Der Wettbewerb um den DFB-Pokal ist am Freitag ausgesetzt worden. FOTO: DPA
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Der Wettbewerb um den DFB-Pokal ist am Freitag ausgesetzt worden. FOTO: DPA

Viele Unwägbarkeiten

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Kann das funktionieren mit so einem Geisterspiel in der Bundesliga? Ein Probelauf ist Teil des Plans. Das Robert-Koch-Institut spricht von "durchaus vernünftigen Überlegungen". Ausgesetzt wurde am Freitag der DFB-Pokal.

FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach - das wäre der Schlager der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende gewesen. Stattdessen: Das Warten der Profiklubs auf grünes Licht aus der Politik und das ungeklärte Szenario mit Geisterspielen in der Corona-Pandemie.

Nach der Mitgliederversammlung der DFL gibt es neue öffentliche Bedenken gegen eine Fortsetzung der Saison ohne Zuschauer. Der langjährige Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer rät Vereinen, im Falle einer Fortsetzung der Saison das von seiner Task Force erarbeitete Konzept vor dem Ernstfall in einem Probelauf durchzuspielen.

Zu erwarten war die Absage des für den 23. Mai im Berliner Olympiastadion terminierten DFB-Pokalfinals. Wie der Deutsche Fußball-Bund nach einer Videokonferenz des Präsidiums mitteilte, bleibt der Wettbewerb auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und das Endspieldatum offen. Noch nicht einmal gespielt ist das Halbfinale mit den Partien Bayern München gegen Eintracht Frankfurt und 1. FC Saarbrücken gegen Bayer Leverkusen.

Nachbesserungen am Plan der Deutschen Fußball-Liga zur Fortsetzung der Bundesligasaison forderte der Deutsche Städtetag. Das Konzept reiche nicht aus, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. "Wir müssen damit rechnen, dass sich Fans vor den Stadien treffen. Die Städte halten es deshalb für sehr wichtig, das Stadionumfeld noch stärker in den Blick zu nehmen." Das Konzept dürfe sich nicht nur auf den Infektionsschutz bei Spielen oder auf die Unterbringung und Hygiene der Spieler konzentrieren. Vor der Saisonunterbrechung hatten jedoch mehrere Fan-Organisationen ausdrücklich erklärt, sich nicht vor den Arenen treffen zu wollen.

Der Probelauf eines Geisterspiels in der Liga ist laut Meyer Teil des Plans der Task Force. "Wir werden in einem Stadion die gesamten Abläufe einmal simulieren. Denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Irgendwas haben wir vielleicht übersehen. Sobald wir wüssten, dass es losgehen soll, wird dieser Termin gemacht", sagte der 52-Jährige. Weiter gibt es keinen Termin, wann Geisterspiele mit maximal rund 300 anwesenden Personen und unter strengsten Hygienemaßnahmen gestartet werden könnten.

Der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, hat ein Konzept des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Arbeitsschutz beim möglichen Wiederbeginn der Fußball-Bundesliga positiv bewertet. " Das scheinen mir durchaus vernünftige Überlegungen zu sein", sagte Schaade am Freitag.

Die Zuständigkeit zur endgültigen Bewertung sieht er allerdings nicht beim RKI. Es handele sich um ein Problem des Arbeitsschutzes. Das Bundesarbeitsministerium, das für den Arbeitsschutz zuständig ist, prüft nach "Spiegel"-Informationen gar die Möglichkeit, Profis bei einem Neustart mit Gesichtsmasken spielen zu lassen (siehe Artikel unten).

Als großer Kritiker von Geisterspielen lehnt Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen Neustart der Bundesliga auch aus Gründen der Vorbildfunktion weiter ab. "Wir müssen die Botschaft vermitteln: Haltet Abstand, tragt einen Mundschutz, das Virus ist gefährlich", sagte der SPD-Politiker dem Bayerischen Rundfunks. "Alle drei Botschaften werden durch einen Bundesliga-Start konterkariert."

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