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Die (weniger) schöne Woche

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Wie ordnet man diesen Länderspiel-Dreierpack im Corona-Herbst nun ein? Offensiv hui, defensiv pfui? Schön oder doch nicht so schön? Irgendein Fazit wird wohl auch Bundestrainer Löw nach den Auftritten seiner DFB-Elf ziehen. Der ist aber erst mal genervt von den ständigen Nörglern.

Es gab dann doch Anlass zum dezenten Feiern unter Einhaltung der Abstandsregeln. So kam es, dass nach dem 3:3 gegen die Schweiz im Kölner Teamhotel der Fußball-Nationalmannschaft um Mitternacht noch auf den 40. Geburtstag von Teammanager Thomas Beheshti angestoßen wurde. Da hockten sie dann gemeinsam mit Blick auf den Rhein und fragten sich, was das jetzt für eine Woche war: eine schöne mit drei Spielen ohne Niederlage und acht Toren? Oder eine weniger schöne mit sieben Gegentreffern und einer Mannschaft, die so unvorhersehbar unterwegs ist, dass sogar dem Bundestrainer erste graue Haare wachsen?

Joachim Löw hat die Vielzahl der Attacken der vergangenen Tage tapfer abgewehrt. Es war schon spät geworden nach dem Spiel. Präsident Fritz Keller hatte in der Kabine noch die Jubilare Toni Kroos und Joshua Kimmich für deren 100. und 50. Einsatz für die DFB-Farben belobigt, ehe Löw endlich zur virtuellen Pressekonferenz geleitet wurde. Irgendwann wurde er gefragt, was er davon halte, dass Olaf Thon ihn öffentlich aufgefordert hatte, nach der EM 2021 zurückzutreten. Ein Bundestrainer darf dann durchaus auch mal genervt sein: "Es ist mir egal, was der Olaf Thon sagt."

Wichtiger als kraftraubende Beschäftigung mit geschwätzigen Ex-Internationalen ist Löw die komplexe Suche nach einer Lösung für mehr Zuverlässigkeit im unausgewogenen Spiel seiner Mannschaft: spektakulär nach vorn zwar, beängstigend aber in der Rückwärtsbewegung.

Im Grunde ist Löw seit dem WM-Aus 2018 auf Identitätssuche mit seinem Team. Wie viel Mut zur Offensive kann man ihm schenken, ohne sich vorwerfen zu müssen, die Defensive grob fahrlässig vernachlässigt zu haben? Ist es geboten, angesichts der Probleme hinten besser einen mittelmäßigen Defensiven mehr aufzustellen und so die Schwächen zu kaschieren, oder ist es gerade andersherum besser, einen Hochtalentierten aus dem Offensiv-Pool mehr zu bringen und so Stärken zu stützen?

Löw tut sich mit einer Antwort schwer. Denn im Sommer 2018 in Russland führte der weitgehende Verzicht auf Verteidigung geradewegs ins Desaster. Löw legte eine Strategie hinterher selbstkritisch als "Arroganz" aus.

Was macht der alte Trainer jetzt mit dem jungen Team? Mitte November treffen sie sich alle wieder in Leipzig. Wieder drei Länderspiele, abgeschlossen mit dem Nations-League-Spiel in Spanien. Löw will sich nicht beirren lassen und wieder einen Mammutkader benennen und jungen Leuten Vorspielmöglichkeiten geben. Mögen die Leute draußen noch so schimpfen, dass nicht immer die Besten spielen. Löw ist für die Profis und deren Wohlergehen verantwortlich, nicht den Nörglern. Und es gibt keine seriösen Anzeichen dafür, dass ihm Spieler nicht mehr folgen. Leon Goretzka spricht von "lächerlich wenig" Trainingseinheiten und verteidigt seinen Trainer damit.

Schlecht genug und gut genug

Auch wenn gerade weniger Fortschritt zu erkennen ist, als sie alle miteinander erhofft hatten, bleibt Löw dabei: "Diese Mannschaft hat echt Potenzial." Sie ist schlecht genug, um gegen einen gehobenen Durchschnittsgegner wie die Schweiz 0:2 und 2:3 zurückzuliegen, aber sie ist auch gut genug, mit großartigen Einzelaktionen zurückzukommen. "Sehr gute Moral. Der Geist stimmt", lobte Löw, "man spürt, dass die Mannschaft Energie ausstrahlt und unbedingt Fortschritte machen will".

Aber es sind Fortschritte in Mäuseschritten. Und es sind in der Umschaltbewegung nach hinten sogar Rückschritte. Die Innenverteidiger Matthias Ginter und Antonio Rüdiger verteidigten mal offensiv nach vorn, mal ließen sie sich fallen. Das Dumme: Sie taten das selten gemeinsam, sondern mehrfach derart unklug, dass sich Räume auftaten, die auf diesem Niveau unbedingt geschlossen gehören. Löw hat einen Mangel an Kommunikation ausgemacht.

Womöglich gesellt sich ein Mangel an Klasse dazu, vor allem auch auf den Außenverteidigerpositionen. Links hat Löw die Auswahl aus Robin Gosens, Marcel Halstenberg, Nico Schulz und dem zuletzt gar nicht mehr nominierten Jonas Hector; rechts aus Lukas Klostermann, Emre Can, Matthias Ginter und, ja, auch Joshua Kimmich. Aber den kleinen Rumtreiber - in der Ukraine und gegen die Schweiz nicht frei von Fehlern - sieht Löw lieber im Mittelfeldzentrum. Dort, wo das Angebot an Klasseleuten nach der Rückkehr von Ilkay Gündogan nach dessen Corona-Erkrankung und dem gelungenen Debüt von Florian Neuhaus ohnehin so zahlreich ist. Zeit, dass sich was dreht?

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