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Johannes Vetter ist in bestechener Form.

Vetter haut Monsterwurf raus

  • VonSID
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(sid). Die Riesenfreude über seinen Monsterwurf mischte sich bei Speer-Star Johannes Vetter mit leisen Verletzungssorgen und einer Portion Wehmut. »Ich bin ein bisschen traurig, weil ich den Wettkampf früher als geplant beenden musste«, sagte Vetter, nachdem er bei der Team-EM in Polen mit fulminanten 96,29 m an seinem deutschen Rekord gekratzt hatte:

»Das war geil, war ziemlich weltklasse. Heute wäre etwas ganz Großes drin gewesen.«

In der oberschlesischen Stadt mit großer persönlicher Bedeutung (»Mein Großvater ist in Chorzow geboren, vielleicht habe ich wegen ihm über 90 Meter geworfen«), musste der 28-Jährige nach zwei von vier Durchgängen vorzeitig abbrechen - der rechte Oberschenkel machte Probleme. »Es ist aber nichts ernstes, nichts, was irgendwelche Auswirkungen auf Olympia hat. Ich kann Entwarnung geben«, sagte Vetter nach einer MRT-Untersuchung. Chorzow war nicht nur wegen Vetter eine Showbühne für die deutschen Speer-Asse. Europameisterin Christin Hussong (Zweibrücken) steigerte ihre persönliche Bestmarke von 67,90 auf satte 69,19 m.

Sieben Siege in 40 Disziplinen reichten der DLV-Auswahl in der EM-Endabrechung zu Platz vier (171 Punkte) unter sieben Nationen. Europameister wurde Gastgeber Polen (181,5) vor Italien (179) und Großbritannien (174).

Ob Vetters »kleine Verletzung« derweil Einfluss auf einen DM-Start am Wochenende in Braunschweig hat? »Dazu werde ich unter der Woche etwas mitteilen«, sagte Vetter: »Mir wäre aber auch lieber, wenn man den Fokus auf diesen geilen Wettkampf legen würde.«

Dieser Wunsch hat Berechtigung, zumal es der Offenburger nicht zum ersten Mal in Chorzow hatte krachen lassen: Am 6. September 2020 warf Vetter in der Stadt, die einst unter dem deutschen Namen Königshütte bekannt war, gigantische 97,76 m - nur 72 cm weniger als der vermeintliche Jahrhundert-Weltrekord des Tschechen Jan Zelezny aus dem Jahr 1996 (98,48). Und am Samstag zeigte Vetter beim zweitbesten Wettkampf seiner Karriere, dass er in Normalform der haushohe Favorit für die Olympischen Spiele in Tokio sein wird. Schon im ersten Versuch steigerte er mit 94,24 m seine Jahresweltbestleistung um vier cm, mit dem zweiten Wurf haute er dann richtig einen raus - danach meldete sich aber der Oberschenkel. »Echt schade«, meinte er.

Allerdings könnte es für Kraftpaket Vetter ein kleiner Warnschuss gewesen sein, es in Sachen Belastung vor Olympia (23. Juli bis 8. August) nicht zu übertreiben. Während Rio-Olympiasieger Thomas Röhler noch keinen ernsthaften Wettkampf bestritten hat, trat Vetter seit seinem Saisonstart Ende April fünfmal an, siegte fünfmal, warf fünfmal über 90 m. Er aber sieht sich noch längst nicht am Limit. Es sei ein »beruhigendes Gefühl«, sagte Vetter unlängst, dass er »immer noch ein Ass im Ärmel« habe.

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