Impressionen vom 3:3 der DFB-Auswahl gegen die Türkei. Oben ist es schon wieder passiert, die Türken gleichen aus (hier zum 3:3), unten (Mitte) wird Debütant Florian Neuhaus von Bundestrainer Joachim Löw abgeklatscht, links ein paar von nur 300 Fans im Stadion, rechts die etwas ratlosen Mahmoud Dahoud (l.) und Nadiem Amiri. FOTOS: DPA
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Impressionen vom 3:3 der DFB-Auswahl gegen die Türkei. Oben ist es schon wieder passiert, die Türken gleichen aus (hier zum 3:3), unten (Mitte) wird Debütant Florian Neuhaus von Bundestrainer Joachim Löw abgeklatscht, links ein paar von nur 300 Fans im Stadion, rechts die etwas ratlosen Mahmoud Dahoud (l.) und Nadiem Amiri. FOTOS: DPA

Und wieder zu viele Fehler

  • vonSID
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Joachim Löw geht energisch in die Analyse. Führungen ständig nicht ins Ziel zu bringen, will der Bundestrainer seiner Mannschaft vor den Nations-League-Spielen unbedingt austreiben.

Die chronische "Führungsschwäche" machte Jo-achim Löw beinahe rasend, für die Aufzählung aller Mängel benötigte der Bundestrainer sämtliche Finger seiner rechten Hand. Spielkontrolle, Chancenverwertung, Organi-sation, Ballverluste - und nicht zuletzt Mentalität: Vor den wegweisenden Nations-League-Spielen muss der Bundestrainer seiner Mannschaft altbekannte Fehler austreiben und dann mit fast allen Stammkräften endlich wieder gewinnen.

"Enttäuscht und angefressen" ging Löw nach dem wilden 3:3 (1:0) einer B-Elf gegen die Türkei in eine Analyse, die für seine Spieler unbequem wird. "Dieses und andere Spiele werden wir intensiv aufbereiten. Darüber müssen wir reden: Was können wir in Führung besser machen?", kündigte er an. "Daraus wollen wir dann eine neue Mentalität entwickeln."

Dafür bleibt vor dem Duell in der Ukraine am Samstag (20.45 Uhr/ARD) in Kiew wenig Zeit. Allerdings wird auch eine fast komplett andere Mannschaft auf dem Platz stehen: mit allen sieben bis acht Stammspielern, die am Mittwoch noch geschont wurden. Führungskräfte sind nun gefragt - im doppelten Sinne. "Abgeklärter, erwachsener, vielleicht dreckiger" müsse das Auftreten werden, forderte Emre Can. Am Samstag werden es bereits 326 Tage ohne Sieg für die deutsche Nationalmannschaft sein, oder, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag spöttisch titelte: "Im Jahr 2020 noch unbesiegt - klingt doch super!"

Löw hat für derlei Späße wenig übrig. "Es wird sehr wichtig sein, die nächsten Spiele siegreich zu gestalten", sagte er: "Alle sind heiß und motiviert, zu gewinnen." Also: Auch der fünfköpfige Bayern-Block, die Leipziger Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg sowie die angeschlagenen Toni Kroos (Real Madrid) und Timo Werner (FC Chelsea), die inzwischen alle eingetrudelt sind, um in der DFB-Hochsicherheitsblase ins Corona-Risikogebiet Ukraine zu reisen. Dafür verzichtet Löw auf Nico Schulz, Mahmoud Dahoud, Niklas Stark, Benjamin Henrichs und Nadiem Amiri.

Am Mittwoch wurde der Covid-19-geplagte kommende Gegner von Frankreich mit 7:1 abgeschossen, Löws mulmiges Gefühl bezieht sich eher auf die Umstände. "Wir können ja nur das tun, was wir schon gemacht haben: Wir testen, alle Tests waren negativ, und halten uns strengstens an die Auflagen." Maskenpflicht gilt auch im Hotel, die Sitzungen werden in Kleingruppen abgehalten. "Wir sind in der Blase, in der wir uns bewegen. Wir tun unser Möglichstes und wollen das Spiel dort auch durchführen", sagte Löw.

Und dies, bitte schön, erfolgreicher als gegen die Türken, die laut Ersatzkapitän Julian Draxler "eingeladen wurden", ihre Tore zu schießen. Löw fand das "ganz schön ärgerlich, ein 3:1, und der Gegner wäre tot gewesen". Er hatte aber auch positive Erkenntnisse gewonnen: Das gelungene Debüt des Gladbachers Florian Neuhaus, der auch ein Tor erzielte, stach dabei heraus.

"Er hatte viele gute Aktionen", lobte der Bundestrainer. Vor dem türkischen Ausgleich zum 2:2 wurde Neuhaus jedoch eindeutig über den Haufen gerannt, ein Pfiff des Schiedsrichters blieb aus. Das trübte den "schönsten Tag" seiner Karriere ein wenig.

Für Löw, der bei den Fans wieder "Lust auf die Nationalmannschaft" wecken will, waren auch die Meldungen vom Donnerstag kaum erfreulich. Nur 5,82 Millionen hatten bei RTL im Durchschnitt eingeschaltet. Bankdrücker im Verein als Nationalspieler könnten ein Problem sein, vermutete Lothar Matthäus: "Genau deshalb schaltet für Deutschland keiner mehr den Fernseher ein." So richtig ließ sich Löw die Laune aber nicht verderben. Mit dem TV-Experten Lukas Podolski, einem seiner Weltmeister von 2014, feixte er: "So ein Ding von dir hätten wir gebraucht! 90. Minute, in den Winkel." Dann wäre auch die "Führungsschwäche" behoben gewesen.

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