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Trainer Rüdiger Rehm startet mit seinem SV Wehen Wiesbaden am Montag beim SC Freiburg II in die Saison. F.: IMAGO

Viele Probleme und die erste Absage

(sid). Es ist aber auch ein Kreuz mit dieser 3. Liga. Gerade erst hatten gewichtige Stimmen das einstige Prestigeprojekt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wieder mal als finanziell existenzbedrohende Falle für Traditionsvereine gebrandmarkt, da kam das Thema Corona mit Wucht zurück: Der DFB musste das für Freitag geplante Saison-Eröffnungsspiel zwischen dem VfL Osnabrück und dem MSV Duisburg wegen der Quarantäne der Gäste absetzen - beim MSV gibt es aktuell vier Corona-Fälle.

Andreas Rettig hatte zuvor ein düsteres Szenario gezeichnet. »In ihrer derzeitigen Form produzieren wir in der 3. Liga quasi sehenden Auges Sozialfälle. Das beginnt bei den Spielern und geht weiter zu den Vereinen, von denen viele ja ständig mit einem Bein in der Insolvenz stehen«, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Viktoria Köln. Der langjährige Bundesliga-Manager mahnte dringend Änderungen der Strukturen an. Vor allem Zweitliga-Absteiger wie Braunschweig, Osnabrück und Würzburg sieht er in ihrer Existenz gefährdet. Die würden »in ein Loch fallen. Statt acht Millionen TV-Geld bekommen sie plötzlich nur noch eine Million. Ihre Kosten bleiben aber annähernd gleich«, sagte Rettig dem WDR. Dies könne ein Verein »vielleicht ein Jahr kompensieren, zwei oder drei Jahre lang aber nicht«. Rettig ist deshalb nicht der Erste, der »eine Anpassung der TV-Verträge« ins Gespräch bringt. Der DFB hat bereits eine Taskforce zur wirtschaftlichen Stabilität der Liga eingerichtet.

Derzeit ist es eine Liga mit viel Tradition und vielen großen Namen, aber eben auch vielen Problemen, die sich durch die Pandemie und fehlende Zuschauereinnahmen noch verschärften. Der viermalige deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern entging in der vergangenen Saison einem Absturz nur durch eine »geplante Pleite«. Der KFC Uerdingen, der zehn Millionen Euro Schulden anhäufte, musste Insolvenz anmelden und konnte schließlich die Lizenzauflagen nicht mehr erfüllen.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Klubs bewegen. Sie sind zum sportlichen Erfolg verdammt, um wirtschaftlich mittelfristig überleben zu können. In der Saison 2019/ 2020 lagen die Personalkosten pro Verein bei über vier Millionen Euro, im Schnitt ergab sich ein Minus von 1,6 Millionen. Es sei bei den Klubs »noch nicht ganz angekommen, dass sie ihre Personalkosten herunterfahren müssten«, sagte Manuel Hartmann, DFB-Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen und Wettbewerbe, bereits vor Monaten. Immerhin können die Drittligisten in dieser Spielzeit wieder mit Fans rechnen. Hartmann: »14 von 20 Klubs haben bereits gemeldet, dass zu ihrem ersten Heimspiel Zuschauer zugelassen sind.«

Die Liste der Aufstiegsaspiranten ist lang. »Es ist extrem schwer, einen Favoriten auszuwählen. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie ausgeglichen es zugeht«, sagte etwa Osnabrücks Trainer Tim Danneberg. Es werde »wieder brutal«, ergänzte der letztjährige Torschützenkönig Sascha Mölders von 1860 München. Die Löwen zählen erneut zu den Anwärtern - wie auch Osnabrück, Braunschweig, Würzburg, Kaiserslautern oder Wehen Wiesbaden.

1. Spieltag: Samstag (14 Uhr): Waldhof Mannheim - 1. FC Magdeburg, TSV Havelse - 1. FC Saarbrücken, 1. FC Kaiserslautern - Eintracht Braunschweig, Hallescher FC - SV Meppen, FSV Zwickau - Bor. Dortmund II, 1860 München - Würzburger Kickers. - Sonntag: Viktoria Berlin - Viktoria Köln (13 Uhr), SC Verl - Türkgücü München (14 Uhr). - Montag: SC Freiburg II - SV Wehen Wiesbaden (19 Uhr).

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