wird eingefroren und erst ausbezahlt, falls der Verein sein Etatziel erreicht. Es geht im DEL-Modell um 25 Prozent. Dazu sollen die Profis ihre Bereitschaft zur Kurzarbeit erklären, falls der Betrieb lahmgelegt wird. Neue Verträge müssen eine Corona-Klausel enthalten (der Vertrag wird dadurch "aufschiebend bedingt", sein Inkrafttreten hängt also davon ab, wann gespielt wird), Bestandsverträge sollen Zusatzvereinbarungen über Gehaltsverzicht und Kurzarbeit beinhalten.

Die Bedenken: Von Spielerseite erfährt man einen Punkt, den die DEL nicht von sich aus kommuniziert. Das Kurzarbeitergeld würde auf 2900 Euro gedeckelt werden, der Verein nicht aufstocken. 2900 Euro netto im Monat wäre dann keine Gehaltseinbuße von 25 Prozent mehr, sondern ginge bei den Gutverdienern in Richtung 70 Prozent. In die Kategorie der Spitzenverdiener zwischen 120 000 und 200 000 Euro netto pro Saison fallen vor allem die deutschen Nationalspieler, die vielerorts das Gesicht der Mannschaft sind. Das Durchschnittsjahresgehalt in der DEL liegt bei 75 000 Euro - woraus sich errechnen lässt, dass es auch Spieler gibt, die für 30 000 bis 40 000 Euro Dienst tun. Würde sich Eishockey dann noch lohnen, wenn mindestens 25 Prozent gestrichen würden?

Ein Spieler, der nicht namentlich genannt werden will, hält Pauschalverordnungen für ungerecht: Es seien nicht alle Verträge gleich gestrickt. Manche Klubs stellen die Profis für zwölf Monate an, andere nur für acht, im Sommer meldet man sich dann arbeitslos. Die meisten Spieler würden Wohnung und Auto gestellt bekommen, andere zahlen ihr Haus selbst.

Zudem fühlen sich die Spieler unanständig unter Druck gesetzt: "Es heißt, wenn wir nicht unterschreiben, bekommt der Verein keine Lizenz."

Das Problem: Finanzstarke Klubs scheuen den Konflikt mit den Spielern, könnten weiter voll zahlen, finanzschwächere wittern die Chance, billiger zu einer Mannschaft zu kommen - es wird kompliziert. Günter Klein

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