Abfahrtssieger Matthias Mayer auf der Streif. FOTO: DPA
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Abfahrtssieger Matthias Mayer auf der Streif. FOTO: DPA

Watschn für Dreßen

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(sid). Thomas Dreßen bekam eine heftige "Watschn", Linus Straßer von Felix Neureuther auf den Deckel - doch ausgerechnet der Österreicher Romed Baumann hielt in Kitzbühel "die deutsche Fahne hoch". Mit seinem siebten Platz bei der Abfahrt auf der legendären Streif sorgte der 34-Jährige für das DSV-Highlight bei den 80. Hahnenkammrennen - und spürte tiefe "Genugtuung".

Noch unmittelbar vor dem größten und spektakulärsten Saisonrennen sei er von einigen Landsleuten als "Judas" beschimpft worden, berichtete Baumann, und nein, ergänzte Alpindirektor Wolfgang Maier, "die waren nicht alle besoffen". Dieser hässliche Vorfall, berichtete Baumann, "hat mich angespornt, ich war richtig heiß darauf, dass ich mein bestes Skifahren zeige".

Das tat er, sogar der von 50 000 Skiverrückten bejubelte Triumphator Matthias "Mothl" Mayer musste zwischenzeitlich um den Heimsieg zittern. "Bester Deutscher ist immer ein super Titel, meine Teamkameraden sind ja auch keine Nasenbohrer", sagte Baumann schmunzelnd, "es ist ungewohnt, aber es fühlt sich gut an." Der österreichische Verband hatte Baumann in der vergangenen Saison aussortiert, Maier nahm ihn nach anfänglicher Skepsis auf. "Im Endeffekt hat er die deutsche Fahne hochgehalten", sagte der Alpindirektor und sprach anerkennend von einer "Weltspitzenleistung".

Ganz anders Dreßen. "Klar bin ich sauer", sagte der Kitz-Sieger von 2018 über seinen enttäuschenden 26. Platz. Cheftrainer Christian Schwaiger sprach von einer "gscheiten Watschn", Maier meinte, sein Star habe "richtig eins vors Schienbein bekommen". Das, betonte er, sei in der Comeback-Saison nach dem schweren Knieverletzung aber "kein Problem".

Ähnlich locker ging Straßer mit seinem Slalom-Aus um, doch Felix Neureuther war "schwer geschockt" von der Vorstellung des Münchners. Als 14. nach dem ersten Lauf hatte Straßer, der in Kitz das Skifahren lernte, die "riesengroße Chance" (Neureuther) auf eine weitere Top-Platzierung, doch im Finale schied er schon bei der ersten Zwischenzeit aus. "Er hat völlig überdreht", kritisierte ARD-Experte Neureuther seinen Erben, "da ist der alte Linus durchgekommen. Er muss kapieren und lernen, dass er es vom Kopf her anders angeht." Und Straßer? Zuckte nur mit den Schultern. "Ich kann mit dem gut leben", sagte der 27-Jährige: "Ich habe probiert Gas zu geben. Ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Doch während etwa Daniel Yule voll durchzog und als erster Schweizer seit 1968 am legendären Ganslernhang gewann, während Sebastian Holzmann (Oberstdorf) und Anton Tremmel (Rottach-Egern) mit den Rängen 17 und 18 überraschten, warf Straßer seine Chance weg. Yule ärgerte in Kitzbühel Tausende erwartungsfrohe Österreicher, als er Lokalmatador Marco Schwarz noch den Sieg entriss.

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