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Max Verstappen auf dem Weg zum Sieg in Austin.

Vorentscheidung im Titelrennen?

Wer wird Weltmeister in der Formel 1? Nach dem Großen Preis der USA deutet vieles auf Max Verstappen hin. Titelverteidiger Lewis Hamilton gehen die Optionen aus.

In der Anwesenheit von Max Verstappen schien Lewis Hamilton all sein Selbstvertrauen zu verlieren. Der Rekordweltmeister der Formel 1 wirkte bei der Analyse der Niederlage von Austin angeschlagen, als er neben seinem WM-Rivalen sitzend einen düsteren Ausblick auf den Titelzweikampf wagte. »Es wird hart«, sagte Hamilton kurz und knapp. Fünf Rennen vor dem Ende einer dramatischen Saison machte sich das Gefühl einer Vorentscheidung breit.

Nicht Hamilton, nein, Red-Bull-Star Verstappen rast mit Vollgas dem WM-Titel in der Königsklasse entgegen. Der Triumph des Niederländers in der texanischen Hamilton-Hochburg war das Ergebnis einer titelreifen Leistung. »Es war nicht einfach, aber aufregend«, sagte Verstappen, der seinen Vorsprung in der Fahrer-WM mit dem achten Saisonsieg auf zwölf Punkte ausbaute. »Ein wichtiger Schritt in Richtung Weltmeistertitel«, schrieb »De Telegraaf«.

26 Zähler sind pro Rennen maximal zu vergeben. Der Abstand zu Hamilton mutet da vergleichsweise gering an. Doch Verstappens eigentlicher Vorteil zeigt sich auf den zweiten Blick. In Mexiko und Brasilien stehen zwei Strecken an, die Verstappen und Red Bull entgegenkommen sollten. Verläuft alles nach Plan, hat der »hartnäckige und reife Niederländer« (»Marca«) den Druck auf Hamilton und Mercedes vor dem Saisonfinale im arabischen Raum nochmals erhöht.

Zwölf Punkte Vorsprung »stimmen uns optimistisch. Die letzten drei Rennen waren eigentlich alles Mercedes-Strecken«, sagte Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko bei Sky. Der 78-Jährige rechnete vor: »Wir müssen zehn Rennen gewinnen, wenn wir die WM gewinnen wollen. Es fehlen noch zwei. Dann können wir uns bei den Rennen im Nahen Osten vielleicht ein bisschen zurücklehnen.«

Red Bulls schärfste Waffe sitzt dabei im Cockpit. Verstappen zeigte am Sonntag eine seiner besten Leistungen in der Formel 1 - auch wenn er den Start von der Pole gegen Hamilton verlor. Mutig war vor allem die Taktik. Der frühe, aggressive Undercut in der elften Runde düpierte Hamilton und die Silberpfeile.

Verstappen »zwingt in Texas dem Rivalen sein Gesetz auf«, schrieb die »Gazzetta dello Sport«. Nach dem zweiten Boxenstopp blieb Verstappen dann fehlerfrei beim komplizierten Umgang mit den abbauenden Reifen. »Am Ende haben alle gezittert, da ist keiner mehr ruhig gestanden«, sagte Marko und schwärmte vom »unglaublichen« Verstappen.

Rekordweltmeister Hamilton hatte sich dabei wenig vorzuwerfen. Sein Start war überragend, seine Aufholjagd am Ende auch wegen seines Umgangs mit den Reifen fast von Erfolg gekrönt. Dass es dennoch nicht zum Sieg reichte, war dem Gesamtpaket bei Mercedes geschuldet.

»Wir hätten das Rennen gewinnen können«, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: »Wir lagen in Führung und hatten eine starke Pace auf den harten Reifen.« Nachteilig war die schwache Leistung zu Beginn auf den Medium-Reifen und die Taktik: »Man kann Red Bull für ihre Stopps nur gratulieren.«

Austin war ein Rückschlag für Mercedes, das als Favorit in die USA gereist war. Aufgegeben hat sich bei den Silberpfeilen aber noch niemand - auch wenn das Selbstvertrauen am Abend nach der Niederlage angeknackst war. »Wir müssen pushen, pushen, pu-shen und hoffentlich bis zum letzten Rennen um die WM kämpfen«, sagte Wolff. Auch das klang nach Vorentscheidung.

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