Warten hat ein Ende

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(sid). Die Eintönigkeit des Alltags in der Corona-Blase bekämpften die deutschen Eisschnellläufer mit den Segen der digitalen Welt. Patrick Beckert griff zur Nintendo-Konsole und lieferte sich Online-Duelle bei Mario Kart, Joel Dufter verbrachte in den Trainingspausen Zeit vor seinem Rechner, Nico Ihle hielt via Zoom und Co. den Kontakt zur Familie im fernen Chemnitz.

Seit rund einem Monat halten sich Deutschlands beste Kufenflitzer im niederländischen Heerenveen auf. Eine EM und zwei Weltcups fanden dort unter strikten Hygienevorschriften im Januar statt. Seither läuft der Countdown auf den krönenden Abschluss dieser kurzen und außergewöhnlichen Saison: Mit dem Start der Einzelstrecken-WM am heutigen Donnerstag hat das Warten ein Ende.

»Ich werde auf jeden Fall probieren, meine Medaille aus dem letzten Jahr zu verteidigen«, sagte Langstreckenspezialist Beckert. Der 30-Jährige aus Erfurt ist gleich zum Auftakt über seine Nebenstrecke 5000 m gefordert. Dick angestrichen hat er sich aber das letzte WM-Rennen am Sonntag, den »langen Kanten« über 10 000 m. Dort gewann er im Vorjahr Bronze.

Eine Prognose sei angesichts der besonderen Umstände schwierig, sagte Beckert, für den seit dem letzten Weltcup Ende Januar in erster Linie die Regenration im Vordergrund stand. »Es ist kein vollwertiges Training mehr, eher ein Bereitmachen für den Saisonhöhepunkt.«

Dieser ist für Beckert und die weiteren deutschen Starter die WM. Letztlich ist diese aber auch nur ein Zwischenstopp für ein noch größeres Ziel. »Ich habe alles die letzten Jahre auf Peking 2022 vorbereitet. Dieses Jahr ist ein Durchgangsjahr«, sagte Beckert.

Das sieht Claudia Pechstein ähnlich. Die fünfmalige Olympiasiegerin nimmt zum 20. Mal (!) an einer Einzelstrecken-WM teil - und hat ein Mammutprogramm vor sich. Gleich drei Mal steht die 48-Jährige auf dem schnellen Eis in der Thialf-Arena. Ihren heutigen Einsatz über 3000 m hat sie allerdings abgesagt.

Auch Pechstein ist in Gedanken aber bereits weiter. »Ich habe noch ein großes Ziel«, sagte sie der »Welt am Sonntag«: »Nächstes Jahr in Peking möchte ich als erste Frau der Welt zum achten Mal bei Olympischen Winterspielen starten. Das ist meine Motivation, dafür gebe ich mein letztes Hemd.«

Hoch motiviert ist auch Joel Dufter. Der Sprinter hat im Winter für die besten deutschen Ergebnisse gesorgt. Dufter wurde EM-Dritter, beim Weltcup lief er zudem über 1000 m auf den vierten Rang. Ein gutes Abschneiden würde ihm auch die Zukunftsplanungen erleichtern.

Der 25-Jährige aus Inzell, der zuletzt öffentlich Kritik an der neuen Verbandsführung um Präsident Matthias Große äußerte, liebäugelt mit einem Standortwechsel. Seine Olympia-Vorbereitung findet vermutlich in den Niederlanden statt.

Sprint-Kollege Nico Ihle hat andere Sorgen. Der 35 Jahre alte Routinier hat noch immer mit den Folgen seines schweren Sturzes bei der EM zu kämpfen. Die WM, sagte Ihle deshalb, sei für ihn eine Wundertüte: »Es ist noch nicht bei 100 Prozent, das heißt aber nicht, dass ich nicht 100 Prozent geben werde.«

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