Groß ist die Erleichterung bei Milot Rashica und seinen Bremer Teamkollegen, die nun in der Relegation doch noch die Chance auf den Klassenerhalt haben. FOTO: AFP
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Groß ist die Erleichterung bei Milot Rashica und seinen Bremer Teamkollegen, die nun in der Relegation doch noch die Chance auf den Klassenerhalt haben. FOTO: AFP

Werder rettet sich in die Relegation

  • vonDPA
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Ein neues Werder-Wunder, ein Abstiegsdrama um Düsseldorf, Jubel in Gladbach, Stolz bei Bayern und emotionale Abschiede: Die Bundesliga liefert zum Abschluss der denkwürdigen Corona-Saison noch einmal reichlich Gesprächsstoff. DFL-Chef Christian Seifert wirft einen Blick voraus.

Werder Bremen hat seine Mini-Chance genutzt und darf über den Umweg Relegation weiter auf den Fußball-Bundesliga-Verbleib hoffen. Zwei Spiele stehen für die Norddeutschen nach dem Saisonfinale noch an, gejubelt wurde daher nach dem Sprung auf Rang 16 nur kurz. Bei Fortuna Düsseldorf dürfte die Aufarbeitung der verkorksten Saison nach dem sechsten Bundesliga-Abstieg dagegen noch länger andauern. Grund zur Freude gab es am 34. Spieltag für Gladbach, Bayern, Hoffenheim - und DFL-Chef Christian Seifert.

Werder-Wunder: Florian Kohfeldts Gattin hatte es geahnt. Am Morgen vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln textete sie ihrem Mann, dass Werder Bremen 6:1 gewinnen würde. Dass es am Ende wirklich so kam und Kohfeldts Team sich mit dem erst zweiten Saison-Heimsieg wirklich in die Relegation retten würde, darauf hätten wohl die wenigsten noch gewettet. "Jetzt ist die Tür wieder offen, ich bin sehr optimistisch, dass wir es schaffen können. Aber es ist trotzdem noch eine Mega-Anspannung", sagte Werders Aufsichtsratsboss Marco Bode, der dem Team eine voreilige Feier ausdrücklich untersagte. In der Relegation wartet nun Heidenheim. Coach Kohfeldt setzt auf jeden Fall wieder auf seine Frau als Glücksbringer. "Ich hoffe, sie schreibt mir am Donnerstag und Montag wieder ein paar gute Zahlenverhältnisse", sagte der 37-Jährige.

Düsseldorf-Drama: Zwei Punkte und vier Tore Vorsprung reichten nicht: Fortuna Düsseldorf steigt trotz der besseren Ausgangsposition aus der Bundesliga ab. Das 0:3 bei Union Berlin besiegelte das bittere Saisonende für die Rheinländer. "Es ist eine unheimliche Leere für alle von uns", sagte Trainer Uwe Rösler, für den 15 Punkte seit seinem Amtsantritt Ende Januar zu wenig waren. Der 51-Jährige will mit der Fortuna nun den Neubeginn in Liga zwei: "Ich freue mich auf die Aufgabe, es wiedergutmachen zu können", kündigte er an.

Geister-Meister: Auf der Tribüne genehmigten sich die Bayern-Bosse schon kurz vor dem Abpfiff das erste Bierchen. Zurecht: In beeindruckender Manier beendete der Rekordmeister eine bemerkenswerte Saison. Seit dem Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick im vorigen Herbst ging es nur noch bergauf, auch die Corona-Pause bremste den Rekordchampion nicht auf dem Weg zum 30. Titel. Dank des 4:0 in Wolfsburg gelang die beste Rückrunde der Bundesliga mit 16 Siegen, einem Remis und 54:10-Toren. Thomas Müller sorgte dafür, dass erst zum zweiten Mal ein Bayern-Team 100 Tore in einer Saison schoss.

Europa-Endspurt: Vor einem Jahr verspielten die Gladbacher am letzten Spieltag die Königsklasse - die Geschichte wiederholte sich nicht. Nach dem 2:1 gegen Hertha BSC ist die Borussia kommende Saison in der Champions League dabei. "Die Champions League ist jetzt ein Ausrufezeichen", sagte Sportdirektor Max Eberl. Leverkusen - dem trotz einem 1:0 gegen Mainz nur Rang fünf bleibt - tröstete sich mit dem Pokalfinale gegen den FC Bayern am Samstag. "Wir wollen einen großen Fight liefern", versprach Sportdirektor Rudi Völler. In die Europa League begleitet wird die Werkself von der TSG Hoffenheim, die nach dem 4:0 in Dortmund Vierfach-Torschütze Andrej Kramaric feierte. Wolfsburg muss als Siebter in die Quali.

Schlusspunkt: RB Leipzigs Timo Werner verabschiedete sich mit einem Doppelpack und einem Rekord, Dortmunds Mario Götze ging still und leise: Das Ende der Corona-Saison bedeutet auch für einige Stars den Abschluss ihrer Bundesliga-Zeit. Werner erzielte vor seinem Wechsel zum FC Chelsea beim 2:1 in Augsburg seine Auswärtstore 16 und 17 in dieser Saison - das war zuvor laut Liga-Angaben nur Jupp Heynckes 1973/74 gelungen. "Die Leipziger Zeit war schon die schönste in meiner Karriere bislang", sagte der Nationalstürmer. Götze stand beim BVB dagegen nicht im Kader. "In der Summe waren es viele Jahre, die ich in Dortmund verbracht habe, die mit vielen positiven und negativen Gefühlen bestückt waren", sagte Götze. Auch Bayerns Philippe Coutinho und Gladbachs Raffael verabschiedeten sich.

Schalke-Desaster: Zwischenzeitlich träumte Schalke 04 von der Rückkehr in die Champions League. Doch dann folgte die längste Serie ohne Sieg in der Vereinsgeschichte. 16 Spiele, 7:37 Tore, sechs Punkte - die Königsblauen, die in der ersten Saisonhälfte noch in die Spitzengruppe vorgestoßen waren, stürzten ab, kassierten zum Abschluss eine 0:4-Niederlage in Freiburg. Trainer David Wagner wirkte zunehmend ratlos. Dennoch soll er Trainer bleiben.

Dankbarer DFL-Chef: Christian Seifert gratulierte bei der seltsamen Meisterehrung in Wolfsburg nicht nur dem FC Bayern, sondern allen Spielern der Bundesliga und der 2. Liga, den Behörden, den Fans. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga durfte feststellen, dass Deutschland als erste Land in Corona-Zeiten seine Meisterschaft doch noch regulär abschließen konnte. "Es sieht anders aus, es hört sich anders an, und es fühlt sich anders an. Aber das war die einzige Bundesliga, die möglich war", sagte Seifert - und stellte die Anhänger schon einmal darauf ein, dass es auch zum Beginn der neuen Spielzeit noch nicht normal weitergehen wird in der Bundesliga.

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