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Wer übernimmt das schwere Erbe?

Die Neubesetzung des Präsidentenamtes im Deutschen Olympischen Sportbund in Weimar soll die Krise beenden und einen Aufbruch signalisieren. Amtsinhaber Alfons Hörmann tritt ab, entweder Claudia Bokel oder Thomas Weikert sollen den DOSB wieder befrieden.

Das Programm der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am Samstag in Weimar ist wegen der Pandemie gestrafft - und entschärft worden. Gestrichen wurde auch Tagungsordnungspunkt 7: »Rede des Präsidenten des DOSB«. Nach den Turbulenzen in der Brief-Affäre um eine »Kultur der Angst« wird es für den in Ungnade gefallenen Alfons Hörmann keinen großen Auftritt mehr geben - weder zur Verteidigung der Amtsführung noch zur Abrechnung mit seinen Kritikern.

»Ich erwarte eine professionelle und faire Übergabe, wie wir es im Sport gewohnt sind - ohne irgendwelche Foulspiele«, sagte Ingo Weiss, Sprecher der Spitzenverbände. »Der Sport braucht einen Neuanfang.« Möglich ist auch, dass Hörmann gar nicht nach Weimar kommt, da er sich noch von einer Corona-Erkrankung erholt. Definitiv nicht anreisen wird die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker, die zum Jahresende den DOSB verlässt und sich krankgemeldet hat.

Nach achtjähriger Amtszeit hinterlässt Wirtschaftsmanager Hörmann einen zerrütteten Dachverband und ein schweres Erbe für die neue Führung. Die deutsche Fechter-Chefin Claudia Bokel (48) und der abgetretene Tischtennis-Weltpräsident Thomas Weikert (60) stellen sich der Wahl um seine Nachfolge - und einer Mammutaufgabe.

»Ich weiß, dass viel zu tun ist«, sagte der Anwalt aus Limburg zu der großen Herausforderung. Es sei wichtig, »dass es schnell einen Neuanfang gibt, mit Blick auf die Olympischen Spiele im Februar in Peking und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des DOSB. Alles mit der Prämisse: Es ist nicht alles schlecht. Man muss ja nicht bei null anfangen.« Weikert gilt als Favorit. 14 Spitzenverbände und der Landessportbund Hessen haben sich offen für ihn ausgesprochen. »Ich denke, dass gefühlt eine große Unterstützung da ist«, meinte er.

Auch die Ex-Weltklassefechterin Bokel traut sich den Spitzenjob zu. »Ich scheue nicht, Verantwortung zu übernehmen«, sagte sie. Schließlich sei sie die erste deutsche Frau im Internationalen Olympischen Komitee gewesen und die erste weibliche Vorsitzende der Athletenkommission des IOC. An Courage fehlt es ihr vor dem Zweikampf nicht. »Ich bin eine Demokratin und finde, man sollte eine Wahl haben können«, befand die Chemikerin, die bewusst auf Wahlkampf verzichtet hat. In der »schwierigen Lage des DOSB« wollte sie keinen Kampf mit Weikert und verzichtet auf Treffer durch Presse- und Lobbyarbeit.

Für Schlagzeilen hatte dagegen Hörmann zuletzt mit Mutmaßungen über ein Komplott gegen ihn und mit Drohbriefen an Ex-Vorstandsmitglied Karin Fehres gesorgt, die er als Urheberin des anonymen Briefes (»Kultur der Angst«) ansah. In seinem Auftrag drohten ihr Anwälte mit Strafanzeige und Zivilklage. Fehres wies die Vorwürfe zurück. Nach dem in den vergangenen Monaten von ihm zerschlagenen Porzellan ist der Blick zurück auf seine Amtszeit getrübt. »Es wird oft gesagt, dass seine Amtszeit gar nicht so schlecht gewesen ist. Dem würde ich zustimmen«, meinte Weiss.

Zur positive Seite der Hörmann-Bilanz gehört die 2016 gestartete Spitzensportreform und die Verdopplung der Sportförderung des Bundes auf 265 Millionen Euro. Dass die Reform mit viel Bürokratie verbunden ist und noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, ist die Kehrseite. Bei Olympia in Tokio reisten die deutschen Athleten mit 37 Medaillen ab, der schwächsten Ausbeute seit 1992.

Zur Hörmann-Ära gehören auch die Versuche, mit Hamburg (2024) und Rhein-Ruhr (2032) die Sommerspiele ins Land zu holen. Das Bemühen zuletzt mit der Privatinitiative endete im großen Krach mit dem IOC, das die Sommerspiele für 2032 nach Brisbane vergab und keinen Zweifel ließ, dass die Beziehungen zum DOSB abgekühlt seien. Auch in der Pandemie sorgte Hörmanns Krisenmanagement mit Hochrechnungen über Milliardenschäden für den organisiert Sport für Kritik.

Für Bokel oder Weikert gibt es viel zu reparieren, zu korrigieren und besser zu machen. Vertrauen herstellen im eigenen Haus, Gräben zu nationalen und internationalen Partnern zuschütten sowie eine Olympia-Bewerbung mit Zustimmung der Bürger im Land und auch mit Chancen beim IOC auf den Weg bringen. Es gilt aber auch, den Sport in und nach der Corona-Pandemie in Deutschland in Bewegung zu halten.

,, Ich scheue nicht, Verantwortung zu übernehmen.

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