Zärtlich küsst Naomi Osaka den Pokal nach ihrem Sieg bei den US Open. FOTO: AFP
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Zärtlich küsst Naomi Osaka den Pokal nach ihrem Sieg bei den US Open. FOTO: AFP

Viel mehr als eine Sportlerin

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(sid). Verloren stand Naomi Osaka im Lamettaregen und umklammerte ihren Silberpokal. Keine Fans, die ihren Sieg bei den US Open bejubelten, kein Blitzlichtgewitter im fast menschenleeren Arthur-Ashe-Stadion - doch das war ohnehin egal. Viel wichtiger, viel kraftvoller war die Botschaft, die die Japanerin nach ihrem Triumph um die Welt schickte. Und die rührte sogar Boris Becker fast zu Tränen.

Sieben schwarze Masken hatte Osaka nach New York mitgebracht, für jedes Match bis zum Finale eine. Und sieben Namen standen darauf, von Breonna Taylor über George Floyd hin zu Tamir Rice. Sie alle hatten aufgrund von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA ihr Leben gelassen. Und doch fragte der weiße Moderator Osaka im Interview vor der Pokalübergabe, welche Botschaft sie vermitteln wolle. Ihre schlagfertige und so treffende Antwort: "Nun, welche Message ist denn bei Ihnen angekommen?" Damit verschlug Osaka sogar der deutschen Tennis-Ikone Becker kurz die Sprache. "Wow", stammelte der Eurosport-Experte, "das war für mich der Satz des Turniers." Und der dreimalige Wimbledonsieger wurde emotional, als er anfügte: "Sie gewinnt die US Open, hat die Gedanken woanders, und sie spricht dieses wichtigste Thema der heutigen Generation so an. Unglaublich."

Die sportliche Geschichte dieses Endspiels ist schnell erzählt. Osaka, die beste Spielerin des Turniers, bezwang die Belarussin Wiktoria Asarenka nach katastrophalem Startsatz 1:6, 6:3, 6:3 und holte ihren dritten Grand-Slam-Titel. Doch sie ist mit ihren 22 Jahren schon so viel mehr als eine Sportlerin. Schon im Mai nahm Osaka in Minneapolis an einer Demonstration in Folge des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd teil, und nachdem im August sieben Schüsse eines Polizisten den Schwarzen Jacob Blake in den Rücken getroffen hatten, boykottierte sie aus Protest ihr Halbfinal-Match beim Vorbereitungsturnier in New York. "Es ist ziemlich traurig, dass sieben Masken nicht genug sind für die Anzahl der Namen", sagte Osaka. Sie ist auf bestem Weg, nach dem Ende der Ära von Roger Federer und Rafael Nadal der nächste globale Superstar zu werden. Schon jetzt ist sie die bestbezahlte Sportlerin des Planeten - was auch ihrem Engagement abseits des Courts und ihrem schrägen Humor zuzuschreiben ist.

In der Nacht zum Montag kämpfte der Hamburger Alexander Zverev gegen seinen österreichischen Kumpel Dominic Thiem um den Titel im Herren-Einzel.

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