Eishockey / Belarus

WM wegen Corona nach Russland?

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(sid). Seit mehr als 100 Tagen lässt Alexander Lukaschenko Demonstranten im Land niederknüppeln. Die Gewalt des Diktators gegen das eigene Volk ist für den Eishockey-Weltverband IIHF aber bislang kein ausreichender Grund, Belarus die WM im kommenden Frühjahr zu entziehen. Stattdessen könnte der sorglose Umgang mit der Corona-Pandemie den umstrittenen Staatschef die Co-Gastgeberrolle kosten.

Noch spielt die IIHF trotz großen politischen Drucks nicht zuletzt vom Mitausrichter Lettland auf Zeit. Doch der Bericht einer Expertenkommission, der dem Council bei seiner Sitzung in Zürich vorgelegt wurde, weist den Weg: Darin wird explizit "Skepsis" an den "nationalen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie", der "Zahl der Fälle seit September" und der "Berichterstattung über die Infektionszahlen in Belarus" geäußert, es bestehe ein "erhebliches Risiko" für die Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmer und der Fans.

Der Hintergrund: Aufgrund seiner Statuten kann der Weltverband "nicht aus politischen Gründen ein Turnier verlegen". Darauf wies die IIHF im September ausdrücklich hin und setzte deshalb die Kommission ein. "Unter normalen Umständen wäre es unrealistisch, dass Belarus und Lettland gemeinsam eine WM ausrichten könnten", fasste Verbandspräsident Rene Fasel jetzt deren Ergebnis zusammen. Der 70-jährige Schweizer, der als gewiefter Diplomat gilt, deutete damit erstmals die Möglichkeit einer Absage an.

Nach Informationen des kanadischen Fachblatts Hockey News reist Fasel in der kommenden Woche nach Moskau, um sich mit dem russischen Verbandschef Wladislaw Tretjak zu treffen. Der Plan von Fasel, der nach seinem Abschied von der IIHF im nächsten Jahr mit einem Job in der russischen Eishockey-Liga KHL liebäugelt, ist offenbar: Ausgerechnet Russland soll als zweiter WM-Gastgeber neben Lettland für das Turnier (21. Mai bis 6. Juni 2021) einspringen.

Dass der Eishockey-Olympiasieger bereitsteht, hatte Fasel schon zuvor erklärt. Doch der Plan birgt neue Probleme. Denn voraussichtlich zum Jahresende entscheidet der Internationale Sportgerichtshof CAS über die im Doping- skandal ausgesprochene Vierjahressperre gegen Russland. Werden die Sanktionen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bestätigt, darf Russland keine Weltmeisterschaften ausrichten.

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