Biathletin Denise Herrmann verzichtet in diesem Jahr über die Feiertage auf einen Abstecher nach Hause. FOTO: AFP
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Biathletin Denise Herrmann verzichtet in diesem Jahr über die Feiertage auf einen Abstecher nach Hause. FOTO: AFP

Weihnachten einmal etwas anders

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Alle Jahre wieder? Von wegen. Weihnachten steht im Corona-Jahr 2020 fest im Zeichen der Pandemie, Sportstars wie Dirk Nowitzki müssen umplanen. Andere trifft es härter.

Dirk Nowitzki packte die Melancholie. "Leider feiern wir in diesem Jahr nur im ganz kleinen Rahmen mit den Kids", verriet der größte deutsche Basketballer bei seiner Auszeichnung als Sportlegende des Jahrzehnts. "Meine Eltern und meine Schwester sehe ich dieses Jahr nicht, das ist das erste Mal seit fast 20 Jahren." Dem 2,13-Meter-Hünen geht es so wie vielen Menschen zum Ende dieses vermaledeiten Jahres. Andere Sportstars trifft es härter.

Die Dartsprofis um den deutschen Hoffnungsträger Gabriel Clemens und Topstar Michael van Gerwen müssen zur Bescherung im Hotel in London bleiben. Durch die neu entdeckte Corona-Mutation in Großbritannien sind die Reisebeschränkungen verschärft worden. "Es ist hart, die Familie allein zu lassen", schrieb van Gerwen auf Twitter, "aber sie hat mich in meiner Entscheidung bestärkt."

Für Clemens, der sich am Montag im deutschen Duell mit Nico Kurz durchsetzte, fällt das Weihnachtsfest entsprechend dürftig aus. Erstmals ohne Eltern, dafür wenigstens mit seiner Freundin verbringt der 37-Jährige die Feiertage. "Kulinarisch sind die Engländer nicht so toll", stellte Clemens im Gespräch fest: "Aber natürlich werden wir abends etwas essen und einen Film gucken. Viel machen kann man nicht."

Julian Nagelsmann war schon vor Weihnachten bei Mama in Landsberg wunschlos glücklich. "Relativ klassisch" will der Fußball-Trainer von RB Leipzig mit seiner Familie in der oberbayerischen Heimat feiern, "die Kids kriegen Geschenke - ich nicht, ich brauche jetzt keine mehr". Kein Wunder: Das schönste Präsent hatten ihm seine Roten Bullen mit dem Einzug ins Pokal-Achtelfinale zum Abschluss eines überaus erfolgreichen Jahres eh schon gemacht.

Und so konnte Nagelsmann vor der rund halbstündigen Heimfahrt aus Augsburg mit leuchtenden Augen über seine Festtagspläne plaudern. Nach dem "Wichteln" für die Kinder und dem Essen "singen wir noch fünf, sechs Lieder vor dem Weihnachtsbaum, das letzte ist immer Stille Nacht", erzählte er mit sichtbarer Vorfreude, "dann gibt’s noch ein Gläschen Rotwein - und dann gehen wir ins Bett". Nur auf den obligatorischen Kirchenbesuch will der einstige Oberministrant diesmal verzichten.

Triathlon-Aushängeschild Jan Frodeno hat "das große Glück", seine wichtigsten Bezugspersonen über die Festtage bei sich zu wissen. Seine Eltern leben wie der Olympiasieger von 2008 im spanischen Girona, Weihnachten kann deshalb problemlos "im kleinen Kreis" mit seiner Frau Emma und seinen beiden Kindern gefeiert werden, erzählte der 39-Jährige.

Auch die Biathleten, die bis zum vergangenen Wochenende in Hochfilzen um Weltcup-Punkte kämpften, müssen in der Pandemie mit ihren Traditionen brechen. "Dieses Jahr hatte ich wirklich auf dem Plan, Heim zu fahren, aber das werde ich jetzt nicht machen", sagte Verfolgungs-Weltmeisterin Denise Herrmann in der ARD-Sportschau. Das Fest der Liebe ist für sie eine "Herzensangelegenheit", das Wohl ihrer Mitmenschen steht für sie mehr denn je im Vordergrund: "Wir hoffen, dass alle gesund bleiben, das hat oberste Priorität."

So sieht es auch Kollege Arnd Peiffer, der deshalb gleich ganz auf das gegenseitige Beschenken verzichtet. "Das entspannt einiges, und ich kann jedem nur empfehlen, die Schenkerei mal etwas zurückzufahren."

So wie die Kontakte - auch wenn es schwerfällt. Im kleinen Rahmen eint viele Sportstars an diesem denkwürdigen Weihnachten 2020 ein Wunsch: Der Wunsch nach Ruhe, Besinnlichkeit und vor allem Gesundheit. Und der Wunsch nach einem Jahr 2021 ohne Virus und mit Sport.

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