Wolfsburgs Maximilian Philipp (M.) im Duell mit Frankfurts Stefan Ilsanker (r). FOTO: DPA
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Wolfsburgs Maximilian Philipp (M.) im Duell mit Frankfurts Stefan Ilsanker (r). FOTO: DPA

Willkommen in der Ödnis

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Irgendwie ist der Wurm drin. Die Eintracht kann nicht mehr gewinnen, und irgendwie scheint Trainer Hütter kein glückliches Händchen bei seiner taktischen Marschroute zu haben. Die Kritik wird lauter.

In diesen Tagen voller Grautöne ist auch Eintracht Frankfurt stimmungstechnisch in der Ödnis angekommen. Die Mannschaft wartet seit dem 3. Oktober auf einen dreifachen Punktgewinn und parkt mitten im Nirgendwo; der Vorstand musste sich wegen eines Corona-Falls in Quarantäne begeben, und die der Eintracht zugeneigten Menschen hadern mit ihrem Verein des Herzens: In den Sozialen Netzwerken, Blogs und Foren wächst der Unmut, viele arbeiten sich auch recht unverblümt an dem plötzlich so zaudernd erscheinenden Trainer Adi Hütter ab. "Die Volksseele kocht", schrieb einer der Redaktion. So weit ist es zum Glück noch nicht.

Die Unzufriedenheit jedoch wächst, auch intern, nach der gleichsam unnötigen wie berechtigten 1:2-Niederlage am Freitagabend beim VfL Wolfsburg stand dem ansonsten eher besonnenen Mittelfeldantreiber Djibril Sow die Entgeisterung ins Gesicht geschrieben: "Das ist sehr, sehr enttäuschend. Das ist sehr, sehr bitter", sagte er sehr, sehr konsterniert. "Das Gefühl ist scheiße." Sein Chef flankierte: "Ich bin verärgert, sauer und angefressen", grollte Hütter.

Klar ist, dass die derzeit gezeigten Leistungen und Ergebnisse in keinem Verhältnis zu dem stehen, was sich die Verantwortlichen, das Trainerteam und die Mannschaft vor der Saison vorgenommen hatten. Die Hessen peilten die internationalen Startplätze an. Davon fabulierten die Spieler unentwegt, auch dann noch, als es schon nicht mehr so rund lief, aber auch der Cheftrainer blies in dieses Horn. Noch vor der Partie gegen RB Leipzig stellte er klar: "Wir müssen an unserem Ziel arbeiten, vorne dranzubleiben. Wir wollen den Anschluss an die Europa-League-Plätze herstellen."

Das ist nicht so gut gelungen, weshalb er nun, gut drei Wochen später, gefragt wurde, ob er sich Sorgen mache, dass die Eintracht nach hinten durchgereicht werde. "Sorgen habe ich in dem Sinne nicht, weil ich sehe, was die Mannschaft unter der Woche macht", entgegnete er. "Ich kann mich nicht erinnern, in welchem Spiel wir komplett unterlegen waren." Um ins erste Drittel des Klassements zu kommen, genügt es aber nicht, mithalten zu können und ebenbürtig zu sein. So entsteht eine Sieglos-Serie von acht Spielen - das ist die längste Periode ohne Dreier, seit Hütter das Zepter in Frankfurt übernommen hat.

Der Auftritt in Wolfsburg wirft neben der Mittelmaß-Erkenntnis noch andere, drängende Fragen auf: Weshalb etwa der Fußballlehrer in der Autostadt eine derart vorsichtige Aufstellung wählte und acht eher defensiv orientierte Akteure aufs Feld schickte, drei davon im zentralen Mittelfeld. Das ist zum einen kein gutes Zeichen an die eigene und die gegnerische Mannschaft, ein weithin sichtbares Sieg-Signal ist es nicht.

Es ist zum anderen in der jüngeren Historie nur allzu selten gutgegangen, wenn das Frankfurter Team eher auf Absicherung und Vorsicht eingestellt war. Der Effekt war fast immer ein gegenteiliger: Statt den Gegner mit einer Verhinderungstaktik aggressiv zu begegnen, mündete diese Herangehensweise oft in zu viel Passivität und Zurückweichen.

Die Eintracht bringt nur dann ihre Stärken aufs Feld, wenn sie aktiv ist, den Gegner stört und unter Druck setzt, bissig auf die zweiten Bälle geht. So wie in der ersten Halbzeit gegen Borussia Dortmund, als sie den BVB hartnäckig und leidenschaftlich bearbeitete. Da hatte sich Hütter freilich für eine offensivere Variante entschieden, mit Aymen Barkok eine zusätzliche Offensivkraft aufgeboten. In Wolfsburg baute er stattdessen wieder Stefan Ilsanker als Zerstörer vor der Abwehr ein. Am Österreicher scheiden sich ohnehin die Geister, die breite Öffentlichkeit steht dem 31-Jährigen kritisch gegenüber, erkennt nicht den Wert des Spielers - ganz im Gegensatz zu Coach Hütter, der den früheren Leipziger auffällig oft lobend erwähnt oder ihn vehement verteidigt. Fakt ist, dass Ilsanker spielerische Defizite aufweist, seine Passquote in Wolfsburg lag bei lauen 58 Prozent, zudem ist er nicht der Schnellste, kommt in den direkten Duellen oft zu spät. In Wolfsburg hatte er eine Zweikampfbilanz von 38 Prozent gewonnener Duelle - das ist für diese Position zu wenig.

llsanker kann auch anders, bei Hertha BSC machte er ein ordentliches Spiel, gegen Ex-Klub RB Leipzig sein bestes im Eintracht-Dress, da ging er aber auch anders, aggressiver zu Werke, war viel präsenter.

Der Abräumer ist so ein bisschen zum Zankapfel und Streitfall geworden, auch intern können einige die Nibelungentreue nicht nachvollziehen. Und da drängt sich die Frage auf, weshalb andere gar nicht mehr zum Zug kommen, Danny da Costa etwa oder mittlerweile auch Makoto Hasebe, der zwar 36 Jahre alt ist, mit seiner Spielintelligenz aber eine Bereicherung wäre - auch im defensiven Mittelfeld. In Wolfsburg fiel auch auf, dass personelle Impulse von außen erst spät kamen, da wechselte der Trainer in der 85. Minute doppelt und dann in der 90. Minute. Wer soll da noch was bewirken?

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