In diesem Jahr muss der Frankfurt-Marathon höchstwahrscheinlich ausfallen. FOTO: DPA
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In diesem Jahr muss der Frankfurt-Marathon höchstwahrscheinlich ausfallen. FOTO: DPA

Wenig Hoffnung

  • vonred Redaktion
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Tausende Fans am Straßenrand, Läuferinnen und Läufer dicht gedrängt. Schweiß, Rufe, Umarmungen. Undenkbar in der Corona-Zeit. Der Frankfurt-Marathon am 25. Oktober steht nicht unter günstigen Vorzeichen. Ob und wie er stattfinden kann, ist ungewiss. "Bekämen wir eine Genehmigung, würden wir ihn veranstalten", sagt Jo Schindler vom Veranstalter Motion Events zwar - aber zuversichtlich klingt er nicht. Großveranstaltungen sind in Hessen zwar wieder möglich - aber nur mit strengen Hygienevorschriften, Abstandsregeln und Kontaktverfolgung.

Abstand auf und neben der Strecke? Kontaktverfolgung nicht nur bei den Läufern, sondern auch bei Tausenden Zuschauern? Schindler hat da seine Zweifel: "Ich kann keinen Geistermarathon organisieren." Um zeitnah eine "definitive Entscheidung" zu erreichen, stehe Motion Events "im engen Austausch" mit dem Innen- und Sportministerium, sagt Schindler. Anders als der Fußball habe der Laufsport keine starke Lobby, kritisiert er. "Mit ihrer medialen und finanziellen Macht ist es den Fußballern als einzigen gelungen, sich durchzusetzen. Alle anderen stehen hintenan." Viel Hoffnung bleibt der Lauf-Community nicht: Die Absage scheint wahrscheinlich. Anmelden können sich Läuferinnen und Läufer derzeit schon nicht mehr. Dabei lief es für den Frankfurt-Marathon am Jahresanfang gut: 6000 Läufer hatten sich angemeldet, zwischenzeitlich lag die Zahl der Anmeldungen rund 30 Prozent über den Vorjahreszahlen - dann kam Corona.

Sollte der Marathon ausfallen, rechnet Schindler mit wirtschaftlichen Problemen für sein Unternehmen. Also Marathon um jeden Preis? Nein, sagt Schindler, das sei nicht verantwortbar: "Wir wollen nicht das Ischgl des Marathonsports werden."

Bei einer Absage wäre der Frankfurt-Marathon in prominenter Gesellschaft: Der Ironman Frankfurt findet dieses Jahr ebenso wenig statt wie der New-York-City-Marathon, der im November seinen 50. Geburtstag gefeiert hätte. Auch aus Berlin kamen schlechte Nachrichten für Marathon-Fans: Trotz "unzähliger Diskussionen zu einem ausgeklügelten Hygienekonzept" sagten die Veranstalter den Lauf in der Hauptstadt unter Bedauern ab. Andernorts wird der Re-Start vorangetrieben: Am vergangenen Montag hatten der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) und die German Road Races (GRR) ein Konzept vorgelegt, das Straßenlauf-Wettbewerbe wieder möglich machen soll.

Die Idee: Keine Umkleiden, Duschen oder Massagen, abgesteckte Laufwege zum Start-Ziel-Bereich, die Läuferinnen und Läufer starten in Wellen und halten auch beim Zieleinlauf Abstand. Diese Maßnahmen seien für Veranstalter großer Läufe "wenig zielführend", schränkte GRR-Vorstand Michael Brinkmann ein.

Egal, wie es dieses Jahr läuft: Spätestens 2021 werde der Frankfurt-Marathon wieder stattfinden, hofft Schindler, der seit 2002 ohne Unterbrechung den ältesten deutschen Stadtmarathon ausgerichtet hat. STEFFEN HERRMANN

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