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Ausreißer narren Sprinter: Voeckler Überraschungssieger

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Thomas Voeckler © dpa

Perpignan - Der Franzose Thomas Voeckler hat den Gastgebern den umjubelten ersten Etappensieg beschert und Mark Cavendish den Hattrick verdorben.

Weder der schon zweimal erfolgreiche Brite noch der hoch gehandelte Thor Hushovd konnten auf der 5. Etappe der 96. Tour de France ihre Trümpfe ausspielen. Eine sechsköpfige Spitzengruppe profitierte von der Uneinigkeit der großen Teams bei der Verfolgung und stellte in Perpignan mit Voeckler den Überraschungssieger nach 196,5 Kilometern. Der ehemalige Träger des Gelben Trikots hatte sich 4,6 Kilometer vor dem Ziel von der Spitzengruppe abgesetzt und passierte als Solist die Ziellinie sieben Sekunden vor dem Hauptfeld, das seine Flucht-Gefährten noch "geschluckt" hatte. Lance Armstrong konnte keine Attacke auf das Gelbe Trikot starten und liegt weiter mit der Winzigkeit von 22/100 Sekunden hinter dem Spitzenreiter Fabian Cancellara aus der Schweiz.

Die sechs im Gesamtklassement für die Stars ungefährlichen Ausreißer hatten sich schon nach 15 Kilometern zusammengefunden. 20 Kilometer vor dem Ziel sah alles nach einem Zusammenschluss aus, aber dann stellte Columbia-HTC die Arbeit an der Spitze des Feldes ein. Das Cavendish-Team wollte nicht alleine mit großem Kraftaufwand das Loch zu den Ausreißern zufahren. Die Topsprinter konnten ihre Turbos nicht zünden. Den Sprint des Hauptfeldes gewann der Russe Michael Ignatiew vor Cavendish. Respektabler Fünfter wurde Milram-Kapitän Gerald Ciolek. "Morgen Barcelona könnte uns liegen. Bei mir kam heute alles Schlechte zusammen: Erst der Sturz, dann eine Reifenpanne 20 Kilometer vor dem Ziel", sagte der U23-Weltmeister von 2005 enttäuscht.

Ciolek hatte eine Schrecksekunde nach dem ersten Renndrittel zu überstehen. Ein leichter Sturz blieb für ihn allerdings weitgehend folgenlos. 60 Kilometer vor dem Ziel hatte das Saxo-Bank-Team Cancellaras nach dem Columbia-Vorbild vom Montag versucht, durch eine heftige Attacke eine Teilung des Feldes zu erreichen. Das gelang auch etwa für eine Viertelstunde, dann war der Spuk vorbei. Nur einige Fahrer, unter ihnen der trotz seines bekanntgewordenen Kokain-Konsums noch ins Starterfeld gerutschte Tom Boonen, fielen so weit zurück, dass sie den Anschluss nicht mehr schafften.

Die Form Armstrongs, der bis zu seiner Comeback-Erklärung im September 2008 mehr als drei Jahre im Radsport-Ruhestand verbracht hatte, gibt noch Rätsel auf. Die erste Pyrenäen-Etappe wird am Freitag auf dem Weg nach Andorra-Arcalis, wo Jan Ullrich 1997 sein erstes Gelbes Trikot holte und es bis Paris nicht mehr auszog, Klarheit bringen. Ehemalige Toursieger und andere Ex-Profis trauen dem prominenten Rückkehrer, dessen Team mit fünf Fahrern unter den ersten Zehn des Gesamtklassements optimale Perspektiven für die Pyrenäen hat, seinen achten Gesamtsieg nicht zu.

"Die richtigen Schwierigkeiten haben noch nicht begonnen. Was wir bisher wissen, ist, dass er im Flachen stark ist", sagte der fünffache und letzte französische Toursieger Bernard Hinault. Er hatte 1986 mit Greg LeMond das letzte streitbare Kapitäns-Duo in einem Team gebildet und als Älterer in der Endabrechnung den Kürzeren gezogen. "Ich glaube nach wie vor, dass Armstrong die Tour nicht gewinnen kann. Dazu muss man in den Bergen der Stärkste sein", erklärte Ullrichs Vorgänger Bjarne Riis. Columbia-Teamchef Rolf Aldag attestierte dem Texaner alte, mentale Stärke, ist aber skeptisch, "ob die Physis reicht".

Von Benjamin Haller und Andreas Zellmer, dpa

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