Robert Lewandowski hält die Trophäe als Bundesliga-Torschützenkönig hoch, für die europäische Auszeichnung wird es aber für den Bayern-Profi nicht reichen. FOTO: DPA
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Robert Lewandowski hält die Trophäe als Bundesliga-Torschützenkönig hoch, für die europäische Auszeichnung wird es aber für den Bayern-Profi nicht reichen. FOTO: DPA

Wahl als Farce?

  • vonred Redaktion
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Ein wenig Hoffnung gab es gestern aus Zürich. Ob Karl-Heinz Rummenigge seine Finger im Spiel hatte - und wie angekündigt den Kontakt zu FIFA-Präsident Gianni Infantino gesucht hat -, ist nicht überliefert. Aber es tat letztlich auch nichts zur Sache. Das Wichtigste war die bloße Nachricht aus der FIFA-Zentrale, die da lautete: Es wird wohl auch in diesem Corona-Jahr einen Weltfußballer geben.

"Wir prüfen verschiedene Optionen, in welcher Form wir etwas durchführen würden", wurde ein Sprecher des Weltverbandes zitiert, und für Robert Lewandowski war dieser Satz gerade am gestrigen Tag natürlich Balsam für die Seele. Er wurde über die Nachrichtenagenturen verbreitet, keine sechs Stunden, nachdem Ciro Immobile beim 2:0 von Lazio Rom gegen Brescia Calcio getroffen und damit den Bayern-Stürmer im Kampf um den "Goldenen Schuh" überflügelt hatte. Der Ex-BVB-Stürmer hat in der Serie A einen echten Lauf, steht nun im Ranking der besten Torjäger der europäischen Top-Ligen mit 70 Punkten vor Lewandowski (68) und Cristiano Ronaldo (62) und wird wohl dort auch bleiben. Ein Saisonspiel steht für Lazio noch aus, dann ist in Italien Abpfiff.

Lewandowski muss seit Wochen untätig zuschauen, wie Immobile Tor um Tor aufholt und nun vorbeizog. Ausgerechnet der Mann, der 2014 in Dortmund für Lewandowski kam - und ihn nicht ansatzweise ersetzen konnte. Genau drei Bundesliga-Treffer gelangen dem Nationalspieler im schwarz-gelben Trikot, man sagte ihm mangelnde Integrationsfähigkeit nach. Er ging genauso schnell, wie er gekommen war, während Lewandowski in München durchstartete. 17 und mehr Treffer gelangen ihm in jeder seiner sechs Spielzeiten an der Isar. Die 34 aus der Corona-Saison sind nun persönlicher Rekord. Zum "Goldenen Schuh" reichte es trotzdem nicht.

System mit Schwachstellen

Das Wort "unfair" wurde in Bayern-Kreisen seit der Absage des "Ballon d’Or" durch die Fachzeitschrift "France Football" mehrfach bemüht. Rummenigge hatte ja tatsächlich angekündigt, Infantino bezüglich der Weltfußballer-Wahl kontaktieren zu wollen, weil "Robert eine fantastische Saison spielt, vielleicht die beste seiner Karriere". Damit liegt der Bayern-Boss durchaus richtig. Dass Lewandowski diese Chance wohl nun noch bekommt - und auch die UEFA "Europas Fußballer des Jahres" bestimmen will - dürfte darüber hinwegtrösten, dass auch bei der Vergabe des "Goldenen Schuhs" nicht alles ganz fair zugeht. Das zeigt ein Blick auf die Statistik.

Die Auszeichnung für Europas angeblich besten Torjäger nämlich hat einige Schwachstellen. Zwar wird mithilfe eines Länderfaktors über die UEFA-Fünfjahreswertung die Ligenstärke berücksichtigt und ein Tor in den Top-5-Ligen daher doppelt gewertet. Dass in England, Frankreich, Spanien und eben auch Italien 38 Spiele absolviert werden - und damit vier mehr als in der Bundesliga -, fällt jedoch nicht ins Gewicht. Lewandowski hat bei 31 Einsätzen 34-mal getroffen, Immobile in 36 Spielen 35-mal. Der Bayern-Stürmer netzte im Schnitt alle 81 Minuten ein, Immobile nur alle 88. Der Italiener war zudem 14-mal per Elfmeter erfolgreich (Ronaldo: 12) - während Lewandowski nur fünfmal vom Punkt und ansonsten aus dem Spiel heraus traf. Wer nun der bessere Stürmer ist? Das wird man in Rom anders beantworten als an der Säbener Straße.

Immobile versucht nun, im letzten Spiel die Liga-Bestmarke zu knacken. 2015/16 gelangen dem jetzigen Juventus-Profi Gonzalo Higuaín 36 Liga-Tore. Historisches hat er aber ohnehin schon geleistet: Zum ersten Mal seit 2008 geht der "Goldene Schuh" nicht nach Spanien. Die Gelegenheit war günstig. Das weiß auch Robert Lewandowski. Hanna Raif

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