Linus Strasser zeigt sich mit Platz sechs im Slalom von Madonna di Campiglio sehr zufrieden. FOTO: AFP
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Linus Strasser zeigt sich mit Platz sechs im Slalom von Madonna di Campiglio sehr zufrieden. FOTO: AFP

Willkommen in der Weltspitze

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(sid). Es war nicht zu übersehen, dass Linus Straßer sehr zufrieden war mit sich und der Welt. Kaum hatte er beim 500. Slalom der Weltcup-Geschichte die Ziellinie überquert und einen Blick auf die Anzeigetafel geworfen, streckte er langsam, aber mit einem Anflug von Triumphgefühl seinen rechten Arm aus und den Zeigefinger in die Höhe. Ein wenig später sagte der 27 Jahre alte Münchner über seinen großartigen sechsten Rang im Nachtrennen von Madonna di Campiglio: "Ich bin mega happy."

Straßer bewahrte sich am Fuße der Piste Canalone Miramonti bei aller Freude über eine bemerkenswerte Leistung allerdings auch die Ernsthaftigkeit eines gereiften jungen Mannes, der zu gut weiß, dass er noch viel mehr drauf hat. "Jetzt", sagte er über seine Aussichten, "müssen wir noch irgendwo diese zwei Zehntel rauskitzeln, dass es auch irgendwann fürs Podium reicht." In der Tat fehlten ihm am Dienstagabend nur 0,20 Sekunden zu Rang drei und Alex Vinatzer aus Südtirol.

Alpinchef Wolfgang Maier war eigens wegen Straßer zum Rennen nach Italien gefahren - und bereute die strapaziöse Tagestour nicht. "Sehr, sehr gut", sei das gewesen. Zumal Straßer eine "harte Zeit" hinter sich habe: Gut dreieinhalb Monate hatte er pausieren müssen wegen einer entzündeten Quadrizepssehne, erst seit gut fünf Wochen kann er wieder trainieren. Folglich versicherte der Alpinchef: "Da sind noch Reserven drin."

Straßer kennt den Blick vom Siegertreppchen bereits. Einmal schon stand er nach einem Weltcup-Rennen ganz oben, 2017 war das, in Stockholm. Es folgten zwei dritte Plätze, zunächst in Oslo, dann wieder Stockholm, beide Male im Januar 2018. Aber: Es handelte sich um innerstädtische Parallel-Wettbewerbe. Die beste Platzierung Straßers in einem Spezialslalom datiert nach wie vor vom 27. Januar 2015, als er in Schladming sensationell Fünfter wurde.

Seitdem verfolgte den hoch veranlagten Straßer bisweilen der Ruf, ein Versprechen zu sein, das sich nicht erfüllt. In der Tat galt er als potenzieller Nachfolger von Felix Neureuther. Doch beim Versuch, seinem Vorbild nachzueifern, stand er sich oft selbst im Weg. Straßer wollte auch fast zwanghaft den Stil von Neureuther kopieren, was schon aufgrund der körperlichen Voraussetzungen nicht umsetzbar war. Das Nachahmen ging eine Weile so weit, dass Straßer auch wie Neureuther sprach. Diese Phase und eine gewisse Flegelhaftigkeit hat Straßer seit gut zwei Jahren hinter sich gelassen. Im vergangenen Winter gelangen ihm nach auskurierter Handverletzung immerhin vier Top-10-Platzierungen. Dass er nun gleich im zweiten Slalom des Winters wieder mitten drin ist in der Weltspitze, dass ihm am Dienstag nur 0,54 Sekunden zum Sieger Henrik Kristoffersen (Norwegen) fehlten, ist bemerkenswert. "Die Hoffnung, dass da noch mehr kommt, ist berechtigt", betont Maier.

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