Johannes Vetter ist in der Form seines Lebens. FOTO: AFP
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Johannes Vetter ist in der Form seines Lebens. FOTO: AFP

Vetter jagt den Heiligen Gral

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(sid). Seinen Wurf in die Geschichtsbücher feierte Johannes Vetter im ganz kleinen Kreis. Ein, zwei Bier mit seinem Kugelstoß-Kumpel David Storl gönnte sich Deutschlands Speerwurf-Star, dann war der Akku endgültig leer.

Die Nacht sei "recht kurz" gewesen, berichtete Vetter am Montag mit kleinen Augen im MDR-Fernsehen: "Nicht weil ich gefeiert habe, sondern weil ich noch so unter Spannung stand, dass es schwer war, in den Schlaf zu finden." Es werde noch "ein bisschen brauchen", bis er die fulminanten 97,76 Meter vom Sonntag, die zweitbeste je mit neuem Speer geworfene Weite, verdaut habe. "Es ist alles noch ein bisschen unfassbar", sagte Vetter sichtlich mitgenommen.

Zeit zum Verschnaufen bleibt aber keine. Schon am Montag ging es für Vetter über München im Flieger nach Berlin. Und von dort weiter nach Dessau-Roßlau, wo am Dienstag die nächste Flugshow ansteht. Ob nun auch ein Wurf über 100 Meter möglich sei? Grundsätzlich schon, sagte Vetter, bezeichnete den Wurf am Sonntag, mit dem er den deutschen Rekord pulverisiert hatte, aber als "Sechser im Lotto" und dämpfte allzu hohe Erwartungen. "So ein 97-Meter-Wurf ist wie ein Freistoß aus 30, 40 Metern Entfernung, den man über die Mauer direkt in den Winkel zimmert. Ich glaube, das schafft man auch nicht dreimal die Woche, sondern vielleicht dreimal in seinem Leben."

Natürlich hofft auch Vetter auf den ersten Wurf eines Menschen über die magische 100-Meter-Marke mit dem seit April 1986 zugelassenen Speer. Aber er "habe keine Glaskugel und weiß nicht, wohin die Reise noch gehen kann". Was momentan möglich ist demonstrierte der Weltmeister von 2017 am Sonntag beim Meeting im polnischen Chorzow. Im dritten Durchgang schleuderte Vetter den Speer bis auf 72 Zentimeter an den Weltrekord von Jan Zelezny vom 25. Mai 1996 heran.

"Das war eine unglaubliche Leistung von Johannes", sagte Bundestrainer Boris Obergföll, der auch Vetters Heimtrainer ist. Sein Schützling, lobte der Coach, werfe "momentan in seiner eigenen Sphäre".

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